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Verlage wollen Geld sparen Buchmesse in diesem Jahr mit weniger Festen

13.08.2009 ·  Rund um die Buchmesse wird es in diesem Jahr wegen der Wirtschaftskrise deutlich weniger Feiern geben als in den vergangenen Jahren. Manche Verlage sind verunsichert, andere sagen, sie seien „permanent in der Krise“.

Von Marie-Katharina Wagner, Frankfurt
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Rund um die Buchmesse wird es in diesem Jahr wegen der Wirtschaftskrise deutlich weniger Feiern geben als in den vergangenen Jahren. Die Verlagsgruppen Random House und Direct Group, die zur Bertelsmann AG gehören, haben ihren gemeinsamen Empfang für dieses Jahr abgesagt. Man wolle das gesparte Geld lieber in die direkte Unterstützung von Büchern und Autoren investieren, sagte ein Sprecher von Random House. Auch andere Verlage teilen mit, an ihrem Rahmenprogramm sparen zu wollen. An der Zahl der Aussteller und der Größe ihrer Auftritte auf der Messe wird sich dagegen offenbar wenig ändern.

Auch Random House will wie in der Vergangenheit mit allen Verlagen und den jeweils wichtigsten Neuerscheinungen nach Frankfurt kommen. Die Veranstalter gingen aber „natürlich sehr viel bewusster an die Planung der Messe in diesem Jahr“, sagt Sprecherin Claudia Limmer. So würden nicht so viele Autoren nach Frankfurt eingeladen wie noch 2008. Außerdem werde man versuchen, mit weniger Mitarbeitern auszukommen, um die Hotelkosten zu senken.

Viele Verlage sind verunsichert

Die Veranstalter der Buchmesse selbst gehen davon aus, dass die Ausstellerbeteiligung in etwa auf dem Niveau von 2008 bleiben wird. Es sei allerdings noch zu früh, über Zahlen zu sprechen, sagt Pressesprecher Thomas Minkus. Auch er habe gehört, dass einige Verlage ihre Feiern absagen oder kleiner gestalten wollten. Dagegen habe er den Eindruck, dass es mehr Konferenzen, Lesungen und Geschäftstreffen geben werde. „Die Gäste werden versuchen, die fünf Messetage noch intensiver zu gestalten. Mehr Inhalt, mehr Arbeit, mehr Networking“, sagt Minkus. Man merke, dass das Geld bei den meisten nicht mehr so locker sitze wie in der Vergangenheit.

Der Börsenverein des deutschen Buchhandels hatte im Juli gemeldet, dass der Buchmarkt im ersten Halbjahr 2009 ein Umsatzwachstum von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum erzielt habe. Viele Verlage zeigen sich aber verunsichert darüber, dass der Buchhandel zurückhaltender im Einkauf geworden sei.

„Kein leichtes Jahr für die gesamte Branche“

Das Jahr 2009 sei „kein leichtes Jahr für die gesamte Branche“ sagt auch Tom Erben, Geschäftsführer des Berliner Aufbau-Verlags. Der Buchhandel bestelle insgesamt weniger bei allen Verlagen. Allerdings sind seiner Ansicht nach vor allem mittelgroße Verlage betroffen, die keine bekannten Autoren im Angebot haben. Kleine, innovative Verlage könnten dagegen gestärkt aus der Krise hervorgehen. Der Aufbau-Verlag selbst habe nach dem Eigentümerwechsel 2008 seine Krise schon bewältigt, meint Erben. Der Auftritt des Verlags auf der Buchmesse werde genau so groß ausfallen wie im vergangenen Jahr, in dem das Programm im Vergleich zu 2007 schon um etwa 30 Prozent reduziert worden war. Erben rechnet ebenfalls damit, dass sich die Krise auf der Messe dadurch bemerkbar machen wird, dass es weniger Partys und Veranstaltungen geben wird.

Die Sprecherin des Rowohlt-Verlags, Ursula Steffens, berichtet, sie habe von mehreren Kollegen gehört, die in diesem Jahr keine Messefeste ausrichten oder ihr Veranstaltungsprogramm verkleinern wollten. Der Rowohlt-Verlag selbst werde sein Programm für die Messe im Wesentlichen unverändert lassen. „Aber man guckt jetzt noch genauer hin, wo man noch sparen kann“, sagt Steffens. Auch Rowohlt wolle in diesem Jahr weniger Hotelzimmer in Frankfurt buchen.

„Wir sind sowieso permanent in der Krise“

Die S. Fischer-Verlage aus Frankfurt wollen ihre beiden traditionellen Verlagsfeste wie jedes Jahr veranstalten. Man werde aber versuchen, den Aufwand dafür „ein wenig zu reduzieren“, sagt der Leiter von Vertrieb und Marketing des Verlags, Uwe Rosenfeld. Man fühle sich Frankfurt verpflichtet und werde deshalb nicht wie andere Verlage an Veranstaltungen sparen. Wegen der Stimmung während der Buchmesse macht Rosenfeld sich keine Sorgen. Die Branche sei „nicht hysterisch oder deprimiert, sondern vorsichtig“, und das sei vernünftig.

Manche Verlage kündigen keinerlei Veränderung ihres diesjährigen Messeprogramms an, etwa Suhrkamp und Insel, C.H. Beck oder der Schulbuchverlag Cornelsen. Die kleinen Verlage äußern sich im Vergleich zu den größeren optimistisch. „Wir sind sowieso permanent in der Krise“, sagt Jörg Sundermeier vom Berliner Verbrecher-Verlag, „daher sind wir schon daran gewöhnt.“ Das könne zum Vorteil der kleinen Verlage werden, da die großen Häuser Sparprogramme auflegen müssten und vom Buchhandel inzwischen genauso schlecht behandelt würden wie die kleinen. In diesem Jahr werde der Messe-Auftritt des Verbrecher-Verlags mit vier anstatt zwei eingeladenen Autoren sogar etwas größer ausfallen als im Vorjahr. Sparen könnten sie nirgends mehr, der Verlag habe nur drei Mitarbeiter. Wie 2008 soll es auch in diesem Jahr eine gemeinsame Party der jungen Verlage geben.

Auch die Antiquariatsmesse, die 2009 zum fünften Mal als Teil der Frankfurter Buchmesse stattfindet, wird in diesem Jahr kleiner ausfallen. Nach 77 Ausstellern 2008 hätten sich für dieses Jahr bisher nur 65 Händler angemeldet, sagt der Veranstalter Detlef Thursch. Einige exklusive und wohlhabende Händler, vor allem aus Deutschland, hätten ihre Teilnahme für dieses Jahr abgesagt. Dennoch zeigt Thursch sich optimistisch, was den zu erwartenden Umsatz in Frankfurt angeht. Die Antiquariatsmesse ist, anders als die Buchmesse, auch eine Verkaufsmesse.

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