19.03.2010 · Während die Autobahnen rund um Frankfurt immer sicherer werden, gibt es im Stadtgebiet mehr Unfälle. Das geht aus der Frankfurter Unfallstatistik hervor.
Von Katharina Iskandar, FrankfurtDie Autobahnen rund um Frankfurt werden offenbar immer sicherer. Zum dritten Mal in Folge sind die Unfallzahlen auf dem Streckennetz zurückgegangen, teilte am Freitag das Polizeipräsidium Frankfurt mit. So ereigneten sich im vergangenen Jahr 2997 Unfälle auf den umliegenden Strecken der Autobahnen 3, 5, 66, 661 und 648 – das sind rund neun Prozent weniger als im Jahr zuvor. 2007 waren es noch 3794 Unfälle. Mit vier Todesopfern und 79 Schwerverletzten sind zudem die niedrigsten Werte seit acht Jahren verzeichnet worden.
Dieter Herberg, Leiter der Direktion Verkehrssicherheit, sprach am Freitag bei der Vorstellung der Frankfurter Unfallstatistik von einer „guten Entwicklung“, die vor allem auf bauliche Veränderungen und Geschwindigkeitsbeschränkungen besonders an den Autobahnkreuzen zurückzuführen sei, „aber auch darauf, dass die Verkehrsteilnehmer offenbar disziplinierter geworden sind“. So seien auf den Autobahnen im vergangenen Jahr zwar in rund 115 Fällen Unfälle wegen zu hoher Geschwindigkeit verursacht worden – im Jahr zuvor lag die Zahl jedoch um rund 17 Prozent höher. Auch Fahrten unter Alkoholeinfluss sind auf den Autobahnen stark zurückgegangen – um mehr als die Hälfte.
Die meisten Unfälle könnte man verhindern
Weniger diszipliniert sind Verkehrsteilnehmer allerdings im Frankfurter Stadtgebiet. Dort ist die Zahl der Verkehrsunfälle um 0,3 Prozent auf 17 336 angestiegen – mit 14 Todesopfern und 420 Schwerverletzten. Dabei hätten die meisten Unfälle verhindert werden können, wenn die Verkehrsteilnehmer beim Abbiegen, Einordnen, Abstandhalten und Vorfahrtachten aufmerksamer wären, wie Herberg sagte. Zudem werde gerade auf den großen Ausfahrtsstraßen noch immer zu schnell gefahren. Spitzengeschwindigkeiten seien unter anderem auf der Babenhäuser Landstraße gemessen worden. Dort war ein Auto mit 153 Stundenkilometern unterwegs, obwohl dort nur Tempo 50 erlaubt war. Auf derselben Straße wurde in der Tempo-100-Zone ein Auto mit 213 Stundenkilometern geblitzt.
Nach wie vor stünden aber auch Radfahrer weiterhin im Fokus, kündigte Herberg an. Im vergangenen Jahr habe die Polizei verstärkt diese Gruppe von Verkehrsteilnehmern kontrolliert und eine Vielzahl an Verstößen festgestellt – von fehlendem Licht bis hin zum Fahren über rote Ampeln. Vor allem aber seien Radler auch immer wieder dadurch aufgefallen, dass sie zum Teil stark betrunken unterwegs gewesen seien. So waren nach Erkenntnissen der Polizei im vergangenen Jahr doppelt so viele Radfahrer betrunken unterwegs wie Autofahrer.
Fahrerflucht ein häufiges Phänomen
Eines der größten Probleme ist laut Herberg die Unfallflucht. 5911 Fälle wurden im vergangenen Jahr registriert, das entspricht einer Zunahme von 2,9 Prozent. Besonders tragisch ist nach den Worten Herbergs, dass darunter auch zwei tödliche Unfälle waren und sich die Verursacher nicht weiter um die Verletzten kümmerten. Ein Fall ereignete sich im März an der Mainzer Landstraße. Bei dem Opfer handelte es sich um einen 29 Jahre alten Fußgänger. Der Unfallverursacher war betrunken und hatte keinen Führerschein. Im zweiten Fall kurz vor Weihnachten wurde ein 14 Jahre alter Schüler getötet, der mit seinem Skateboard in Rödelheim unterwegs war. Am Freitag wurde gegen den 25 Jahre alten mutmaßlichen Fahrer Anklage erhoben. „Fahrerflucht ist ein Phänomen, das in der Stadt sehr häufig vorkommt“, sagte Herberg. Etwa jeder dritte Fahrer habe sich im vergangenen Jahr vom Unfallort entfernt. „Das ist eine sehr unschöne Entwicklung.“
Kritisch sieht die Polizei auch den Drogenkonsum, mit dem Autofahrer im vergangenen Jahr wiederholt aufgefallen sind. Inzwischen, sagte Herberg, seien mehr Menschen mit Drogen als mit Alkohol im Blut unterwegs. Bei Kontrollen liege der Anteil der durch Drogen berauschten Fahrer im Durchschnitt viermal so hoch. Herberg sagte, vermutlich unterschätzten viele Menschen, dass auch Haschisch- und Kokainkonsum sowie auch Medikamente großen Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit hätten.
Verkehrserziehung hat sich offenbar bewährt
Erfreulich sei hingegen die Tatsache, dass es auch im vergangenen Jahr keinen tödlichen Unfall mit kleineren Kindern gegeben habe. „Ein Trend, der glücklicherweise schon seit Jahren anhält“, wie Herberg sagte. Offenbar habe sich die umfassende Verkehrserziehung, die die Polizei gemeinsam mit der Stadt in Kindergärten und Schulen anbiete, bewährt.
Fußgänger müssten stärker überwacht werden
Karl Pietal (pe-lawyer)
- 20.03.2010, 12:30 Uhr