23.09.2009 · Im Wahlkreis 182 im Frankfurter Westen wird der SPD-Abgeordnete Gregor Amann von dem CDU-Bewerber Matthias Zimmer herausgefordert.
Von Hans Riebsamen, FrankfurtDer Wähler hat am Sonntag die Auswahl. Er kann einem der drei Neulinge die Stimmer geben, die sich zum ersten Mal im Wahlkreis 182 im Frankfurter Westen zur Wahl stellen. Oder er kann für einen der beiden Kandidaten votieren, die sich wie Gregor Amann von der SPD zum zweiten Mal oder Hans-Joachim Otto von der FDP schon zum fünften Mal für ein Bundestagsmandat bewerben. Die Neuen sind Matthias Zimmer von der CDU, Martina Feldmayer von den Grünen und Margarete Wiemer von der Linken.
Die Entscheidung über das Direktmandat dürfte zwischen dem 2005 gewählten Sozialdemokraten Amann und seinem CDU-Herausforderer Zimmer fallen. Für beide geht es um alles, denn sie sind auf den Landeslisten ihrer Parteien nicht abgesichert. Amann nimmt bei der SPD die ziemlich aussichtslose Position 14 ein, Zimmer steht auf dem keinen Deut aussichtsreicheren Platz 21 bei der CDU. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen ist zu erwarten. 2004 fehlten dem CDU-Bewerber Markus Frank, der mittlerweile eine Karriere in der Kommunalpolitik gemacht hat und jetzt Wirtschaftsdezernent ist, 3340 Stimmen zum Sieg. Der sich wegen seiner Körperfülle damals als „XXL-Mann“ präsentierende Amann gewann mit 39,8 Prozent der Zweitstimmen.
Kein XXL-Werbegag
Abgenommen hat der Siebenundvierzigjährige in der Zwischenzeit zwar nicht, doch in diesem Wahlkampf verzichtet er mehr oder weniger auf den XXL-Werbegag. Er ist jetzt schließlich ein seriöser Abgeordneter und darüber ein Hoffnungsträger der Frankfurter Sozialdemokraten, unter denen Siegertypen rar gesäht sind. Misslingt dem zum pragmatischen Flügel der SPD zählenden Amann der Wiedereinzug ins Bundesparlament, wird er vermutlich wieder bei der Lufthansa Tickets verkaufen. Außerdem dürften sich seine Aussichten, Oberbürgermeisterkandidat der SPD zu werden, in diesem Fall rapide verschlechtern.
Zimmer dagegen wird im Falle einer Niederlage weiter die Stabsstelle Wirtschaft im Wirtschaftsdezernat leiten – passenderweise unter dem Dezernenten Markus Frank, der vor ihm zwei Mal vergeblich im Frankfurter Westen kandidiert hat. Der Mann aus Marbach, der 1980 in Traben-Trarbach das Abitur gemacht hat, gehört den Sozialausschüssen der CDU an und führt seit 2005 die CDA Frankfurt. Als Herz-Jesu-Marxist, wie er sich selbstironisch nennt, bekennt er sich zur christlichen Soziallehre, für die ein Name wie Oswald von Nell-Breuning steht, der lange an der hiesigen Hochschule Sankt Georgen gekehrt hat. Zimmer will die Substanz der Sozialen Marktwirtschaft bewahren, Wirtschaft muss für ihn auf das Gemeinwohl bezogen sein. Staatliche Regulierungen im Markt sind für den Achtundvierzigjährigen keineswegs tabu.
Der bessere Arbeiter-Politiker
Als junge Männer hätten sich Amann und Zimmer theoretisch Mitte der achtziger Jahre in Amerika begegnen können. Praktisch waren ihre Welten, in denen sie sich bewegten, jedoch sehr verschieden. Zimmer studierte damals zeitweise in Pennsylvania, Amann jobbte als Hilfsarbeiter auf dem Bau in Washington. Bis heute versteht sich Amann als ein Mann des Volkes, der die Nöte der kleinen Leute kennt, weil er sie selbst erlebt hat. Zimmer sieht sich als CDA-Funktionär ebenfalls als Interessensvertreter der arbeitenden Bevölkerung, für diese muss es seiner Ansicht nach steuerliche Erleichterungen geben. Im westlichen Wahlkreis, dem 2002 die traditionellen Arbeitergebiete um die einstige Hoechst AG zugeschlagen wurde, können sie zeigen, wer der bessere Arbeiter-Politiker ist.
Steuererleichterungen. Zimmers Forderung müsste in den Ohren des Liberalen Otto wie Musik klingen. Dem ist indes die Grundhaltung Zimmers zu links. Nicht zuletzt deshalb bedeutet der Siebenundfünfzigjährige seinen Wählern weder offen noch versteckt, ihre Erststimme dem CDU-Mann zu geben, vielmehr fordert er selbstbewusst beide Stimmen für sich ein. Und dürfte sie im vornehmen Westend, das ebenfalls zum Wahlkreis 182 gehört, wohl häufiger bekommen. Im Duell zwischen Amann und Zimmer wird es aber gerade darauf ankommen, wie die Wähler der drei kleineren Parteien mit ihrer Erststimme, also der Stimme für einen einzelnen Kandiadten, umgehen.
Keinerlei Aussicht
Martina Feldmayer etwa ist Stadtverordnete der Grünen im Römer und somit in einer Koalition mit der CDU. Die Frage ist, ob sich auch ihre Wähler in einem Bündnis mit der CDU sehen. Die Fünfundvierzigjährige hat keinerlei Aussicht, in den Bundestag zu gelangen. Denn die bei einer Fluggesellschaft angestellte Politikerin ist auf der Landesliste der Grünen nicht abgesichert.
Dort steht Ulrike Gauderer, die ursprüngliche Kandidatin der Grünen, immer noch auf Platz sieben. Bei einem außergewöhnlich guten Wahlergebnisses der Grünen könnte sie, die wegen eines Berufswechsels ihre Kandidatur im Wahlkreis zurückgezogen hat, doch noch ein Mandat gewinnen. Ohne Listenplatz geht die 55 Jahre alte Psychotherapeutin Margarete Wiemer für die Linke ins Rennen. Die einstige Kommunistin ist eine kampferprobte Gewerkschafterin, die als Personalratsvorsitzende der von Finanznot geplagten städtischen Kliniken Höchst manchen Streit ausgestanden hat.