Dieselfahrzeuge ohne Rußpartikelfilter werden bald einen Bogen um Frankfurt machen müssen. In der zweiten Jahreshälfte 2008 sollen sie aus der Stadt verbannt werden, um die Feinstaubbelastung zu senken. Wie groß die Umweltzone wird, ist allerdings bisher nicht klar - nur, dass sie viel größer ausfällt als das zunächst diskutierte Innenstadt-Areal, möglicherweise wird sie das gesamte Stadtgebiet umfassen. Als Termin angepeilt ist der 1. Juli. Frankfurt ist die am stärksten mit Feinstaub belastete Stadt in Hessen. Aktionspläne zur Luftreinhaltung gibt es außer für Frankfurt noch für Kassel und Darmstadt, wo aber keine Umweltzonen vorgesehen sind.
Derzeit prüft das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG) die Vorschläge der Stadt, eine Entscheidung des Umweltministeriums wird frühestens im Frühjahr erwartet. Für eine nachhaltige Minimierung der Feinstaubbelastung sei die Umweltzone nötig, sagt Wulfila Walter vom Frankfurter Umweltdezernat. Die Wirtschaft protestiert und sieht erhebliche Erschwernisse für den Lieferverkehr.
Umweltministerium für möglichst große Umweltzone
„Wir sind in der Abstimmung. Je größer die Zone, desto höher der Effekt“, sagt der Leiter des Frankfurter Umweltamts, Klaus Wichert. Auch das hessische Umweltministerium plädiert für eine möglichst große Umweltzone. Zu praktischen Fragen ist Anfang 2008 ein Gespräch mit dem Landesamt geplant.
Grüne, gelbe und rote Feinstaub-Plaketten zeigen künftig die Schadstoffklasse der Fahrzeuge an. Lastwagen und Diesel-Pkws ohne Filter gelten als besonders belastend und bekommen überhaupt keine Plakette. Grundsätzlich soll die Frankfurter Umweltzone für Fahrzeuge ohne Schadstoffplakette - Dieselautos ohne Filter - tabu sein. Vermutlich wird es aber Ausnahmen geben - welche, steht derzeit nicht fest. Auch wie die Einhaltung kontrolliert wird, muss noch festgelegt werden. Ziel sei es, die Feinstaubbelastung für die Bürger der Stadt so schnell wie möglich nachhaltig zu senken, sagt Wichert.
Ganz knapp am EU-Feinstaub-Grenzwert
Eine Verschiebung der Umweltzone und „großzügige sowie sach- und praxisgerechte Ausnahme- und Übergangsregelungen“ fordern die Industrie- und Handelskammer Frankfurt und die Handwerkskammer Rhein- Main. Allein in Frankfurt wären nach ihren Angaben rund 20.000 Fahrzeuge vom Fahrverbot betroffen, für den Anlieferverkehr wäre die Stadt nicht mehr erreichbar. Nicht jedes Betriebsfahrzeug könne nachgerüstet werden, oft sei eine Nachrüstung auch zu teuer. Die Stadt solle die von der EU gebotenen Spielräume nutzen, verlangen die Kammern. Das Straßburger Europaparlament hatte Mitte Dezember entschieden, dass die Kommunen erst 2011 mit Strafen rechnen müssen, wenn sie die Grenzwerte nicht einhalten.
Dass Frankfurt 2007 ganz knapp am EU-Feinstaub-Grenzwert lag, ist nach einhelliger Meinung dem Wetter zu verdanken und nicht dem Lastwagen-Fahrverbot an der Friedberger Landstraße, wo die Messstation steht. In der EU-Richtlinie ist eine Belastung von täglich höchstens 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft festsetzt - dieser Wert darf pro Jahr an höchstens 35 Tagen überschritten werden.
Eingeschränktes Verbot auf der „Friedberger“
Fünf Tage vor dem Jahreswechsel wurden für dieses Jahr 32 „Überschreitungstage“ in Frankfurt gezählt, in Kassel 33 und in Darmstadt 28. Im Jahr 2006 war in Frankfurt der EU-Grenzwert für Feinstaub noch an 55 Tagen überschritten worden, Kassel und Darmstadt lagen mit 34 und 33 Überschreitungen nur knapp unter der kritischen Marke. 2005 war in Frankfurt und Kassel an je 48 und in Darmstadt an 42 Tagen der Grenzwert überschritten worden.
In Frankfurt dürfen Lastwagen über 3,5 Tonnen schon seit Dezember 2005 nicht mehr über die aus dem Norden kommende Friedberger Landstraße in die Innenstadt fahren. Darmstadt setzte ein Lkw-Fahrverbot durch die Innenstadt im Frühjahr 2006 in Kraft. Kassel will die Luftbelastung durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs senken.
Einer EU-Studie zufolge sterben in Deutschland jährlich 65.000 Menschen an den Folgen von Krankheiten, die durch Feinstaub aus Dieselruß, Baustaub oder Abgasen aus Industrie und Heizungen verursacht werden. Die Staubpartikel sind so fein, dass sie ungehindert in die Lunge gelangen. Dort können sie Entzündungen, Asthma, Bronchitis oder Krebs auslösen.
Auch Diesel PKW ohne Filter bekommen Plaketten
Helmut Holthusen (Holthusen)
- 28.12.2007, 19:24 Uhr
Besser so als gar nicht...
Michael Seip (Mike63)
- 28.12.2007, 22:21 Uhr
Noch eine soziale Diskriminierung
Lüko Willms (l.willms)
- 03.01.2008, 11:30 Uhr
unsinnige Massnahme
Ronald Glas (soondecember)
- 07.01.2008, 09:43 Uhr
Der Autor hat Unrecht
Engelbert Kühlwetter (wallibelli)
- 07.01.2008, 14:24 Uhr

