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Verkehrserziehung Lieber zu Fuß oder mit dem Rad als im „Eltern-Taxi“

Frankfurt investiert viel in die Sicherheit seiner Kinder. Polizei und Stadt bieten für alle Kitas und Schulen eine Verkehrserziehung an.

© Fricke, Helmut Vergrößern Ärgernis: dichter Morgenverkehr vor der Anna-Schmidt-Schule.

Sicher zur Schule und zur Kita: In Frankfurt ist das im vergangenen Jahr so gut gelungen wie lange nicht mehr. Das erste Mal seit Jahren ist kein Kind auf dem Weg zur Schule oder zur Kita tödlich verunglückt. Hinter diesem Erfolg steht viel Aufklärung. Frankfurt investiert in die Verkehrsschulung eine Menge Geld und Personal, mehr als die meisten anderen Städte vergleichbarer Größe. Das sagt jedenfalls Polizeihauptkommissar Werner Theisen, der beim Polizeipräsidium für die Verkehrssicherheit und die Verkehrserziehung zuständig ist.

Hans Riebsamen Folgen:

„Sicher zur Schule“ heißt nicht nur Theisens Motto, sondern auch eine neue Broschüre, die er und andere Vorkämpfer für einen sicheren Schulweg wie Verkehrsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) gestern in der Kita der katholischen Kirchengemeinde St.Anna verteilt haben. Genau gesagt handelt es sich um zwei Broschüren: um ein Schulwegheft für Kinder und einen Ratgeber für Eltern. Die Kindertagesstätte in Hausen ist nicht die einzige Einrichtung, deren Kinder und Eltern die vom Reifenhersteller Bridgestone finanzierten Schriften unentgeltlich bekommen. Vielmehr sollen sie in einem Pilotversuch an allen Frankfurter Kitas und darüber hinaus in den Kindergärten in Bad Homburg, Berlin, Hamburg und Köln verteilt werden. „Verkehrserziehung ist eine Investition in die Zukunft der Kinder“, sagt die Leiterin der Kita von St.Anna. Ihre Gäste muss sie von dieser These nicht mehr überzeugen. Für Verkehrsdezernent Stefan Majer (Die Grünen), aber auch für Karl Heyer, den Vorsitzenden der Verkehrswacht Frankfurt, ist Prävention ein Herzensanliegen. „Eure Eltern müssen mit euch üben“, sagt Heyer zu dem knappen Dutzend Kindern in gelbgrüner Schutzweste vor ihm.

Fahrbahn richtig überqueren und auf die Ampel achten

Wer zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Kita komme, will Stadtrat Majer von den Kleinen wissen. Etwa die Hälfte der Kinder hebt zögernd die Hand. Die anderen werden vom Vater oder der Mutter mit dem Auto gebracht. Dem Stadtrat missfällt das, er ist ein Gegner der „Eltern-Taxis“. Es gebe oft Schwierigkeiten, wenn so viele Autos vor der Kita oder der Schule parkten, erklärt er den Jungen und Mädchen. Außerdem seien sie fitter, wenn sie zu Fuß gingen oder mit dem Rad führen. Bei dem schönen Wetter jetzt mache das doch auch Spaß.

Das Gehen zur Kita oder zur Schule und vor allem das Radfahren dorthin wollen aber geübt sein. Die Stadt Frankfurt beschäftigt sechs Verkehrserzieher, die im Auftrag der Polizei in Kitas und Vorschulklassen Verkehrserziehung betreiben. Sie üben mit den Kindern, wie man die Fahrbahn überquert, und erklären ihnen, wie Ampeln funktionieren. Außerdem gehen sie mit ihnen den Schulweg ab. Am Ende erhalten die Mädchen und Jungen einen Schulweg-Pass. Später, in der Grundschule, durchlaufen die Kinder in der dritten und vierten Klasse die Jugendverkehrsschule, die von der Polizei betrieben wird. Zwölf Beamte sind hierfür in Frankfurt eingesetzt. Ihnen stehen fünf mobile Schulen - Lastwagen mit Fahrrädern und Schildern - zur Verfügung sowie der Verkehrsgarten im Grüneburgpark. In der Jugendverkehrsschule geht es ums sichere Radfahren. Vielen Kindern, so berichtet Hauptkommissar Theissen, fehle anfangs das nötige Gleichgewichtsgefühl, um Rad zu fahren. In diesem Fall wenden er und seine Kollegen sich über die Schule an die Eltern und bitten sie, mit den Kindern zu üben.

Lebensnahe Spiele und Übungen

Die Verkehrsschulung für die Dritt- und Viertklässler besteht aus fünf Übungseinheiten. Am Ende des sich über ein halbes Jahr erstreckenden Unterrichts steht die Fahrradprüfung. Die Besten bekommen von der Verkehrswacht einen Wimpel. An dem Programm nehmen in der Regel alle 100Frankfurter Grundschulen teil. Den weiterführenden Schulen bietet die Polizei Seminare an, in denen Themen wie Fahren unter Drogen oder nach Alkoholgenuss und die Gefahr von zu hoher Geschwindigkeit behandelt werden.

Rasen ist freilich für die Kita-Kinder von St.Anna noch keine Verlockung. Bei ihnen geht es darum, dass sie sicher zu Fuß in den Kindergarten kommen. Wie man sich als Fußgänger richtig verhält, lernen sie in vielen lebensnahen Spielen und Übungen, die in der neuen Broschüre aufgeführt sind. Die Väter und Mütter erfahren dagegen aus der Elternbroschüre, dass fitte Kinder sicherer unterwegs sind und dass sie mit ihren Kleinen den Schulweg erkunden sollen.

Quelle: F.A.Z.

 
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