19.04.2010 · Die Flugsicherung hat verfügt, alle deutschen Flughäfen bis Montag, 20 Uhr zu schließen. Lufthansa und Air Berlin kritisieren das staatliche Krisenmanagement. Ramsauer reagiert verärgert: Er sei „kein Panikminister“. Die EU-Verkehrsminister wollen an diesem Montag in einer Videokonferenz die Lage beraten.
Die deutschen Flughäfen bleiben bis mindestens Montag um 20 Uhr geschlossen. Das hat die Deutsche Flugsicherung (DFS) angesichts der Vulkanasche aus Island am Montagmorgen entschieden, wie eine Sprecherin in Langen bei Frankfurt mitteilte. Die EU-Verkehrsminister wollen an diesem Montag in einer Videokonferenz beraten, wie sie auf die Luftfahrtkrise reagieren. In Österreich dürfen seit dem frühen Morgen wieder Flugzeuge starten und landen. Mittlerweile wächst die Kritik der Fluggesellschaften an dem Flugverbot. Sie fordern konkrete Messungen statt Computersimulationen.
Am Sonntagnachmittag hatte die Flugsicherung die Sperrung der Lufträume an sieben deutschen Flughäfen vorübergehend gelockert. In Frankfurt, Erfurt, Leipzig, Hahn und Hannover waren bis 20 Uhr eingeschränkte Flugbewegungen möglich, in Berlin-Schönefeld und Berlin-Tegel bis 24 Uhr. Die neun weiteren internationalen Flughäfen in Deutschland blieben gesperrt. Am späten Sonntagabend entschied die Flugsicherung dann, alle deutschen Flughäfen wieder zu schließen. Die Aschewolke über Europa wird auch in den nächsten Tagen zu massiven Blockaden im Flugverkehr führen. Auf den wichtigsten Flughäfen in den europäischen Nachbarländern blieben die Flugzeuge am Sonntag am Boden.
An der angespannten Lage in der europäischen Luftfahrt wird sich nach Einschätzung der Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel wohl kurzfristig nichts ändern. Denn die Tätigkeit des isländischen Vulkans hält an, und die Gefahren für den Flugbetrieb sind weiterhin hoch. Durch die in der Luft befindliche Vulkanasche könnten Triebwerke verstopft und Cockpit-Fenster zerstört werden, warnen Fachleute.
Ramsauer: „Bin kein Panikminister“
Derweil wächst der Druck auf die staatlichen Stellen durch Kritik von Lufthansa und Air Berlin. Die beiden führenden Fluggesellschaften in Deutschland monierten das Krisenmanagement der Behörden und forderten exaktere Messdaten über die Konzentration der Vulkanasche im Luftraum. Ein Sprecher des Lufthansa-Konzerns drohte angesichts des „skandalösen Messverhaltens“ mit Regressforderungen. Die Deutsche Flugsicherung wies die Kritik zurück und bekräftigte die Seriosität der Daten, die zur Sperrung des Luftraums führten: „Wir handeln nach Aspekten der Flugsicherheit, nicht nach Kriterien der Wirtschaftlichkeit.“
Bisher hat die mehrtägige Zwangspause bei den internationalen Fluggesellschaften vermutlich zu einem Umsatzausfall von mindestens einer Milliarde Dollar geführt. Jeder weitere Tag, an dem Flughäfen gesperrt sind, schlägt nach Schätzung des Branchenverbandes Iata mit einem Minus von insgesamt 200 Millionen Dollar zu Buche. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte am Sonntag, er sei „kein Panikminister“, sondern halte sich bei der Entscheidung für Flugverbote strikt an internationale Vorgaben. Für ihn habe die Sicherheit der Passagiere oberste Priorität. „Sicherheit muss höher gewichtet werden als Geschäftsinteressen“, sagte Ramsauer: „Solange noch Zweifel an der Sicherheit des Luftverkehrs bestehen, werde ich keine Flugfreigabe erteilen.“ (siehe auch: Fluggesellschaften kritisieren Krisenmanagement der Behörden)
Ramsauer appellierte zugleich an die Länder, nach einer Entspannung der Lage auch eine vorübergehende Lockerung von Nachtflugverboten zu prüfen. Auf Ebene der europäischen Verkehrsminister solle schon am Montagabend über langfristige Maßnahmen beraten werden.
Die zeitweise Aufhebung nützte den Fluggesellschaften nichts: Da etwa die Lufthansa alle innerdeutschen Flüge bis Montag 11 Uhr annulliert hatte, sollte bis zu diesem Zeitpunkt auch kein Flugzeug starten oder landen. Alle europäischen und Interkontinentalflüge waren bis Montag, 14 Uhr, gestrichen worden. Mit der sehr kurzfristigen Öffnung verschiedener Flughäfen ohne Vorlauf sei weder der Fluggesellschaft noch den Passagieren gedient, sagte ein Lufthansa-Sprecher.
Bisher mehr als 63.000 Flüge annulliert
Die Wetterlage und die nach wie vor große Menge an Gletschereis an dem ausgebrochenen Vulkan Eyjafjallajökull ließen für die kommenden Tage keine großen Veränderungen der Aschewolke erwarten. (siehe auch: Widerspenstiger Vulkan: Nummer 1702-02 gibt keine Ruhe) Die Vulkanaktivität intensivierte sich weiter. Am Sonntag sperrte wegen der sich ausbreitenden Aschewolken auch Bulgarien seinen Luftraum, zudem wurden in Spanien Flugplätze im Norden und Osten zeitweise geschlossen. Frei von Asche war noch der Luftraum über Spanien, Portugal, Süditalien und südlich dieser Länder.
Die anderen Staaten verlängerten größtenteils die Sperrung ihrer Lufträume, einige Länder wie Irland, Nordfrankreich, Finnland und Tschechien sogar bis in den Montag hinein. In Österreich wurde nach mehreren Testflügen erwogen, den Luftraum am Montagmorgen zumindest zeitweise wieder zu öffnen.
Seit Donnerstag wurden laut der Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol europaweit mehr als 63.000 Flüge annulliert. Der Internationalen Flug-Transport-Vereinigung zufolge kosten die Annullierungen die Branche mindestens 150 Millionen Euro pro Tag. (siehe auch: Wie die Wirtschaft unter Flugausfällen leidet / Kommentar: Ausbruch mit Folgen)
Merkel auf Odyssee
Festsitzende Urlauber werden inzwischen von den Reiseveranstaltern per Bus und Fähre zurückgeholt. (siehe auch: Gestrandet auf Mallorca / Zug statt Flug: Cancellato, cancellato, cancellato) Die EU sagte wegen der Flugausfälle ein für Montag geplantes Treffen der 27 Landwirtschaftsminister ab. Bei der am Sonntagabend beginnenden Hannover Messe befürchtet die Messegesellschaft, dass 10 bis 15 Prozent der Aussteller nicht kommen können.
Außerdem mussten zahlreiche Staats- und Regierungschefs ihre Teilnahme am Staatsbegräbnis des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski absagen, Diese kehrte in einer mehrtägigen Odyssee von ihrer Amerika-Reise mit Umwegen über Lissabon und Rom und einer Weiterfahrt per Bus und Limousine nach Berlin zurück.unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel (Siehe auch: Merkels Odyssee: Ende einer überlangen Dienstfahrt ).
Informationen der deutschen Flughäfen:
Flughafen Frankfurt
Flughafen Düsseldorf
Flughafen Nürnberg
Flughafen Hamburg
Flughafen Leipzig/Halle
Flughafen Stuttgart
Flughafen München
Flughafen Dresden
Flughafen Bremen
Flughafen Hannover
Flughafen Köln/Bonn
Vulkane - Erdbeben - Tsunamis (carlosfe)
F.C. Ewald (carlosfe)
- 17.04.2010, 12:39 Uhr
Freier Himmel
Christian Tschuschke (Tschuschke)
- 17.04.2010, 13:07 Uhr
Tage der Freude und der Ruhe!
Walter Drews (Walter_Drews)
- 17.04.2010, 16:05 Uhr
Deutscher Luftraum bleibt gesperrt - Vulkan speit weiter Asche
Hans-Ulrich Grefe (Ha_Ulrich)
- 17.04.2010, 17:03 Uhr
Hysterie
Mike Gert (Mike88)
- 17.04.2010, 17:08 Uhr