06.12.2006 · Er ist fester Bestandteil jedes Weihnachtsfestes: der prachtvoll geschmückte Christbaum. Doch bevor die Familie sich zur Bescherung versammeln kann, gilt es, den richtigen Baum auszuwählen. Die meisten Hessen bevorzugen Nordmannstannen.
Von Sebastian BeckEr ist fester Bestandteil jedes Weihnachtsfestes: der prachtvoll geschmückte Christbaum. Doch bevor die Familie sich zur Bescherung unter dem erleuchteten Tannenbaum versammeln kann, gilt es, eine weitreichende Entscheidung zu treffen: nämlich den richtigen Baum auszuwählen. Tendiert man zur ordinären Fichte mit ihren kurzen, spitzen Nadeln, zu ihrer lange Jahre äußerst beliebten Artkollegin, der Blaufichte, oder bevorzugt man duftende Edeltannen
Etwa die bläulich schimmernde Coloradotanne oder eine Nordmannstanne, die mit ihren dunkelgrünen, dicht stehenden, weichen Nadeln, die sich besonders lange halten, in den vergangenen Jahren zum beliebtesten Weihnachtsschmuck in deutschen Wohnzimmern avanciert ist? 75 bis 80 Prozent der Hessen entscheiden sich für sie.
Und noch eine weitere Entwicklung hat das „Informationszentrum Nordmannstanne“, eine Vertriebsgemeinschaft für Christbäume, ausgemacht: „Der Trend geht zum Zweitbaum“, sagt Geschäftsführer Werner Koop. Anfang Dezember kauften viele Menschen eine günstige Fichte, die sie, dekoriert mit Lichterketten, in den Garten stellten. Zum Heiligen Abend schmücke dann die frisch erworbene Nordmannstanne das in weihnachtlichem Glanz erstrahlende Wohnzimmer.
Weihnachtsbäume in diesem Jahr knapp
In diesem Jahr kommt allerdings erschwerend hinzu, daß die Weihnachtsbäume knapp sein sollen, wie Koop mitteilt. „Das Angebot fällt nicht so üppig aus wie in den Vorjahren“, es gebe weniger Tannenbaumkulturen. Die hessischen Weihnachtsbaum-Produzenten fürchten darüber hinaus großflächige Ernteausfälle wegen der zu milden Witterung.
„Es ist zu warm für die Bäume. Sie treiben schon wieder aus“, sagt Hansjörg Frank, Vorstandsmitglied im „Arbeitskreis hessischer Weihnachtsbaum“. Frank, der selbst in Friedberg eine Baumschule betreibt, fürchtet auch um seine Ernte und damit um den wirtschaftlichen Erfolg in dieser Saison. Wenn es jetzt Frost gäbe, färbten sich die gerade gesprossenen Triebe in ein häßliches Braun und vertrockneten. „Einen solchen Baum können wir nicht verkaufen.“ Selbst wenn man die vertrockneten, braunen Triebe abschnitte, nähmen in aller Regel die Tannen oder Fichten erheblichen Schaden, das gewünschte Ambiente für die Bescherung werde mit solchen Weihnachtsbäumen nicht hergestellt, sagt Frank.
Neben den für die Jahreszeit zu hohen Außentemperaturen fällt nach Angaben des „Informationszentrums Nordmannstanne“ das Baumangebot deshalb knapp aus, weil immer weniger Tannenbäume angebaut würden. In den vergangenen Jahren seien die Preise für Tannen und Fichten stark gefallen. „Viele Baumschulen, gerade kleinere Betriebe, mußten deswegen aufgeben“, sagt Geschäftsführer WeKoop. In ganz Europa seien die Anbauflächen stark geschrumpft, was auch an geänderten gesetzlichen Rahmenbedingungen liege. Wegen der seit 2005 gültigen Verordnungen zur Europäischen Agrarreform lohne es sich für die Landwirte, auf geeigneten Böden eher Getreide anzubauen oder die Flächen verstärkt als Weideland zu nutzen, anstatt dort Tannen oder Fichten zu ziehen. Da es immer weniger Bäume auf dem Markt gebe, zögen die Preise für den immergrünen Weihnachtsschmuck jetzt allerdings wieder an.
Nordmannstanne kostet rund 30 Euro
„In diesem Jahr wird sich die Preissteigerung wahrscheinlich nicht auf die Verbraucherpreise auswirken“, sagt Koop, die Verträge der Händler mit den Baumschulen seien schon im Spätsommer geschlossen worden. Laut des „Arbeitskreises hessischer Weihnachtsbaum“ kostet eine zwei Meter hohe, frisch geschlagene Nordmannstanne in diesem Jahr rund 30 Euro. Wer sich mit einer Blaufichte begnügt, zahlt rund 24 Euro für einen Baum entsprechender Größe.
Ob Fichte oder Tanne, von den schätzungsweise zwei Millionen in Hessen verkauften Bäumen stammt nur der geringste Teil aus lokaler Produktion, hier gibt es nur kleine und mittelständische Betriebe. Insbesondere in Nordeuropa gibt es hingegen riesige Christbaumplantagen. Dänemark und Irland liefern aufgrund großflächiger Produktion die meisten Bäume. Vor allem die Nordmannstanne gedeiht offenbar gut in mildem Seeklima, in windigen Lagen und auf sandigem Grund.
In Hessen ist die Erde nach Angaben von Baumschulen-Besitzer Frank oftmals nährstoffreich und damit viel zu wertvoll für den Tannen- und Fichtenanbau. Dies sagt auch Christoph von Eisenhart von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Hessen: „Herkömmliche Landwirtschaft lohnt sich viel mehr.“ Es kämen nur kleine Flächen für den Anbau von Christbäumen in Frage. Äcker unter Strommasten, dort, wo die Landwirte keine großen Erntemaschinen einsetzen könnten, seien beispielsweise beliebte Anbauflächen für Tannenbäume.