07.08.2005 · 450 Besucher aus 50 Ländern, sämtlich Mitarbeiter und interessierte Nutzer der freien Online-Enzyklopädie "Wikipedia", sind während der vergangenen vier Tage zu einer internationalen Konferenz im Frankfurter Haus der Jugend zusammengekommen.
450 Besucher aus 50 Ländern, sämtlich Mitarbeiter und interessierte Nutzer der freien Online-Enzyklopädie "Wikipedia", sind während der vergangenen vier Tage zu einer internationalen Konferenz im Frankfurter Haus der Jugend zusammengekommen. Eine derartiges Treffen fand zum ersten Mal statt.
Mit 65 Vorträgen, Workshops und Einführungen bot die "Wikimania" genannte Veranstaltung einen Einblick in das immer populärer werdende Internet-Nachschlagewerk. Auf diesem Wege sollte den Teilnehmern die Möglichkeit gegeben werden, sich über aktuelle Projekte zu informieren, um so Zusammenarbeit und Austausch unter den "Wikipedianern" zu fördern. "Meine Vision ist es, eine Art Rotes Kreuz der Information zu schaffen, das Menschen aus aller Welt den Zugang zu freiem Wissen in ihrer eigenen Sprache ermöglicht, auch in Ländern mit minimaler Internetnutzung und unter Bedingungen staatlicher Zensur", sagte Jimmy Wales, Gründervater von Wikipedia und der Mutterorganisation Wikimedia, bei der Eröffnung der Konferenz.
Die Enzyklopädie wächst schnell: Mittlerweile existieren mehr als zwei Millionen Artikel in mehr als 100 Sprachen, und durchschnittlich 50000 ehrenamtliche Editoren sorgen dafür, daß jeden Monat etwa 200000 Einträge hinzukommen. Das allein durch Spenden finanzierte Projekt zählt zu den größten 50 Internetseiten der Welt, mit mehr Zugriffen als zum Beispiel die "New York Times". Im Juni erst wurde sie "als herausragendes Beispiel kollaborativer Nutzung des Internet" mit dem Online-Award 2005 des Adolf Grimme Instituts ausgezeichnet.
Wikipedia bietet derzeit 267333 Artikel in deutscher Sprache; die deutschsprachige Version besteht seit vier Jahren. Die Möglichkeit, daß jeder sich beteiligen und sein Wissen einbringen kann, führt auch hierzulande zu immer größerer Beliebtheit des Internet-Lexikons, auch wenn ihm immer wieder mangelnde Qualität vorgeworfen wird. "Das einzige, was mich stört, ist, daß so getan wird, als ob das eine verläßliche Quelle sei, und das ist es beileibe nicht", so Klaus Holoch, Sprecher des Verlags Bibliographisches Institut und FA Brockhaus AG. Valerie Haselbeck, Studentin und Konferenzteilnehmerin aus Stuttgart, stört das hingegen wenig: "Seit einer ganzen Weile schon nutze ich Wikipedia für mein Studium. Man findet so einfach nützliche Informationen, die in keiner herkömmlichen Enzyklopädie enthalten sind." Mitchell Kapor, amerikanischer Softwareentwickler, IT-Unternehmer und ebenfalls Gast im Haus der Jugend, hält Wikipedia sogar "für die interessanteste Erscheinung der Informationstechnologie überhaupt". Ihr Erfolg sei auch auf den "Spaßfaktor" zurückzuführen, der besonders deswegen gegeben sei, da auch in Zukunft auf jede Form von störender Online-Werbung verzichtet werde.
Der Initiator Jimmy Wales kündigte an, daß bereits geplant sei, das Angebot des Wörterbuchs beispielsweise auch auf die Sektoren Musik, Kunstwerke, Landkarten oder Wörterbücher auszudehnen. Sie sollen in den nächsten Jahren frei im Internet erhältlich sein. (alpi./mego.)