http://www.faz.net/-gzg-sg77
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 19.05.2006, 21:11 Uhr

Union Club Die erste Adresse für internationale Kontakte

Der Union International Club ist weltoffen, traditionsbewußt und modern, „social“ und sozial. In den 50 Jahren seines Bestehens wandelt sich der Club vom amerikanischen Offiziersheim zum multikulturellen Treffpunkt.

von
© Wolfgang Eilmes Geschichtsträchtiger Ort: die Villa Merton am Leonhardsbrunn

Es gibt kaum einen Ort, der typischer für Frankfurt sein könnte als der Union International Club in der Villa Merton zwischen Bockenheim und dem Westend. Frankfurterisch im besten Sinne: weltoffen, traditionsbewußt und modern, „social“ und sozial. So ist der Club in der Villa Merton ein multikultureller Treffpunkt der gehobenen Art.

Patricia Andreae Folgen:

In seiner Entstehungsphase waren es erst die deutsch-amerikanischen Beziehungen, die hier wieder angeknüpft wurden. Das vom Krieg stark beschädigte Gebäude hatte der amerikanischen Armee zunächst als Offiziersheim gedient und wurde Anfang der fünfziger Jahre zum American Press Club.

Zuvor war es das Privathaus von Richard Merton, 1927 im neobarocken Stil erbaut. 1939 mußte der jüdische Unternehmer sein Haus den Nazis überlassen und nach England flüchten. Als er aus dem Exil zurückkehrte, wurde ihm sein Eigentum zwar zurückgegeben, doch Merton wollte dort nicht wieder einziehen. Er verkaufte das Anwesen 1953 an die Stadt. Es sollte ein Ort der Völkerverständigung werden.

Union International Club, Frankfurt © Wolfgang Eilmes Vergrößern Feine Adresse: Der Union International Club

Die meisten Clubmitgliedern sind Amerikaner

Der 1956 gegründete Union International Club hat sich diese Verpflichtung ins Stammbuch geschrieben. Darum sind auch alle in Frankfurt ansässigen Konsuln Ehrenmitglieder, inzwischen gilt dies auch für das Direktorium der Europäischen Zentralbank. Während anfangs nur etwa ein Drittel der Mitglieder Deutsche waren, hatte sich das Verhältnis im Laufe der Jahre umgekehrt. Mittlerweile aber ist es Präsident Christof von Dryander und seiner Vize Barbara von Stechow gelungen, den Ausländeranteil unter den 600 Mitgliedern auf fast 40 Prozent zu erhöhen, dazu tragen auch 30 Firmenmitgliedschaften bei.

Die Amerikaner stellen auch heute noch eine der stärksten Gruppen unter den Clubmitgliedern. Das hat seinen Grund im Ursprung des Clubs und in der Prägung durch Menschen wie Herbert H. Jacobi. Wenn er heute die Geburtstagsrede für den Union Club hält, dann steht vor den Festgästen nicht nur einer der ehemaligen Präsidenten, sondern gleichsam eine Symbolfigur: Als deutsch-amerikanischer Banker weiß er um die Schwierigkeiten, auf der jeweils anderen Seite des Atlantiks Fuß zu fassen, und kennt die Vorzüge eines Ortes, an dem man geschäftlich wie privat Kontakte knüpfen kann.

Ein Stück Heimat finden in der prachtvoll restaurierten Villa und ihrem kleinen Park mit Schwimmbad und Tennisplatz die Familien vieler ausländischer Führungskräfte. Während das öffentliche Sterne-Restaurant in der Villa Merton besonders von Geschäftsleuten geschätzt wird, nutzen die Familien den Garten und das umfangreiche Angebot an Kursen und kulturellen Veranstaltungen.

„Uns leitet der Gedanke der Integration“

Der Tradition verpflichtet sieht man sich aber auch durch soziales Engagement im Club, der einen der feinsten Weihnachtsbasare der Stadt ausrichtet und damit Projekte im In- und Ausland unterstützt. Bei den „Speakers-Lunchs“ werden Spenden für eine Stipendiatin (aus dem Start-Programm der Hertie-Stiftung für ausländische Jugendliche) eingesammelt.

„Auch hier leitet uns der Gedanke der Integration“, sagt Alexander Povel, der die Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen organisiert. Schon in den Fünfzigern galt die Villa Merton als erste Adresse, um in Deutschland ein internationales Publikum zu erreichen, und auch heute noch wird dieses Forum gern genutzt.

Das hat im Laufe der vergangenen fünf Jahrzehnte zu einer ansehnlichen Rednerliste geführt: Botschafter Amerikas, Großbritanniens und Israels, aber auch CSU-Chef Franz-Josef Strauß (1965), CDU-Präsidiumsmitglied Richard von Weizsäcker (1970), Repräsentanten der amerikanischen Armee oder der Nato, der Bundesbank und inzwischen der EZB, der deutschen Wirtschaf,aber auch der Kirchen und der Kultur. So ist der Union Club im besten Sinne eine multikulturelle Institution.

Quelle: F.A.Z., 20.05.2006

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Software-Roboter Automatisierter Hass im Netz

Immer mehr Hetzkommentare im Internet stammen von Maschinen. Mit ihnen werden die sozialen Netzwerke manipuliert – doch das hat auch Folgen für die Offline-Welt. Mehr Von Oliver Georgi

24.05.2016, 12:38 Uhr | Politik
Chancenungleichheit Wer unten ist, bleibt unten?

Jeder kann alles werden, wenn er will. In einem hochindustrialisierten Land wie Deutschland sollte das so sein. Doch auch wenn das Bildungsniveau im internationalen Vergleich insgesamt hoch ist, schneidet Deutschland laut OECD beim Thema Chancengleichheit schlecht ab. Für Schüler aus sozial schwachen Familien bleibt der soziale Aufstieg oft ein ferner Traum. Mehr

11.05.2016, 11:09 Uhr | Wirtschaft
Bildungsstätte Anne Frank Mit Kopftuch gegen Antisemitismus

Wenn Menschenrechte in Gefahr sind, sei die Bildungsstätte Anne Frank zur Stelle, lobte Jurymitglied Hejo Manderscheid. Nicht nur dafür gab es jetzt den Walter-Dirks-Preis. Mehr Von Livia Gerster

23.05.2016, 12:17 Uhr | Rhein-Main
Villa Beroun bei Prag Wohnen in einem Haus aus 24 Würfeln

Eine Würfelkonstruktion des tschechischen Architektenbüros HSH bestimmt die Villa Beroun bei Prag. Die Kuben lassen raffinierte Raumaufteilungen zu. Mehr

26.05.2016, 13:39 Uhr | Stil
Chess Tigers Längst besser als der Vater

Sie sind eine lebhafte Truppe, sportlich, ehrgeizig und ganz schön selbstbewusst: die Chess Tigers. In Bad Soden trainieren viele Jungs und ein Mädchen Schachspielen auf hohem Niveau. Mehr Von Stefanie von Stechow, Bad Soden

26.05.2016, 15:04 Uhr | Rhein-Main

Luftnummern am Flughafen

Von Ralf Euler

Bei der Auftragsvergabe am Flughafen Kassel soll es nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. Das hat das Potential für einen hessischen Politthriller. Dabei geht es nicht nur um jetzige und frühere Minister. Mehr 2 7