Home
http://www.faz.net/-gzh-utc5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Zoo Stillstand im Bonoboland

13.04.2007 ·  Seit die Baufirma insolvent ist, ruhen die Arbeiten an der Menschenaffenanlage im Frankfurter Zoo. Auch die Gibbons müssen länger als geplant auf ihre neue Unterkunft am großen Weiher warten.

Von Eva-Maria Magel
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Kein Krach im Zoo, zumindest kein Baulärm nach dem überraschenden Rücktritt des Zoodirektors Christian Schmidt: ausgerechnet mit seinem Lieblingsprojekt, dem Bonoboland genannten neuen Menschenaffengehege, geht es derzeit nicht voran. Das ausführende Bauunternehmen, die in Dortmund ansässige Wiemer & Trachte AG, hat vor wenigen Tagen Insolvenz angemeldet.

Das Unternehmen sei überschuldet, seine Zukunft ungewiss, ließ die Geschäftsleitung mitteilen. Seither ruhen die Bauarbeiten an der Anlage, die auf 10.000 Quadratmetern den Menschenaffen des Tiergartens einen artgerechten Lebensraum bieten soll. Außer den Logo-Tieren des Zoos, den Bonobos, sollten dort Gorillas und Orang-Utans bis Juli oder August dieses Jahres einziehen.

„Man muss mit derlei Zwischenfällen rechnen“

Daran solle sich auch möglichst nichts ändern, beteuert Rudolf Wicker, der kommissarische Direktor des Zoos. Bei solch großen Bauvorhaben müsse man mit derlei Zwischenfällen rechnen. Mag sein, dass Wickers Gelassenheit damit zusammenhängt, dass weder der Zoo noch die Stadt direkt betroffene Bauherren sind: Das Bonoboland ist das erste Public-Private-Partnership-Projekt eines deutschen Zoos. Betreut wird es von der Objektgesellschaft Avicenna aus Pullach, die von der Hannover Leasing Gesellschaft eigens für diesen Zweck gegründet worden ist. Insgesamt kostet die Anlage 14,5 Millionen Euro, Avicenna soll sie mit Subunternehmern bis 2028 betreiben – und bekommt dafür von der Stadt jedes Jahr eine Million Euro.

Avicenna, so Wicker, müsse sich nun darum kümmern, dass der Baubetrieb so schnell wie möglich fortgesetzt werden könne. Dies sei vertraglich geregelt, sagt auch Kirsten Grote-Bär, die Sprecherin des zuständigen Kulturdezernats: „So dramatisch sehen wir das nicht.“ Die engagierten Subunternehmen sollten weiterarbeiten können und würden von Avicenna kontaktiert, so Grote-Bär. Martin Eilbacher und Martin Olk von Avicenna äußerten gestern, ob Wiemer & Trachte weiterarbeite, hänge vom Insolvenzverwalter ab, der zurzeit die Unternehmenslage überprüfe. Parallel suche Avicenna nach möglichen anderen Bauunternehmen.

„Wir hoffen, dass kein Schaden entsteht“

Mitte nächster Woche solle die Situation geklärt sein: „Wir hoffen, dass kein Schaden entsteht.“ Der Frankfurter Architekt Harald Fay, der zusammen mit dem Darmstädter Büro Liquid das Gehege entworfen hat, gibt zu bedenken, dass den Unternehmen durch ihre Vorleistungen finanzielle Einbußen entstehen könnten. Doch die Fertigstellung von Bonoboland sei auf keinen Fall gefährdet. Die komplette Eröffnung war für das Frühjahr 2008 geplant, wenn der Zoo 150 Jahre alt wird. Dann soll das Freigehege, in dem weitere Affenarten untergebracht werden, ebenfalls fertiggestellt sein.

Die Menschenaffenanlage ist nicht die einzige ruhende Baustelle im Zoo. Auch die Gibbons müssen länger als geplant auf ihre neue Unterkunft am großen Weiher warten. „Frühjahr 2007“ steht zwar als Termin auf dem Bauschild, doch nur ein unbedachter Rohbau steht. Der Teufel stecke im Detail, erklärt Wicker: Die Fundamente, die abgetragen werden mussten, entpuppten sich als 1,20 Meter dicke Stahlbetonkonstruktion – ein ehemaliger Luftschutzkeller.

Zudem, so der kommissarische Direktor, sei das Dach, „im Grunde nichts anderes als eine Gewächshauskonstruktion“, von den Anbietern so teuer berechnet worden, dass man sich zu einer Neuausschreibung entschlossen habe. Nun lägen günstige Angebote vor. Nach der Begutachtung durch die Stadt solle ein Unternehmen in spätestens vier Wochen den Zuschlag erhalten. Noch in diesem Jahr soll die rund eine halbe Million Euro teure Anlage fertig werden.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1970, Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr