10.07.2011 · 400 Volunteers aus dem Rhein-Main-Gebiet tragen zum Gelingen der Fußball-WM der Frauen bei. Beim Spiel von Äquatorial-Guinea gegen Brasilien sind sie in der Frankfurter Arena überall anzutreffen.
Von Steffen SchneiderAls es nach zwei Minuten zum ersten Mal so richtig laut wird im Stadion, hat Melanie Rejzek ihren Rundgang rund um die WM-Arena soeben beendet. Gerade noch rechtzeitig, um die Freistoß-Hereingabe der brasilianischen Weltfußballerin Marta zu sehen, die den langen Pfosten nur um wenige Zentimeter verfehlt. Zumindest das Spiel zwischen den Ballzauberinnen vom Zuckerhut und den Frauen aus Äquatorial-Guinea kann die vierundzwanzigjährige Raunheimerin jetzt genießen, schließlich liegt schon ein intensiver Arbeitstag hinter ihr.
Rejzek ist eine von bundesweit insgesamt 3000 freiwilligen Helferinnen und Helfern bei der Frauen-WM. Als „Volunteer“ ist die gelernte Reiseverkehrskauffrau für das Außenareal des Stadions zuständig. Gemeinsam mit vier weiteren Helfern kontrolliert sie vor jeder Partie das Gelände, schaut, ob fliegende Händler gekommen sind oder Leute, die Tickets auf dem Schwarzmarkt verkaufen wollen. Auch die Sponsorenrechte der Fifa-Partner sollen gewahrt werden – und so müssen die Helfer dafür sorgen, das hier und da auch einmal das Logo eines Konkurrenzproduktes abgeklebt wird.
Wie schon beim „Sommermärchen“ im Jahr 2006 sind Rejzek und ihre Mitstreiter das Rückgrat des Großereignisses, „entscheidend für den Erfolg der Weltmeisterschaft und eine Visitenkarte des Turniers“, wie es die Chefin des Organisationskomitees, Steffi Jones, formuliert hat. „Ohne das Engagement, den Einsatz und die Begeisterung der Volunteers wäre eine solche Veranstaltung nicht durchführbar.“
„Bei so einem Event muss man dabei gewesen sein“
Vom Marketing über die Gästebetreuung bis zur Logistik und Telekommunikation sind die fleißigen Helfer in den knallroten T-Shirts in zwölf verschiedenen Aufgabenbereichen tätig – stets ehrenamtlich, sprich unbezahlt. Dennoch sind die Stellen heiß begehrt, allein in Frankfurt musste das Organisationskomitee 2800 Bewerbungen für 400 Stellen sichten. Neben der Ausrüstung und freien Verpflegung erhält ein jeder Volunteer zumindest eine Urkunde, „die sich ganz gut im Lebenslauf macht“, wie Anna Kasparyan erklärt. Die Schülerin aus Mainz hatte sich schon als Helferin bei der U-20-WM im vergangenen Sommer beworben, geklappt hat es aber erst jetzt. Sie arbeitet bei der Akkreditierung von Journalisten.
„Bei so einem Event im eigenen Land muss man einfach dabei gewesen sein“, meint Sebastian Velasco-Ruiz. Der Rodgauer, im richtigen Leben Angestellter bei der Lufthansa, ist während der Weltmeisterschaft Logistik-Volunteer und Fahrer der Fifa-Mitarbeiter. Vor dem Spiel in der Frankfurter Arena musste er einen Funktionär vom Hotel abholen und staunte nicht schlecht, als er sich plötzlich inmitten der brasilianischen Nationalmannschaft wiederfand – nur wenige Meter entfernt von Erika und Cristiane, den späteren Torschützinnen zum 3:0-Sieg der Brasilianerinnen über Äquatorial-Guinea. Dass die Stars der WM ausreichend verpflegt sind, ist übrigens auch den Helferinnen und Helfern im rot-schwarzen Dress zu verdanken. Vor dem Spiel sind für die Mannschaften, Schiedsrichter, Anti-Doping-Beauftragten und Volunteers mehr als 500 Flaschen Getränke in die Katakomben transportiert worden.
„Hier wird mit Sicherheit am meisten gelacht“
Als „kleiner Teil eines großen Ganzen“ versteht sich daher Melanie Rejzek, und auch Johanna Weber würde diesen Satz unterschreiben. Die Neunzehnjährige aus dem Odenwald arbeitet im Gästeservice. „Wir sind dafür zuständig, dass die Leute glücklich ins Stadion kommen“, sagt ihre Kollegin Susanne Schuchall mit einem Augenzwinkern, ehe sie den zahlreichen brasilianischen Fans den schnellsten Weg zum Haupteingang zeigt. Schon 2006 hat sich die Frankfurterin als Helferin engagiert. Seinerzeit seien die Zuschauer eher „klassische Fans“ gewesen, das Frauen-Turnier in diesem Sommer sei hingegen deutlich familiärer. „Hier kommt auch mal der Vater mit Kind zum Spiel, weil er weiß, dass nichts passiert“, sagt Hauptkommissar Ernst Hübsch. Der Polizist steht kurz vor Spielbeginn vor den Stadiontoren, als „Communicator“ – einer von insgesamt zwölf – weiß er die Hilfe der Volunteers besonders zu schätzen.
Auf die Unterstützung von Achim Barth muss er dabei nicht zurückgreifen. Der Aschaffenburger hat sich für den gesamten WM-Zeitraum Urlaub genommen, eingesetzt wird er als Fahrer des Shuttle-Busses von der S-Bahn-Station zur Arena. Unzählige Fans aus aller Herren Ländern haben schon in seinem Neunsitzer Platz genommen. Natürlich komme man dabei ins Gespräch, sagt er. „Hier wird mit Sicherheit am meisten gelacht, die Gäste sind meistens gut drauf. Was ich nicht brauche, ist die A-Prominenz, aber die kommt ja sowieso mit der Limousine.“ Schon seit dem frühen Morgen ist sein Bus unterwegs, die Schicht teilt sich der fünfundfünfzigjährige Barth mit Rolf Mattil. Das sei notwendig, schließlich sei an Spieltagen „die Hölle los“, sagt der.
Und das kann auch schon mal zu Situationen führen, in denen selbst die hilfsbereiten Volunteers ratlos sind: So geschehen am ersten Spieltag der WM, als eine Gruppe nigerianischer Fans kurz vor dem Spiel ihres Teams gegen Frankreich vor dem Stadion eintraf. Zwar mit Fahnen und Trompeten, aber wohl ohne gründliche Lektüre des Spielplans: Die Partie fand nicht in Frankfurt, sondern im 130 Kilometer entfernten Sinsheim statt. Da konnte auch der Hinweis auf die Fanmeile am Frankfurter Mainufer die Gruppe kaum trösten.
Naiv....?
Michael Meier (never1)
- 10.07.2011, 14:16 Uhr