10.03.2010 · Wie soll das Frankfurter Zentrum künftig aussehen? Erste Antworten gab es bei der ersten Themenwerkstatt zum Innenstadtkonzept. Es ging um Handel und Gastronomie. Der Einzelhandelsverband ist aber nicht interessiert gewesen.
Von Rainer SchulzeVolker Weiland aus dem Nordend vermisst ein Centre Pompidou in der Frankfurter Innenstadt: „Ein kulturell genutztes Gebäude, das eine gewisse Dynamik entfaltet.“ Greta Becker, die am Westhafen arbeitet, möchte der ländlichen Ruhe entgegenwirken, in die die Innenstadt nach Geschäftsschluss mitunter verfällt. „Die Stadt muss auch abends sexy bleiben“, sagt sie. Volker Weiland und Greta Becker sind keine Stadtplaner. Doch sie haben Ideen und engagieren sich für die Entwicklung ihrer Stadt. Etwa 60 Bürger ließen sich am Montagabend auf die erste Planungswerkstatt „Einzelhandel und Gastronomie“ zum Innenstadtkonzept ein, zu der das Stadtplanungsamt eingeladen hatte.
Wo sind die optimalen Orte für Gastronomie? Welche Ansätze lassen sich von anderen Städten übernehmen? Und welche Geschäfte und Cafés sind für Frankfurt besonders wertvoll? Unter der Anleitung von Fachleuten machen sich die Teilnehmer auf die Suche nach Antworten. Vor allem die Sorge vor der Macht der Filialisten, die höhere Mieten als inhabergeführte Geschäfte zahlen können, treibt die Teilnehmer um: „Wir müssen Schätze wie das Café Wacker erhalten“, sagt der Gastronom Thomas Klüber.
Neue Wege und Passagen
Planungsamtsleiter Dieter von Lüpke verspricht sich viel von den Anregungen der Bürger. „Wir brauchen eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung“, sagt er. Um die Ziele des Innenstadtkonzepts – darunter neue Wege und Passagen – zu realisieren, sei die Stadt auf die Mitwirkung der Privateigentümer angewiesen.
Sie hat sich daher bemüht, auch die Verbände ins Boot zu holen. Die IHK hat ihre Vertreter zur Planungswerkstatt geschickt. Jan Dustmann repräsentiert die Zeil-Anlieger und spricht von „Verantwortung“, die ein Eigentümer für „seine Straße“ habe. Der Vorsitzende der Frankfurter Ortsgruppe des Bunds Deutscher Architekten, Ulrich von Mende, der gewöhnlich selten ein gutes Haar an der Stadtplanung lässt, ist voll des Lobes: „Endlich hat die Stadt verstanden, wie es funktioniert. Erst die Bürger fragen und dann eine Planung machen.“ Andere glänzen durch Abwesenheit. Der Präsident des Einzelhandelsverbands Frank Albrecht hatte keine Zeit, der Einladung zu folgen. Er verzichtete auch darauf, einen Vertreter zu schicken: „Als grundsätzlich wichtig erschien uns das nicht“, sagt Albrecht.
Wie stark die Stadtplanung aber auf die Unterstützung von Multiplikatoren wie Abrecht angewiesen ist, zeigt ein Rundgang. Die Teilnehmer der Planungswerkstatt passieren an der Töngesgasse eine Hofeinfahrt, durch die die Stadt die Fußgängerströme zur Kleinmarkthalle leiten möchte. Heute versperren Garagen auf dem Hof den Durchgang zur Kleinmarkthalle. Es sind nur ein paar Meter, aber sie führen über privates Eigentum.
Schlechte Nord-Süd-Verbindungen
In Frankfurt laufen die Passanten bisher vor allem in die von der Zeil vorgegebene Richtung: von Osten nach Westen. Die Nord-Süd-Verbindungen zwischen Zeil und Mainufer sind schlecht ausgebaut. In Nürnberg sah dies in den siebziger Jahren ähnlich aus, erläutert Rolf Monheim, Professor für Angewandte Stadtgeographie an der Uni Bayreuth. Durch Verkehrsberuhigungen sei dort heute „ein Rundlauf“ möglich. „Wir müssen abwägen, ob die Qualität der Innenstadt davon abhängt, dass ich vor jeder Ladentür parken kann, oder davon, dass ich eine Stadt erleben kann.“
Zwanzig Köpfe beugen sich später über einen Stadtplan, eine Mitarbeiterin des Stadtplanungsamts kommt mit dem Beschriften kaum hinterher. Sie kreist neuralgische Orte ein, die auf der Kippe stehen, und markiert Lagen, die schon funktionieren. Das Kneipenviertel an der Weißadlergasse wirke als „Katalysator“, sagt einer. „Läden im Windschatten“ an den Nebenstraßen sollten erhalten bleiben. So entsteht auf dem Papier schon das, was eine Stadtplanerin als Fazit mit nach Hause gibt: ein Netz von belebten Straßen und Plätzen.