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Unterwasser-Rugby Luft holen und abtauchen

 ·  Fünf Feldspieler und ein Torwart in jeder Mannschaft tummeln sich im vier Meter tiefem Wasser. Beim Unterwasser-Rugby im „Tauchclub Pulpo“ kommen die Kämpfer oft mit einem blauen Auge davon.

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Tonlos rangeln zwei Spieler mit Schwimmflossen um einen Ball. Eine Frau in blauem Badeanzug holt an der Wasseroberfläche tief Luft und kommt dann ihrem Teamkollegen mit den blauen Bändern an den Handgelenken zu Hilfe. Sie übernimmt den Ball, der ihr mit einem kräftigen Stoß zugepaßt wird. Ein Mitspieler schwimmt nach 15 Sekunden unter Wasser mit kräftigen Flossenschlägen an die Wasseroberfläche. Kaum hat er das Chlorwasser durch seinen Schnorchel gepustet, ertönt eine Hupe, die auch unter Wasser zu hören ist. Ein Tor ist für seine Mannschaft gefallen. Sechs lächelnde und sechs zornige Gesichter mit Schwimmbrillen tauchen aus dem Wasser des Wiesbadener Kleinfeldchen Schwimmbades auf.

Der „Tauchclub Pulpo“ trainiert Unterwasser-Rugby. Fünf Feldspieler und ein Torwart in jeder Mannschaft tummeln sich im vier Meter tiefem Wasser. Unterwasser-Rugby ist eine Mannschaftssportart, die mit dem bekannten Rugby kaum mehr als einen Teil des Namens gemein hat. Die Spieler tragen die sogenannte ABC-Ausrüstung. Dazu gehören Maske, Schnorchel und Flossen. Hinzu kommen noch farbige Wasserballkappen zum Schutz der Ohren und zur Unterscheidung der beiden Teams.

„Man verläßt das Becken fast nie unbeschadet“

Gespielt wird mit einem salzwassergefüllten Ball, der durch seine im Vergleich zum Süßwasser des Schwimmbeckens höhere Dichte nach unten sinkt. Auf den Beckenboden stehen sich die Mannschaften gegenüber. An den kürzeren Beckenseiten ist jeweils ein Metallkorb am Boden befestigt. Die Öffnungen sind gepolstert, die Körbe haben einen Durchmesser von 40 Zentimetern: die Tore. Ziel ist es, in zwei mal 15 Minuten den kegelkugelgroßen Kunststoffball möglichst oft in den gegnerischen Korb zu befördern, wobei der Ball ausschließlich unter Wasser gespielt werden darf. Weil Unterwasser-Rugby ein sehr schnelles Spiel ist, das viel Ausdauer erfordert, sind die Spieler in ständigem Wechsel. Dabei gilt die Regel, daß der Auswechselspieler erst dann ins Wasser darf, wenn ein anderer Spieler das Becken verlassen hat.

Die Mitglieder des „Tauchclubs Pulpo“ sehen das beim Training allerdings nicht so eng: Die 16 Jahre alte Ria Spallek wartet im Wasser am Rand des Beckens auf ihren Einsatz. Seit zweieinhalb Jahren spielt sie zweimal in der Woche und läßt sich auch durch Blessuren nicht abschrecken: „Erst letzte Woche hatte ich noch ein ziemlich großes Veilchen“, sagt die Gymnasiastin, während sie die Wasseroberfläche des Schwimmbeckens beobachtet. Doch Verletzungen wie diese seien selten. Ein nach Luft ringender Mannschaftskamerad, für den Spallek, das Wasser aufwirbelnd, ins Becken taucht, sagt hingegen: „Man verläßt das Becken fast nie so unbeschadet, wie man reingegangen ist.“ Auf drei lange Schrammen auf seinen Rücken hinweisend, fügt er hinzu: „Kratzer vom Beckenboden oder von Fingernägeln der anderen sind eben immer drin.“

„Der Torwart hat wohl inzwischen schon Kiemen“

Obwohl Unterwasser-Rugby erst seit etwa 35 Jahren gespielt wird, sind die Ursprünge nicht mehr eindeutig zu klären. Von schwedischen und deutschen Sporttauchern über französische Marinetaucher bis hin zu Kenianer, die Kokosnüsse als Ball genutzt haben sollen, reicht die Palette der Entstehungsgeschichten. Sicher sei, daß die Idee 1961 vom Deutschen Unterwasser Club Köln aufgenommen und beim Konditionstraining der Taucher weiterentwickelt wurde. Das meint zumindest Günther Wackenhut, Trainer des „Tauchclubs Pulpo“ und ehemaliger Sektionsleiter für Unterwasser-Rugby in Deutschland. Drei Jahre später gab es dann das erste Spiel im Unterwasser-Rugby in Essen, und 1971 wurde der Tauch-Sport-Club Mülheim im heimischen Bad erster deutscher Meister. Auch zur ersten Weltmeisterschaft trafen sich die Sportler in Mülheim. Das war 1980.

Bei der Weltmeisterschaft der Damen 2003 in Dänemark gewann Deutschland zum ersten Mal die Goldmedaille. Im Team seien auch drei Spielerinnen des Wiesbadener Clubs gewesen, sagt Wackenhut, bevor auch er wieder abtaucht. Er löst den Torwart seines Teams ab, der immer auffallend lang ohne Luft auskommt. „Der hat wohl inzwischen schon Kiemen“, sagt ein Teamkollege am Beckenrand. Der Tormann ist 77 Jahre alt und spielt seit mehr als 30 Jahren Unterwasser-Rugby. Er kann bis zu 60 Sekunden unter Wasser bleiben.

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Von Matthias Alexander

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