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Vorwurf von CDU-Mitglied : „Arbeitssklaven für Frankfurts Partnerstadt“

Kennt die Brutalität des Regimes: Joo Il Kim floh 2005 aus Nordkorea. Bild: Klenner, Maria

Der Vorwurf über Arbeitssklaven aus Nordkorea des CDU-Bundestagsabgeordneten Zimmer erschüttert. Ein ehemaliger nordkoreanischer Hauptmann kämpft derweil für Menschenrechte in seiner Heimat.

          Früher trug Joo Il Kim eine Militäruniform. Als Hauptmann diente er in der nordkoreanischen Armee. Vor zwölf Jahren entschloss er sich, aus seiner Heimat zu fliehen. Heute trägt Kim einen adretten Anzug mit Hemd und Krawatte und engagiert sich für Menschenrechte. Um seinem Anliegen Gehör zu verschaffen, hat er die Zeitschrift „FreeNK“ gegründet, auf öffentlichen Veranstaltungen thematisiert er die Verhältnisse, in denen seine Landsleute leben müssen.

          Christoph Strauch

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gestern sprach er in der Frankfurter Geschäftsstelle der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). „Es hat im Westen die Annahme gegeben, dass sich unter Kim Jong-un die Menschenrechtssituation bessern müsse“, sagte er. Schließlich habe der dritte Spross der Machthaberdynastie jahrelang eine Schule in der Schweiz besucht und sei so mit westlichen Werten in Kontakt gekommen. „Tatsächlich aber ist alles noch schlimmer geworden. Kim hat sogar seinen eigenen Onkel und seinen Bruder umbringen lassen.“

          Kim musste sein Eltern und zwei Geschwister zurücklassen

          Ob es um Nahrungsentzug, Geiselnahmen, Folter oder Zwangsarbeit geht: Die Liste der Vorwürfe gegen das totalitäre Regime in Pjöngjang ist lang. Vor allem das Thema Zwangsarbeit ist offenbar im Zusammenhang mit den Vorbereitungen auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland aktuell. So veröffentlichte das norwegische Magazin „Josimar“ Ende März die Ergebnisse einer Investigativrecherche, wonach nordkoreanische Zwangsarbeiter in großer Zahl und unter widrigsten Bedingungen zum Bau von russischen WM-Stadien eingesetzt würden.

          Nordkoreanische Sklavenarbeiter gibt es aber nicht nur in Russland oder einigen arabischen Ländern. Die Spur des Geschäftsmodells, bei dem chinesische Firmen Arbeitskräfte an ausländische Firmen verkaufen und sich den Erlös dann mit dem Regime in Pjöngjang teilen sollen, führt auch in die EU. Der Frankfurter CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Zimmer, der an der IGFM-Veranstaltung teilnahm, nannte als Beispiel landwirtschaftliche Arbeitssklaven in Krakau. Das Pikante: Krakau ist eine Partnerstadt Frankfurts. Zimmer, der im Bundestag dem Menschenrechtsausschuss vorsitzt, hat nach seinen Worten Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) darauf aufmerksam gemacht. Der habe den Brief an seinen Amtskollegen in Krakau weitergeleitet, darauf aber nur als Antwort bekommen, dies liege nicht in der kommunalen Zuständigkeit.

          Zimmer sieht das ganz anders. „Wir dürfen nicht bitten, sondern müssen einfordern, dass eine solche Praxis aufhört, dabei müssen gerade die Partnerstädte kommunale Möglichkeiten nutzen.“ Entschiedenes Handeln sei auch deshalb nötig, weil das Geschäft mit den Zwangsarbeitern sogar eine sicherheitspolitische Dimension habe. „Die Einnahmen, die das nordkoreanische Regime für den Verkauf der Arbeitskräfte bekommt, werden zur Finanzierung des Atomprogramms verwendet“, sagte Zimmer.

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          IGFM- Sprecher Martin Lessenthin erläuterte detaillierter, wie die Geschäfte der Menschenhändler funktionierten. Die Betroffenen seien keine Insassen von Zwangsarbeitslagern, sondern loyale Bürger, deren Familienangehörige sich gegenüber dem Regime nichts hätten zuschulden kommen lassen. Somit sei sichergestellt, dass während der Abwesenheit der Arbeiter nahe Verwandte als eine Art Geisel und Druckmittel in der Heimat blieben.

          Auch Joo Il Kim macht sich große Sorgen um seine Familie: Als er floh, musste er Eltern und zwei Geschwister zurücklassen. Seitdem hat er von ihnen nichts mehr gehört.

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