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Wahlkampfbesuch in Frankfurt : Kretschmann will wissen, ob Ökologie sich auch rechnet

Druckfrisch: Frank (links) mit Kretschmann in der Druckerei Zarbock. Bild: Helmut Fricke

Die Grünen zeigen dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten das erste nachhaltige Gewerbegebiet im Frankfurter Osten. Dabei handelt es sich um ein schwarz-grünes Projekt.

          Winfried Kretschmann hat mit etwas anderem gerechnet als mit dem, was die Frankfurter Grünen ihm gestern in Frankfurt-Fechenheim gezeigt haben. Unter dem Stichwort „Besuch eines nachhaltigen Gewerbegebiets“ hatte er nach eigenen Angaben den Besuch einer Industriebrache erwartet, die nun nach neuen ökologischen Standards genutzt werden soll. Doch das erste Frankfurter Gewerbegebiet, das mit städtischer Hilfe – einem Standort- und einem Klimaschutzmanager – sowie mit Fördergeld des Bundes umgestaltet werden soll, hat schon eine 185 Hektar große Fläche mit 550 Betrieben, die 7100 Angestellte beschäftigen. Es umfasst das Gewerbegebiet Seckbach, nordwestlich der Borsigallee, und Fechenheim-Nord. Dort haben zum Beispiel Einzel- und Fachhändler ihren Sitz. Auch die Klassikstadt ist dort. Die Idee zu dem Umbau hatten die Grünen, 2015 wurde es als schwarz-grünes Projekt beschlossen, seit einem Jahr arbeitet das Quartiersbüro. Als Kretschmann die Augenbrauen hebt, um zu erkunden, was denn eigentlich das Problem des Gebiets sei, antwortet ihm Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU), es sei „in die Jahre gekommen“.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Frank, Kretschmann und die stellvertretende Grünen-Fraktionschefin im Römer, Ursula auf der Heide, einigen sich schnell darauf, dass die Flächen „upgegraded“ werden sollen. „Das ist eine super Idee“, findet der Schwabe. Schließlich hatte auf der Heide zuvor eingestanden, dass es in dem Gebiet Minder- und Fehlnutzungen sowie Brachen gebe. Frank ergänzte, Frankfurt habe vieles, nur keine Flächen mehr. Und deshalb sei es „nicht erfreulich“, wenn rares Industriegelände als Lager oder als Treffpunkt für Religionsgemeinschaften genutzt werde. Auf Kretschmanns Frage, wie es denn um die Infrastruktur bestellt sei, verwies Frank auf die sonst in der Stadt hervorragende digitale Ausstattung. Außerdem erwähnte er die große Zahl an Rechenzentren und hob Frankfurts Bedeutung als Internetknoten hervor. Er gab aber auch zu, dass es durchaus „weiße Flecken“ gebe. Nicht alle Unternehmen im Gewerbegebiet, das als Modellprojekt für andere Gewerbeflächen dienen soll, seien an das Glasfasernetz angeschlossen.

          Grüne Ökonomie in der Praxis

          Dazu passt, dass Unternehmer Ralf Zarbock, Inhaber des gleichnamigen Druckhauses, berichtet, sein Betrieb habe es erst durch die Mithilfe des von der Stadt eingerichteten Quartiersbüros geschafft, von der Telekom die gewünschten Leitungen zu bekommen. Dass das Gewerbegebiet Seckbach und Fechenheim-Nord seit Jahrzehnten unter der schlechten Verkehrsanbindung leidet, am fehlenden Riederwaldtunnel nämlich, den einst die Grünen verhindert hatten, wird nicht erwähnt. Es handele sich schließlich um einen Termin der Grünen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Die hatten den eigenen Vorzeigepolitiker zum Bundestagswahlkampf nach Hessen eingeladen. Doch weder Kretschmann noch die Frankfurter wollten eine Bühnenveranstaltung organisieren.  Ihn interessierten Projekte, die zeigten, dass „Ökologie sich auch rechnet“, sagte der einzige Grünen-Ministerpräsident in Deutschland.

          Die Arbeit in dem Gewerbegebiet zeige, wie Qualität und Vernetzung zu schaffen seien. Dank der Initiative der Stadt würden nun „die Leute im Gewerbegebiet zusammengebracht“, so entstünden persönliche Kontakte. Auf diese Weise setze Frankfurt „eine Duftmarke“, lobte Kretschmann. Denn die zentrale Frage sei doch, wie grüne Ökonomie aussehen könne – „wie macht man das in der Praxis?“ Wenn das Frankfurter Beispiel Schule mache, erreichten die Grünen ihr Ziel, auf dass erfolgreiche ökologische, nachhaltige Projekte in die Welt getragen würden. Unternehmer Zarbock bestätigte, dass die von der Stadt arrangierten Treffen im Gewerbegebiet schon dafür gesorgt hätten, dass die ersten Aufträge untereinander vergeben würden, während die Unternehmer früher nicht miteinander gesprochen und sich oft nicht einmal gekannt hätten. Er erhoffe sich eine grundlegende Aufwertung des Gebiets und ein besseres Image. Wenn er seinen Firmensitz in Frankfurt-Fechenheim nenne, werde immer gleich abgewunken. Der Frankfurter Osten sei einfach nicht hip.

          Quelle: F.A.Z.

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