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Umweltdezernentin Rosemarie Heilig : „Wir müssen vom Grün her bauen“

Sieht Interessenkonflikte: Umweltdezernentin Rosemarie Heilig Bild: Frank Röth

Die Stadt will für den Bau des sogenannten Innovationsquartiers mehr als hundert Freizeit- und Kleingärten aufgeben. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig von den Grünen stimmt der Bebauung zu. Warum?

          Schmerzt es Sie als Umweltdezernentin nicht, dass nördlich des Günthersburgparks an der Friedberger Landstraße das Innovationsquartier mit 1500 Wohnungen entstehen soll – auf der Fläche von mehr als hundert Freizeit- und Kleingärten?

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ja, das schmerzt. Als Biologin, Naturschützerin und Umweltdezernentin versetzt mir jeder Eingriff ins Grün einen Stich, das ist klar.

          Warum stimmen Sie dann trotzdem der Bebauung zu?

          Wenn ich allein aus Sicht der Ökologin zu entscheiden hätte, dann käme von mir ein klares Nein. Doch Frankfurt ist in der Situation, dass wir zu wenig Grün, aber auch zu wenig bezahlbaren Wohnraum, zu wenig Kindergärten und Schulen haben. Ich kann zwar als Grünen-Politikerin Bedingungen stellen für die wachsende Stadt, aber ich kann die Interessenkonflikte nicht negieren.

          Die Stadt hat zu wenig Grün? Knapp die Hälfte der Stadt besteht aus Äckern, Wald und Erholungsflächen. Ein Drittel des Stadtgebiets zählt zum Grüngürtel.

          Doch, die Stadt hat auch zu wenig Grün. Wenn man bedenkt, dass wir mitten im Klimawandel sind und etwa in der Innenstadt immer noch dicht, eng und steinern gebaut wird, dann haben wir eindeutig zu wenig Grün, um dem Klimawandel begegnen zu können.

          Es fehlt vielleicht in einigen Stadtteilen an Grünflächen.

          Der Klimaplan-Atlas hat uns die Hotspots klar ausgewiesen. Dazu gehört vor allem die Innenstadt mit Straßen und Plätzen, die sich im Sommer zu stark aufheizen. Der Grüngürtel ist wunderbar, aber er kann diese Defizite nicht ausgleichen. Wir müssen zu einer anderen Planungskultur kommen. Die Stadt muss vom Grün her, von den Menschen her geplant und gebaut werden. Wir machen aber leider die Erfahrung, dass dieser Gedanke bei Planern und Architekten noch nicht so angekommen ist. Allzu viele denken noch immer nicht daran, wie sich das Klima gewandelt hat. Dabei sieht man das doch gerade im Sommer mit seinen heißen Tagen und tropischen Nächten.

          Die Architekten bestimmen aber doch gar nicht, wie die Stadt aussieht, also zum Beispiel, wie öffentliche Plätze gestaltet werden. Das ist Sache der Stadtregierung, der auch Sie angehören.

          Planungsdezernent Mike Josef von der SPD weiß auch um die Probleme. Bei der Suche nach neuen Baugebieten haben allerdings die Grünen durchgesetzt, dass der Grüngürtel nicht angetastet wird, weil er zur Abkühlung der Stadt und als Naherholungsgebiet eine wichtige Funktion hat. Und wir halten die Frischluftschneisen im Norden der Stadt frei. Es wird keine Bebauung des Pfingstbergs geben, wie sie sich Oberbürgermeister Peter Feldmann gewünscht hatte. Es wird generell gar nicht mehr anders gehen, als dass wir künftig, gleichgültig bei welchem Baugebiet, auf den Klimaplan-Atlas schauen und vor jeder Bebauung kleinklimatische Analysen in Auftrag geben.

          Und das wird bei der Bebauung des Innovationsquartiers berücksichtigt?

          Das ist verabredet. Bei der kleinklimatischen Untersuchung wird geschaut, ob die Entwürfe der Planer so sind, dass die frische Luft, die von außen kommt, hindurchgelangt und die Innengebiete erreicht. So zu bauen, das ist die Herausforderung dieser Generation.

          Es ist ja wirklich der Bürgerinitiative und der Einsicht des SPD-Planungsdezernenten zu verdanken, dass das Quartier neu geplant wird. Der bis vor einem Jahr tätige Planungsdezernent aus Ihrer Partei und mit Ihnen an der Seite wollte anderes realisieren. Ist das nicht merkwürdig?

          Planungsprozesse laufen schrittweise und dauern bisweilen mehrere Jahrzehnte, wenn es ganz schlimm kommt. Wir müssen immer schauen, wie die Gegebenheiten neu angepasst werden. In bin ganz sicher, dass unter jedem Magistrat, gleich welcher Couleur, das Gebiet gegenüber den ersten, groben Plänen an die ökologischen Notwendigkeiten angepasst worden wäre. Genau dafür gibt es ja die Bürgerbeteiligung und die Expertise von Ämtern und Fachleuten.

          Die Bürger haben massiv gegen die Pläne der Grünen protestiert, eine offizielle Bürgerbeteiligung gab es ja gar nicht.

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