Home
http://www.faz.net/-gzg-sg77
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Union Club Die erste Adresse für internationale Kontakte

Der Union International Club ist weltoffen, traditionsbewußt und modern, „social“ und sozial. In den 50 Jahren seines Bestehens wandelt sich der Club vom amerikanischen Offiziersheim zum multikulturellen Treffpunkt.

© Wolfgang Eilmes Vergrößern Geschichtsträchtiger Ort: die Villa Merton am Leonhardsbrunn

Es gibt kaum einen Ort, der typischer für Frankfurt sein könnte als der Union International Club in der Villa Merton zwischen Bockenheim und dem Westend. Frankfurterisch im besten Sinne: weltoffen, traditionsbewußt und modern, „social“ und sozial. So ist der Club in der Villa Merton ein multikultureller Treffpunkt der gehobenen Art.

Patricia Andreae Folgen:    

In seiner Entstehungsphase waren es erst die deutsch-amerikanischen Beziehungen, die hier wieder angeknüpft wurden. Das vom Krieg stark beschädigte Gebäude hatte der amerikanischen Armee zunächst als Offiziersheim gedient und wurde Anfang der fünfziger Jahre zum American Press Club.

Zuvor war es das Privathaus von Richard Merton, 1927 im neobarocken Stil erbaut. 1939 mußte der jüdische Unternehmer sein Haus den Nazis überlassen und nach England flüchten. Als er aus dem Exil zurückkehrte, wurde ihm sein Eigentum zwar zurückgegeben, doch Merton wollte dort nicht wieder einziehen. Er verkaufte das Anwesen 1953 an die Stadt. Es sollte ein Ort der Völkerverständigung werden.

Union International Club, Frankfurt © Wolfgang Eilmes Vergrößern Feine Adresse: Der Union International Club

Die meisten Clubmitgliedern sind Amerikaner

Der 1956 gegründete Union International Club hat sich diese Verpflichtung ins Stammbuch geschrieben. Darum sind auch alle in Frankfurt ansässigen Konsuln Ehrenmitglieder, inzwischen gilt dies auch für das Direktorium der Europäischen Zentralbank. Während anfangs nur etwa ein Drittel der Mitglieder Deutsche waren, hatte sich das Verhältnis im Laufe der Jahre umgekehrt. Mittlerweile aber ist es Präsident Christof von Dryander und seiner Vize Barbara von Stechow gelungen, den Ausländeranteil unter den 600 Mitgliedern auf fast 40 Prozent zu erhöhen, dazu tragen auch 30 Firmenmitgliedschaften bei.

Die Amerikaner stellen auch heute noch eine der stärksten Gruppen unter den Clubmitgliedern. Das hat seinen Grund im Ursprung des Clubs und in der Prägung durch Menschen wie Herbert H. Jacobi. Wenn er heute die Geburtstagsrede für den Union Club hält, dann steht vor den Festgästen nicht nur einer der ehemaligen Präsidenten, sondern gleichsam eine Symbolfigur: Als deutsch-amerikanischer Banker weiß er um die Schwierigkeiten, auf der jeweils anderen Seite des Atlantiks Fuß zu fassen, und kennt die Vorzüge eines Ortes, an dem man geschäftlich wie privat Kontakte knüpfen kann.

Ein Stück Heimat finden in der prachtvoll restaurierten Villa und ihrem kleinen Park mit Schwimmbad und Tennisplatz die Familien vieler ausländischer Führungskräfte. Während das öffentliche Sterne-Restaurant in der Villa Merton besonders von Geschäftsleuten geschätzt wird, nutzen die Familien den Garten und das umfangreiche Angebot an Kursen und kulturellen Veranstaltungen.

„Uns leitet der Gedanke der Integration“

Der Tradition verpflichtet sieht man sich aber auch durch soziales Engagement im Club, der einen der feinsten Weihnachtsbasare der Stadt ausrichtet und damit Projekte im In- und Ausland unterstützt. Bei den „Speakers-Lunchs“ werden Spenden für eine Stipendiatin (aus dem Start-Programm der Hertie-Stiftung für ausländische Jugendliche) eingesammelt.

„Auch hier leitet uns der Gedanke der Integration“, sagt Alexander Povel, der die Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen organisiert. Schon in den Fünfzigern galt die Villa Merton als erste Adresse, um in Deutschland ein internationales Publikum zu erreichen, und auch heute noch wird dieses Forum gern genutzt.

Das hat im Laufe der vergangenen fünf Jahrzehnte zu einer ansehnlichen Rednerliste geführt: Botschafter Amerikas, Großbritanniens und Israels, aber auch CSU-Chef Franz-Josef Strauß (1965), CDU-Präsidiumsmitglied Richard von Weizsäcker (1970), Repräsentanten der amerikanischen Armee oder der Nato, der Bundesbank und inzwischen der EZB, der deutschen Wirtschaf,aber auch der Kirchen und der Kultur. So ist der Union Club im besten Sinne eine multikulturelle Institution.

Quelle: F.A.Z., 20.05.2006

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Krise im Golfsport Ein größeres Loch für die nächste Generation Golf

In Amerika schwindet das Interesse am Golfsport. Es gibt viele Ideen, um Neueinsteiger zu begeistern – das kommt traditionsbewussten Spielern wie Frevel vor. Mehr Von Roland Lindner, New York

16.04.2015, 07:32 Uhr | Wirtschaft
3,6 Millionen Euro verbrannt Millionenschwere Villa steht in Flammen

In Annapolis im amerikanischen Bundesstaat Maryland hat eine Villa stundenlang gebrannt. Der Brand am Gebäude, dessen Wert auf etwa 3,6 Millionen Euro geschätzt wird, konnte erst nach Stunden gelöscht werden. Mehr

20.01.2015, 09:59 Uhr | Gesellschaft
Facebook Die universale Volksrepublik

Wahrscheinlich hat Facebook von jedem Menschen, der das Internet benutzt, ein Profil, auch wenn er gar keinen Facebook-Account besitzt. So kolonisiert das soziale Netzwerk das ganze Internet. Mehr Von Christopher Lauer

19.04.2015, 20:00 Uhr | Feuilleton
Mein Club Mythos Union Berlin

Kult, Anti-Establishment, irgendwie anders - mit diesen Attributen wird der Union Berlin immer wieder in Verbindung gebracht. Pascal hat selbst drei Jahre für Union gespielt, nun geht er dem Mythos auf den Grund. Mehr

21.03.2015, 10:26 Uhr | Sport
Gläserne Gesellschaft Das Verschwinden des Geheimnisses

Nur Diktaturen fordern Transparenz von ihren Untertanen: Es ist fundamental für eine moderne Demokratie, dass nicht alle alles von allen wissen. Aber dieses Fundament ist bedroht. Mehr Von Michael Pauen und Harald Welzer

23.04.2015, 10:43 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.05.2006, 21:11 Uhr

Lotterie Gymnasium

Von Matthias Trautsch

Nun ist es so weit. Der Bedarf an Plätzen auf dem Gymnasium wuchs über die vorhandenen hinaus - sehenden Auges. Von einer politischen Bankrotterklärung und einem Projekt, das zu spät begann. Mehr 3 2