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Umweltzone Randbezirke fürchten die „Stinker“

09.07.2008 ·  Im Oktober wird die Umweltzone eingerichtet. Vom Sperrgebiet ausgenommen bleiben Viertel am Stadtrand. Dort geht nun die Sorge um, mehr Abgase und Feinstaub abzubekommen als bisher.

Von Bernd Günther
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Bald werden im Stadtgebiet neue Grenzen gezogen. Die Bürger sind jüngst ausführlich mit einem von der Stadt herausgegebenen Flugblatt über die bevorstehende Einrichtung der Umweltzone und die damit verbundenen Regelungen für den Stadtverkehr informiert worden. Von Anfang Oktober an werden nur noch entsprechend ausgewiesene schadstoffarme Fahrzeuge bis ins Zentrum der Stadt fahren dürfen.

Ziel ist es, die Belastung mit Feinstaub im Stadtgebiet so zu reduzieren, dass die von der Europäischen Union vorgegebenen Grenzwerte nicht mehr überschritten werden. Zum Sperrgebiet für Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß wird jedoch nicht die gesamte Stadt erklärt, vielmehr bleiben westliche und östliche Stadtteile sowie am nördlichen Stadtrand gelegene Viertel von der Umweltzone ausgenommen.

Etliche Stadtteile bleiben ausgenommen

Lange ist zwischen Stadt und Land, das als zuständige Instanz für die Luftreinhaltung verantwortlich ist, diskutiert worden, wie groß das Aktionsgebiet bemessen werden soll. Schließlich ist jene Variante gewählt worden, die den Teil des Stadtgebiets umfasst, der von Autobahnen eingegrenzt wird. So wird die Zone künftig von der A 3, der A 5 und der A 661 umschlossen. Etliche Stadtteile bleiben ausgenommen (siehe Grafik). Das Hessische Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz begründet dies mit den erwarteten „Minderungspotentialen“.

So könnten in der Zone innerhalb des Autobahnrings die Emissionen bei Abgasen um voraussichtlich 44,2 Prozent verringert werden. Nur geringfügig höher wäre der Wert (minus 48,6 Prozent), wenn die gesamte Stadt zur Umweltzone erklärt würde. Für das jetzt anvisierte Areal hat das Ministerium zudem praktische Gründe angeführt: Die Umweltzone werde für ortsunkundige Fahrer klar abgegrenzt, die Beschilderung sei einfacher, und es würden wohl weniger Ausnahmegenehmigungen erforderlich. Zudem böten die Autobahnen eine Umfahrungsmöglichkeit. In den Stadtteilen provozierte die strittige Zonengrenze jedoch gegensätzliche Reaktionen: Quartiere, die voraussichtlich im Schutzgebiet liegen werden, sehen darin Nachteile; andere wiederum, die außen vor sind, wollen noch in die Umweltzone einbezogen werden.

Im für Bergen-Enkheim zuständigen Ortsbeirat 16 etwa hatten die Ortsvertreter – letztlich vergeblich – darauf gepocht, dass das Aktionsgebiet auch ihren Stadtteil am Stadtrand und nicht nur das Stadtzentrum sowie die innenstadtnahen Quartiere umfassen sollte. Die Ortsvertreter hatten dabei auf die Sorge hingewiesen, dass die Fahrzeuge, die die Abgaswerte nicht einhielten und nicht ins Stadtzentrum fahren dürften, künftig in Bergen-Enkheim oder in den ebenso ausgegrenzten Stadtteilen Seckbach und Riederwald parken könnten.

Angst vor zusätzlichem Verkehr

Im benachbarten Ortsbeirat 10 – der für Berkersheim, Bonames, Eckenheim, Frankfurter Berg und Preungesheim zuständig ist und dessen Ortsbezirk durch die Umweltzone quasi geteilt wird – warnen die Fraktionen davor, dass die geplante Umweltzone zusätzlich Schleichverkehr durch die Quartiere verursachen werde. Vor allem durch Berkersheim könnten mehr Autos fahren, deren Ziel der Park-and-Ride-Platz an der Endhaltestelle der U-Bahn-Linie 5 ist.

Das Szenario, dass Pendler aus der Wetterau, denen die Weiterfahrt über die Friedberger Landstraße in die Stadt verwehrt würde, den Heiligenstockweg nach Berkersheim als Umgehungsstraße nutzen könnten, decke sich durchaus mit den Erwartungen des Magistrats, meinten die Ortsvertreter. So habe Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen) geäußert, dass nicht zur Einfahrt berechtigte Fahrzeuge aus dem Umland verstärkt Park-and-Ride-Plätze außerhalb der Umweltzone ansteuern würden. Die für Berkersheim zuständigen Stadtteilpolitiker sehen darin nunmehr neue Argumente für ihre lange von der Stadt abgelehnte Forderung, dass – um Berkersheim schadlos zu halten – unmittelbar an der Friedberger Landstraße entsprechende Parkplätze eingerichtet werden sollten.

„Gravierende Nachteile“ fürchtet auch der Ortsbeirat 9 (Eschersheim, Dornbusch, Ginnheim), dessen Bezirk allerdings innerhalb der Umweltzone liegen soll. So wären Eschersheim, Dornbusch und Ginnheim künftig schlecht erreichbar, weil an den Grenzen der Umweltzone nur unzureichende Möglichkeiten zum Umsteigen auf den öffentlichen Nahverkehr bestünden. Einen Ausbau des kommunalen Netzes von Park-and-Ride-Plätzen halten auch Stadtverordnete für erforderlich: Die SPD im Römer brachte dazu jüngst eine Vorlage ein, in der sie vom Magistrat ein Konzept für ein lückenloses Park-and-Ride-Netz fordert. Auch sollten Autofahrer die Möglichkeit haben, am Stadtrand auf Leihfahrräder umzusteigen.

Stadt: Erst einmal abwarten

Im städtischen Verkehrsdezernat wird unterdessen die Parole ausgegeben, zunächst einmal abzuwarten, welche Auswirkungen die Umweltzone in den jetzt vorgesehenen Grenzen haben werde. Schließlich fehlten bislang richtungsweisende Erfahrungen aus andern Städten. „Wir werden die Entwicklungen in den ersten Wochen und Monaten genau beobachten müssen“, sagt Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Die Grünen). Sollte etwa die Parkplatzsituation in den Randbezirken schwieriger werden, „können wir immer noch mit Frankfurter Bordmitteln gegensteuern“. So könnten etwa mehr Parkplätze ausgewiesen oder das Anwohnerparken ausgeweitet werden; derzeit sei dies aber nicht vorgesehen.

Dass der Parkdruck am Stadtrand gleich nach Einrichtung der Umweltzone signifikant steigt, ist jedoch ohnehin fraglich. So dürfen in der Anfangsphase noch alle Fahrzeuge, die über eine Feinstaubplakette verfügen – gleichgültig, in welcher Farbe –, in der Umweltzone unterwegs sein. Rund 16.000 Autos, die den höchsten Schadstoffausstoß haben – etwa fünf Prozent der in Frankfurt zugelassenen Fahrzeuge –, dürfen zunächst nicht mehr einfahren.

In welchem Ausmaß die Fahrzeuge der rund 300.000 Pendler aus dem Umland betroffen sein werden, ist der Stadt bislang nicht genau bekannt. Fest steht allerdings, dass der Kreis der Fahrzeuge, die aus der Umweltzone verbannt werden, sukzessive größer wird, wenn von 2010 an Fahrzeuge mit einer roten Feinstaubplakette und von 2012 an auch jene mit der gelben Plakette nicht mehr einfahren dürfen.

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Jahrgang 1965, freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

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