24.08.2009 · Nach sieben Jahren Pause feiern Tausende Raver wieder zu elektronischer Musik im Frankfurter Hafentunnel - trotz relativ niedriger Lautstärke und Stromausfall.
Von Rafael BarthDer Mann mit den kurzrasierten Haaren und der schwarzrandigen Brille schüttelt den Kopf. Aber nicht zum Beat aus den Lautsprecherboxen – sondern aus Unzufriedenheit über die Lautstärke: Ihm ist die Musik einfach zu leise. Während morgens beim Soundcheck der Techno noch „richtig laut“ aus den Boxen geschallt sei, verhindere dies nun, zur besten Partyzeit, die Präsenz der Leute vom Ordnungsamt. „Aber da könnse so was nicht bringen hier“, sagt der Mann, winkt ab und verschwindet in der Masse.
Kritik an der relativ geringen Lautstärke gibt es immer wieder bei den Technopartys im Hafentunnel an diesem Wochenende – dem ersten Tunnel-Rave nach sieben Jahren Pause. Techno ist eben Körpermusik — erst dann völlig wirksam, wenn der Schall das Trommelfell massiert und in Mark und Bein zu spüren ist.
„Nicht so ganz glücklich“ mit Lärmschwelle
Nach eigenen Angaben hatten die Veranstalter vom Frankfurter Club U 60311 mit der Stadtverwaltung um den maximalen Schalldruckpegel gerungen, der am nächstgelegenen Wohnhaus gemessen werden durfte. Ein Gerichtsbeschluss in letzter Minute gestattet in der Zeit von 0 bis 6 Uhr 55 Dezibel, womit das Veranstaltungsteam laut Michael Grein „nicht so ganz glücklich“ ist. Der Verkehrslärm schwelle dort schließlich auf 85 Dezibel an. Beschwerden hat es nach Greins Worten kaum gegeben. Ein paar wenigen Anwohnern habe man Hotelzimmer gestellt, andere hätten dank Freikarten einfach mitgefeiert oder das Areal vor dem nördlichen Tunnelende wie ein Volksfest besucht. Denn hier gibt es Bratwurst, Pizza - kleine Karten zur Aufklärung über rauschbefördernde Substanzen.
Während die Fete am Freitag von klassischen Techno-DJs dominiert war, zeigt sich der Samstag verspielter und massentauglicher. Das Duo Booka Shade aus Berlin begeistert schon deshalb, weil es durch die wilde Performance an Schlagzeug und Mischpult auch etwas fürs Auge bietet. Den beiden Herren hätte man fast zugetraut, dass sie Musik und Scheinwerfer ausschalten, nur um im nächsten Moment umso heftiger loszurocken. Doch nichts da: Der Strom bleibt weg, im Tunnel geht die normale Straßenbeleuchtung an, und die Raver stehen da und wissen nicht, was los ist. Schweigen, Gemurmel, Gegröle, unter anderem „Wir woll’n das Geld zurück“. Peinlich für solch eine Sause, die von der Illusion lebt, das Leben sei eine pausenlose Party.
Nicht so viele Raver wie erwartet
Die Panne erweist sich als technisches Problem: Nach einer halben Stunde bringen die Organisatoren den Generator wieder zum Laufen und sind unendlich dankbar, dass David Guetta noch bei Straßenbeleuchtung die ersten Stücke spielt: melodiös, popgesprenkelt, tanzerzwingend. Kaum ein DJ des Wochenendes dürfte so viele Menschen dazu gebracht haben, die vierspurige Tunnelstraße mit den Füßen zu traktieren und die diesige Luft mit den Armen zu durchschneiden wie der populäre House-Meister Guetta.
Trotz Problemen sei die Veranstaltung ein „voller Erfolg“ gewesen, resümiert Alexander Eger, Geschäftsführer des U60311. Dass man insgesamt mit bis zu 18.000 Gästen gerechnet habe, bezeichnet er als hoch gestecktes Ziel. Eger zeigt sich zufrieden mit etwa 10.500 Besuchern und kündigt für nächstes Jahr weitere Partys im Hafentunnel an.
Deutschland einig Partyland
Michael Meier (never1)
- 24.08.2009, 11:22 Uhr
Tunnel Rave - eine Zumutung!
Mareen Schulz (sonne08)
- 25.08.2009, 21:23 Uhr