12.09.2009 · In einem Container an der Westerbachstraße im Frankfurter Stadtteil Rödelheim wird mobile Zukunft gemacht. Es nennt sich Drive-Center und hat das Land Hessen 300.000 Euro gekostet. Drive soll Drive in den Verkehr bringen.
Von Hans Riebsamen, FrankfurtIn einem Container an der Westerbachstraße im Frankfurter Stadtteil Rödelheim wird mobile Zukunft gemacht. Vier Großbildschirme an der Wand, davor vier Arbeitsplätze mit Rechner und Tastaturen. Dazu drei kleinere, spartanisch eingerichtete Arbeitszimmer. Das Ganze nennt sich Drive-Center und hat das Land Hessen 300.000 Euro gekostet. Der Name Drive spreche für sich, hat Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) gemeint, als er die neue Einrichtung am Freitag eröffnete.
Drive soll Drive in den Verkehr bringen. Im „Dynamic Road Infrastructure Vehicle Experimental-Center“ werden intelligente Lösungen entwickelt und getestet, die den Verkehrsfluss auf Hessens Straßen verbessern, die Infrastruktur des Landes optimal auslasten, die Sicherheit erhöhen und die Emissionen verringern sollen. Das Center, das neben der Verkehrszentrale Hessen in Einfachbauweise errichtet wurde, wird vom Hessischen Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen betrieben. Es steht aber den Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft offen, die in der Initiative „Staufreies Hessen 2015“ Mittel und Wege suchen, Staus auf Hessens Straßen zu verhindern oder zumindest zu reduzieren.
„Intelligente Straßen“ und „Intelligente Fahrzeuge“
Die Wahl des Standortes neben der Verkehrszentrale war nicht zufällig. Denn im Drive-Center sollen neue Komponenten der Verkehrslenkung und einer vernetzten Kommunikation zwischen Autos untereinander und mit der Verkehrszentrale erprobt werden. Was sich als tauglich erweist, soll in den regulären Betrieb der benachbarten Verkehrszentrale integriert werden. Im Container wird sozusagen die Verkehrszentrale von morgen simuliert.
„Intelligent“ lautet für Gerd Riegelhuth, einen der Chefdenker beim Landesamt, das Zauberwort. „Intelligente Straßen“ und „intelligente Fahrzeuge“ werden in einem kooperativen System intelligent vernetzt. Diese Aufgabe stellt sich Riegelhuth zufolge nun in der neuen Phase von „Staufreies Hessen“. Die Straßen haben die Planer in den vergangenen Jahren schon verhältnismäßig fit gemacht mit Induktionsschleifen unter der Fahrbahndecke oder mit der Aufrüstung der Seitenstreifen zu regulären Fahrbahnen bei hohem Verkehrsaufkommen.
„Hessen ist führend beim Verkehrsmanagement“
Auch die Autos sind mit ihren Antiblockier- und Spurhaltesystemen und ihren Navigationsgeräten, die aktuelle Verkehrsinformationen aufnehmen, schon recht intelligent. Jetzt steht laut Riegelhuth die Phase an, in der alle Systeme vernetzt werden müssen und außerdem ein einheitlicher Standard für alle Automarken geschaffen wird. Das Drive-Center soll es den Technikern und Experimentatoren in erster Linie ermöglichen, die riesigen Datenmengen, die mittlerweile anfallen, sinnvoll zu verwerten.
Das Rhein-Main-Gebiet mit seinem dichten Straßennetz und seinem hohen Verkehrsaufkommen ist nach Meinung des Ministers das richtige Testfeld für die neuen Technologien, die dabei helfen sollen, die immer weiter wachsenden Verkehrsströme zu bewältigen. Das Straßennetz selbst kann Posch zufolge mit Ausnahme einiger Lückenschlüsse nicht mehr vergrößert werden. Es gelte, den vorhandenen Verkehrsraum besser zu nutzen. Die Lösungen, die dafür gefunden werden, können, so erhofft es sich Posch, ein hessischer Exportschlager werden.
Die Chancen dafür stehen vermutlich gar nicht so schlecht. Denn, so sagt ganz unbescheiden Burkhard Vieth, der Präsident des Landesamtes: „Hessen ist führend beim Verkehrsmanagement.“