15.04.2007 · Sommerstimmung pur auf den Frankfurter Sonnenplätzen: An den heißesten Apriltagen seit 39 Jahren zieht es viele hinaus zum Grillen oder Sonnen. Auch die Freibadsaison ist vorzeitig eröffnet.
Von Alexandra MausIm Maincafé am Schaumainkai herrscht Hochbetrieb. Vor dem Eingang des kleinen Cafés staut sich die Menschenmenge fast bis zum Ufer des in der Sonne träge dahinfließenden Mains. Im Innern bestimmt Hektik das Geschäft: „Ein Großer sauer, ein Großer süß!“, ruft die Kellnerin ihren Kollegen hinter der Theke im Sekundentakt zu. Das Stöffche fließt in Strömen an diesem Samstagmittag des mit fast 30 Grad heißesten Apriltags seit 39 Jahren. Im Akkord füllen die Mitarbeiter Halb-Liter-Gläser ab.
Doch wer sich mit dem kühlen Durstlöscher ausgestattet hat, steht schon vor der nächsten Herausforderung – einen Sitzplatz zu finden. Denn der Andrang am Mainufer ist riesig: Die Bänke vor dem Café sind dicht besetzt. Das in Folge der Fußball-Weltmeisterschaft erst noch spärlich wachsende neue Grün am Mainufer ist neben den vielen bunten Wolldecken, auf denen sich Sonnenanbeter wohlig räkeln, kaum zu erkennen. Zwischen zartrosa blühenden Zierkirschen sind Hängematten aufgespannt. Kaum ein Fleck ist noch frei.
„Wie ein Tag Urlaub!“
Die drei Freundinnen Svenja, Maren und Katrin hatten hingegen Glück. Sie haben ihr Lager direkt am Ufer aufgeschlagen können und lassen sich die Sonne wohlig auf den Bauch scheinen. „Vor dieser Skyline zu sonnen, ist supertoll“, schwärmt die 25 Jahre alte Svenja. Die Nähe zum Wasser – mitten in der Innenstadt – sei einmalig: „Wie ein Tag Urlaub!“ Nur eines stört sie: dass die Absperrung um die frisch gesäte Rasenfläche von vielen Besuchern einfach ignoriert wird. „So wächst der Rasen nie“, sagt Maren, die sich schon darauf freut, im Sommer jede freie Minute am Main zu verbringen.
Sommerstimmung pur auch im Freibad Hausen: Das Thermometer im Schatten zeigt 28 Grad an, in der prallen Sonne sind es sogar brütend heiße 40 Grad. „Das Wasser ist angenehme 27 Grad warm“, sagt Betriebsleiterin Anette Hamel, die sich über den großen Besucherandrang freut. Mehr als 2000 Badegäste tummeln sich gegen 15 Uhr in Frankfurts gut beheizten und deshalb schon geöffneten Freibad. Rund 2700 Besucher erwartet Hamel bis zum Abend. „So früh ging die allgemeine Badesaison noch nie los“, freut sich die Betriebsleiterin. Auf den Liegewiesen bleibt für Ballspiele kaum Platz, und in den Schwimmbecken begnügt sich so mancher Badegast damit, erst mal nur den großen Zeh ins Wasser zu halten – bis das Becken für kurze Zeit etwas leerer wird und wieder Platz zum Eintauchen bietet.
Den gibt es im Lucae-Brunnen vor der Alten Oper längst nicht mehr. „Das ist fast zu voll“, sagt Carsten Detter. Mit „Shakespeare“ hat er sich am Rand des Gedränges einen Platz gesucht: Die Riesendogge, die der Student nach dem englischen Schriftsteller benannt hat, döst zwar entspannt neben seinem Herrchen, nähme aber wohl gerne selbst ein Bad im Brunnen. „Dann wäre dort sicher ganz schnell alles leer“, lacht Dettert. So muss sich die stattliche Dogge mit einem Napf Wasser als Abkühlung begnügen.
Panoramablick vom Lohrberg aus
Kleine weiße Rauchwolken steigen über dem Ostpark auf. Statt Wasser ist dort Feuer gefragt: Obschon es nicht jedem Parkbesucher vergönnt scheint, die Kohle auf Anhieb auch zum Glühen zu bringen, gibt es im Ostpark wohl niemanden, der ohne Grill angereist ist. Und wenn er noch so klein ist: Für Würstchen, Steaks und Grillkartoffeln reicht es immer. Auch das Team der Computerspiele-Firma „Crytek“ mit Sitz an der Hanauer Landstraße hat den Grill im Ostpark aufgebaut: „Der Park liegt für uns alle zentral“, sagt Tom Deerberg, einer der jungen PC-Spezialisten, von denen viele aus dem Ausland kommen und die sich, sobald es sommerlich wird, im Ostpark treffen: zum Grillen, um eine Runde zu kicken, mal die Frisbee-Scheibe fliegen zu lassen, die schönen Sonnentage miteinander zu genießen – und auch um kreative Einfälle für neue Spiele zu sammeln.
Auf dem Lohrberg in Seckbach ist Kreativität ebenfalls vonnöten – bei der Suche nach einem Parkplatz nämlich. Die schmalen Straßen rund um den Lohrpark sind mit Autos zugestellt, wer nicht seit den Morgenstunden da ist, muss sich zu Fuß den Berg hocharbeiten. Was jedoch niemanden abzuschrecken scheint: Als sich gegen Abend allmählich die Sonne senkt und den Frankfurter Hausberg in ein goldenes Licht taucht, treffen immer noch neue Leute ein. In den angrenzenden Kleingärten toben Kinder in Planschbecken, Hobby-Gärtner pflegen die noch jungen Pflanzen, während andere sich einfach nur der Sonne entgegenstrecken.
Auf den Liegewiesen des Parks genießen Besucher den Panoramablick über Frankfurt, der den Lohrberg zu einem lohnenden Ausflugsziel macht. Selbst eher düster anmutende Gemüter sind begeistert: „Das ist der schönste Platz in Frankfurt“, sagt Steffen Schlüter. Zusammen mit den anderen Mitgliedern seiner Gothic-Rock-Band ist er gerade dabei, den Grill aufzubauen. In der Lohrberg-Schänke wird es gegen Abend ruhiger: „Der ganz große Ansturm war das heute noch nicht“, sagt Kellner Robert Kajdoci. Für den Sommer, von dem man an diesem Wochenende ja nur einen kleinen Vorgeschmack bekommen habe, ist er aber optimistisch: „Da kommt noch einiges, ganz sicher!“