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Zoo Wo Leguane sich lieben

26.08.2007 ·  Unten Fische, oben Reptilien: Vor 50 Jahren wurde das Exotarium des Frankfurter Zoos eröffnet. Bis heute ist es international berühmt für seine Erfolge in der Reptilienzucht - „unhaltbar“ gibt es dort nicht.

Von Eva-Maria Magel
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„Die Jungen sind viel ausgeglichener, wenn Erwachsene dabei sind.“ Rudolf Wicker, der Kurator des Exotariums und stellvertretender Zoodirektor, redet nicht etwa von den Kindern, die um die Terrarien herumwuseln. Sondern über die Chuckwallas, eine Leguan-Gattung, die sich faul in einer Ecke räkeln.

„Da ist ein Hot spot“, erklärt Wicker – ein Platz also, an dem der Sand in den ohnehin warmen Großterrarien noch heißer ist. Die Tiere brauchen eine Temperatur um 39 Grad Celsius. Und um ihre pflanzliche Nahrung verdauen zu können, müssen sie die heißen Stellen nutzen – sonst sind sie vom Tod bedroht.

Winterruhe, Fressen und Fortpflanzung

Die Gruppe macht also gerade eine Art Verdauungsschlaf unter den Augen des neugierigen Publikums, das zur Hälfte aus Menschen, zur anderen Hälfte aus Blauen Felsenleguanen besteht. Die teilen das Gehege mit den „Chucks“. Jungtiere, meint Wicker, bildeten am liebsten mit den Erwachsenen ein kuscheliges Knäuel. Das ist nur eine der vielen Erkenntnisse, die er und sein Team im Lauf der Jahre gewonnen haben. Winterruhe, Fressen und Fortpflanzung – viele Reptilien sind bis heute kaum erforscht. 20 Jahre hat es allein gedauert, bis die Chuckwallas sich in Frankfurt das erste Mal vermehrt haben. Dann hatte das Exotarium wieder bewiesen, dass es seinen Ruf für erstklassige Haltung und Nachzucht nicht zu Unrecht hat.

Seit 1957 genießt die Reptilienabteilung des Zoos hohes Ansehen: Am 28. August wurde das damals modernste Aquaterrarium seiner Zeit eröffnet. 1944 war der Vorgängerbau – schon seit 1877 genoss der Zoo einen herausragenden Ruf für eines der ersten Aquarien überhaupt – im Krieg zerstört worden.

Die geradezu astronomische Summe von 1,8 Millionen Mark wurde in ein Gebäude gesteckt, dessen Technik laut Wicker bis heute auf dem neuesten Stand ist – nach einem vorerst letzten Umbau vor 20 Jahren. „Wenn man Geld hätte . . .“, fängt Wicker seine Sätze an, wenn er über nötige neue Anlagen für die Krokodile und die Pinguine spricht. Pinguine beim Schwimmen beobachten zu können und Reptilien, anders als noch heute in vielen Zoos, nicht in düsteren Betonbunkern, sondern unter lichten Glasdächern, war 1957 eine internationale Attraktion. Noch heute, sagt Tierpfleger Dieter Vogel, der seit 1969 im Haus arbeitet, reisten Besucher von weit her an – vor allem der Reptilien wegen.

Warane mit Frankfurter Genen

Denn immer noch gebe es in Frankfurt Tiere zu sehen, die in anderen Zoos als „unhaltbar“ oder zumindest als extrem schwierig gelten. Seit 1990 etwa ist Frankfurt der einzige Ort außerhalb Australiens, an dem die dort beheimateten Süßwasserkrokodile Nachwuchs bekommen. Reptilien erfreuen sich in den vergangenen Jahren als Haustiere großer Beliebtheit. Mancher in Europa lebende Waran hat Frankfurter Gene – an qualifizierte Halter nämlich werden Reptilien auch mal abgegeben.

Mit erfahrenen Privatleuten, die oft über enormes Wissen verfügen, stehen Wicker und die Pfleger in regem Austausch, reisen zu Tagungen und veranstalten Führungen: Mit wechselwarmen Tieren umzugehen, sei eben eine besondere Sache, sagt Wicker. Viel Arbeit, aber auch viel Freude mache das, sagt Vogel, der zu Hause selbst Reptilien hält, „aber eher kleine“. Um die großen kümmert er sich lieber im Zoo.

Zum Jubiläum gibt es am Montag ein spezielles Abendprogramm im Exotarium. Von 19.30 Uhr an hält Rudolf Wicker einen Vortrag zur Geschichte der Aquarien- und Reptilienhalle. Eine Führung gibt Einblicke hinter die Kulissen, die Mitarbeiter beantworten Fragen. Der Eintritt ist frei.

Quelle: F.A.Z.
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