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Verhandlungen in Endphase Campus Bockenheim steht vor Verkauf

19.08.2009 ·  Die Verhandlungen zwischen der Landesregierung und möglichen Käufern des noch von der Goethe-Universität genutzten Campus im Frankfurter Stadtteil Bockenheim stehen kurz vor dem Abschluss. Musikhochschule und Tanzkünstler hoffen auf Flächen.

Von Rainer Schulze und Eva-Maria Magel
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Die Verhandlungen zwischen der Landesregierung und den möglichen Käufern des derzeit noch von der Goethe-Universität genutzten Campus im Frankfurter Stadtteil Bockenheim stehen kurz vor dem Abschluss. „Über den Inhalt des komplexen Kaufvertrages wurde weitestgehend Einvernehmen hergestellt“, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding und die Helaba-Tochter OFB Projektentwicklungsgesellschaft wollen den Campus zu einem Stadtquartier mit einer Mischung aus Wohnen und Gewerbe umgestalten. „Seitens des Landes werden keine weiteren Investoren gesucht oder akquiriert“, heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage im Landtag.

Es wird erwartet, dass der Kaufvertrag nach der Sommerpause unterzeichnet wird. Vorab bekannt geworden ist, dass eine Erweiterung des Senckenberg-Instituts und des Museums auf dem Campus vorgesehen ist. Schon im vergangenen Jahr war verkündet worden, dass das Institut für sein Loewe-Forschungszentrum das ehemalige Pharmazie-Gebäude sanieren werde; dies soll rund 22 Millionen Euro kosten. Ein Masterplan für Senckenberg sieht vor, mit dem Universitäts-Hauptgebäude und weiteren Bauten ein Carrée zu bilden.

Unterdessen hatten auch die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und Vertreter der Frankfurter Tanzszene, die sich derzeit neu formiert, den Standort Bockenheim als für ihre Zwecke ideal bezeichnet. Fachleute sind jedoch skeptisch, ob es gelingt, einen Hochschulbau und eine Halle für Tanztheaterproduktionen neben dem Bockenheimer Depot anzusiedeln. Wie es aus dem Finanzministerium heißt, wird das Kunstministerium für die Musikhochschule ein Gesamtkonzept „unter Prüfung der möglichen Standorte und der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel“ erarbeiten.

Land will hohen Preis erzielen

Den Chancen für Bockenheim, von der Musikhochschule und einem Tanzzentrum zu profitieren, steht der Wunsch der Landesregierung entgegen, bei der geplanten Veräußerung des Geländes einen hohen Preis zu erzielen. Das Land hofft, mit dem Verkauf des Geländes knapp 200 Millionen Euro einzunehmen. Denkbar wäre, die für die Musikhochschule und eine Tanz-Halle mit 400 Plätzen favorisierten Flächen nördlich der Bockenheimer Landstraße aus der Verhandlungsmasse herauszulösen. Damit verzichtete das Land auf einen Teil des Erlöses, mit dem der Umzug der Universität auf den Campus Westend und der Neubau etlicher Institutsgebäude finanziert werden soll.

Da der Wert der Grundstücke in Bockenheim hoch ist, gilt es als unwahrscheinlich, dass sich die Landesregierung dort eine weitere öffentliche Einrichtung leisten wird. Wie aus dem Landtag zu erfahren war, würde eine Ansiedlung der Musikhochschule rund 80 Millionen Euro kosten. Dieser Summe stehen 15 Millionen Euro gegenüber, die für eine Erweiterung am bisherigen Standort an der Eschersheimer Landstraße offenbar veranschlagt werden. Die Hochschule klagt dort über Platzmangel. Einer Erweiterung am bisherigen Standort sollen aber enge Grenzen gesetzt sein, sie gilt aus baulichen Gründen als problematisch.

Die Musikhochschule legt Wert auf einen innenstadtnahen Standort und eine enge Anbindung an den Campus Westend. Die Lehramtsstudenten der Musik, die jetzt an der Musikhochschule ausgebildet werden, müssen für das Studium ihres zweiten Fachs auf den Campus Westend – das ist auch eines der vielen Argumente, die aus Hochschulkreisen gegen einen Umzug auf die Offenbacher Hafeninsel eingewendet werden. Ebenfalls zu bedenken sind die rege Konzerttätigkeit und die Theater- und Tanzabende der Hochschule, für die ein Raum in der Stadtmitte bevorzugt wird.

Otto für Tanzzentrum

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Hans-Jürgen Otto unterstützt die Pläne, in Bockenheim die Musikhochschule und ein Tanzzentrum unterzubringen. „Das Projekt wäre ein ganz besonderer Glanzpunkt“, sagte Otto, der auch Mitglied im Stiftungsrat der Kulturstiftung des Bundes ist. Er rechnet damit, dass die Stiftung das Vorhaben mit einem siebenstelligen Betrag fördern würde. Da die Finanzen des Landes begrenzt seien, müsse sich auch die Stadt beteiligen. „Wir können noch so viele Hochhäuser bauen, das Ansehen der Stadt braucht auch eine kulturelle Absicherung“, meint Otto. Auch Teile der Römer-Koalition machen für das Tanzzentrum Werbung. Sowohl Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) als auch die Grünen appellieren an die Landesregierung, das Interesse der Musikhochschule an einem Neubau in den Verhandlungen zu berücksichtigen. Die FDP-Fraktion will sich nach Angaben von Otto das Ansinnen ebenfalls zu eigen machen.

Unklar ist offenbar weiterhin die Zukunft der Universitätsbibliothek. Entgegen anderslautender Vermutungen möchte die KfW-Bankengruppe den denkmalgeschützten Bau von Ferdinand Kramer weder erwerben noch nutzen. „Wir haben kein Interesse daran“, sagte eine Sprecherin. Zwar habe es mit der Landesregierung schon Gespräche über eine Erweiterung auf dem Gelände an der Senckenberganlage gegeben. Diese Pläne hätten sich jedoch zerschlagen. Spekulationen, die KfW wolle die Universitätsbibliothek abreißen und dort einen Neubau errichten, wies die Sprecherin zurück. „Es ist akut nichts in der Planung.“

Büros in Bibliothek möglich

Das Landesdenkmalamt hat nach Auskunft des Landeskonservators Christoph Mohr in einem von dem Architekturbüro Schneider und Schumacher erstellten Gutachten nachgewiesen, dass sich die Bibliothek auch als Bürohaus nutzen lässt. Mohr befürchtet aber, dass der Abriss „politisch gewollt“ sei. Um den Abbruch eines geschützten Gebäudes zu rechtfertigen, müsste nachgewiesen werden, dass die Nutzung des Baudenkmals unmöglich oder aus städtebaulichen Gründen ein Abriss unumgänglich ist. Der Denkmalschützer setzt sich für einen Erhalt des unter Fachleuten anerkannten Gebäudes ein: „Das steht in jedem Lehrbuch drin.“

Die Universität soll den Campus Bockenheim bis 2014 vollständig geräumt haben. Die Aufstellung des Bebauungsplans wurde von einer längeren Arbeitspause unterbrochen, in der die Stadt das Ergebnis der sich seit Jahren hinziehenden Kaufverhandlungen abwarten wollte. Der auf einem Rahmenplan beruhende Bebauungsplanentwurf muss nun noch ergänzt werden, da ein weiterer Teil des Uni-Hauptgebäudes unter Denkmalschutz gestellt wurde. Der im Rahmenplan vorgesehene zentrale Grünzug wird dadurch an einer Stelle verengt. Ein vollständiger Erhalt des Studierendenhauses, für den sich Studenten und Künstler, die das Gebäude nutzen, einsetzen, ist im Entwurf des Bebauungsplans bisher nicht geplant.

Planung weit vorangeschritten

Dass sich die Bebauung des Campus wegen der Arbeit am Bebauungsplan verzögern könnte, ist nach den Worten des Stadtplanungsamtsleiters Dieter von Lüpke nicht zu erwarten. Die Planung sei weit vorangeschritten, die Stadt in einer guten Ausgangsposition. Den verschiedenen Initiativen, die sich um die Zukunft des Stadtteils nach dem Wegzug der Universität sorgen, will die Stadt entgegenkommen. „Wir werden uns einer intensiven öffentlichen Diskussion stellen“, sagte Lüpke. Die Initiativen halten unter anderem den im Rahmenplan vorgesehenen Wohnanteil von 30 Prozent für zu gering.

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