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Bildungsdezernentin Weber : Schulen bauen und Verwaltung umgestalten

In doppelter Mission: Seit einem Jahr ist Sylvia Weber als Dezernentin für Bildung und Integration zuständig. Bild: Helmut Fricke

Im ersten Amtsjahr als Frankfurter Bildungdezernentin hat Sylvia Weber einiges angepackt. Zuvor sei aber auch viel liegengeblieben, sagt die SPD-Politikerin.

          „Nicht ganz einfach“ sei die Ausgangssituation im Juli 2016 gewesen, sagt Sylvia Weber. Vor einem Jahr trat die SPD-Politikerin das Amt als Bildungsdezernentin an, gestern hat sie eine Zwischenbilanz gezogen. Unter ihren Vorgängerinnen Jutta Ebeling und Sarah Sorge von den Grünen sei einiges liegengeblieben. Viel zu lange habe es keinen Schulentwicklungsplan gegeben, viel zu lange sei das Wachstum der Schülerzahlen unterschätzt worden. „Da hätte man anders arbeiten können – wir sind angetreten, um es besser zu machen.“

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nicht nur die Schulbauten seien in schlechtem Zustand gewesen, auch das Verhältnis zu Eltern und Schulgemeinden habe nicht gestimmt, sagte Weber. Im vergangenen Jahr sei es ihr gelungen, das Vertrauen in die städtische Bildungspolitik zurückzugewinnen. Es habe sich gelohnt, mit betroffenen Schulen und kritischen Eltern ins Gespräch zu kommen. „Wir sind immer ansprechbar, reagieren schnell, organisieren Besuche vor Ort, machen uns ein Bild, schieben Prozesse an, halten auf dem Laufenden.“ Sie sei stolz darauf, dass wieder offen, respektvoll und auf Augenhöhe zusammengearbeitet werde. Das werde so bleiben, auch wenn es Zeit und Energie koste.

          Ein hoher Preis - im wahrsten Sinne des Wortes

          Als größte Herausforderung der nächsten Jahre bezeichnete Weber es, die Infrastruktur für Bildung und Betreuung auszubauen. Wegen der steigenden Geburtenzahl, des Zuzugs, der Entwicklung neuer und der Nachverdichtung bestehender Wohngebiete müssten weiterhin Krippen, Kindergärten und Horte sowie Bildungsstätten von der Grundschule bis zur Berufsschule geplant, gebaut und eröffnet werden. Die Grundlage hierfür sieht Weber in der Schulentwicklungsplanung, die jetzt jährlich aktualisiert werden solle.

          Eine weitere Voraussetzung sei eine effektivere Verwaltung. Die Verfahren, um Bildungsstätten zu bauen, zu erweitern und zu erhalten, müssten schneller werden. Daran arbeite sie zusammen mit den Magistratskollegen Planungsdezernent Mike Josef (SPD) und Baudezernent Jan Schneider (CDU). Ein Schritt sei die Einrichtung des Amts für Bauen und Immobilien: Rund 250 für Schulbauten zuständige Mitarbeiter des Stadtschulamts wechselten in das neue Amt, das Anfang November seinen Dienst aufnehmen soll.

          Als erfolgreich beurteilt Weber die Schuleröffnungen des vergangenen Jahres. Die Anmeldezahlen zeigten, dass Eltern die IGS Süd und das Gymnasium Nord „voll akzeptieren“. Nach den Ferien nähmen die Grundschule im Europaviertel, die Integrierte Gesamtschule Kalbach-Riedberg und die Kooperative Gesamtschule Niederrad den Unterricht auf. Mit der Entscheidung, die Schule an den beiden Standorten „im Herzen von Niederrad“ nicht nur vorübergehend, sondern dauerhaft anzusiedeln und auszubauen, sei eine gute Lösung gefunden.

          In den nächsten fünf Jahren würden fünf weitere Schulen eröffnen: zwei Grundschulen, zwei Gymnasien und eine Gesamtschule. Die Standortsuche sei aber schwierig, sagte Weber. 250 Liegenschaften seien geprüft worden, die allermeisten seien untauglich. Die Stadt habe in der Vergangenheit den Fehler gemacht, für den Schulbau in Frage kommende Flächen zu veräußern. „Dafür zahlen wir nun einen hohen Preis, im wahrsten Sinne des Wortes.“ Mit ihren Magistratskollegen sei sie einig, dass künftig in Neubaugebieten und auch bei Nachverdichtungen Flächen für Bildungsstätten reserviert würden. Ähnlich wie Auto-Stellplätze müssten bei jeder Planung Kita- und Schulplätze nachgewiesen werden.

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          Zu den Leistungen ihres ersten Amtsjahres zählt Weber den Ausbau der Kinderbetreuung. In den Stadtteilen, in denen es für das bevorstehende Schuljahr zu wenige Hortplätze gegeben hatte, habe eine Arbeitsgruppe in Absprache mit den Beteiligten Lösungen gefunden. Stadtweit seien fast 1100Betreuungsplätze für Grundschüler entstanden. Künftig werde die Stadt 1250Nachmittagsplätze jährlich schaffen, davon 400 in Horten und 850 direkt in den Schulen.

          Als „persönliches Lieblingsprojekt“ betrachtet Weber die bessere Bezahlung an der Volkshochschule. Die Kursleiter hatten dagegen protestiert, dass die Stadt für Deutschkurse deutlich weniger zahlt als der Bund – jetzt steigt das Honorar um knapp ein Drittel auf 35Euro die Stunde. Auch räumlich expandiert die Volkshochschule: Am 4. November soll eine Dependance im Nordwestzentrum eröffnen. Weber sieht ein „Bildungzentrum für den Frankfurter Norden“ entstehen.

          Quelle: F.A.Z.

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