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Tuberkulose-Therapie in Frankfurt : Vier Wochen in der Isolation

Geräumig: Auf der Isolierstation hat jeder TBC-Patient ein Doppelzimmer für sich Bild: Lena Grimm

Wer hierher kommt, bleibt mindestens vier Wochen: Am Katharinen-Krankenhaus in Frankfurt-Seckbach werden seit fünfzig Jahren Tuberkulosekranke behandelt. Die Therapie ist langwierig.

          Wer hierher kommt, bleibt länger. Mindestens vier Wochen. So lange dauert es in der Regel, bis eine Tuberkulose nach Beginn der Antibiotika-Therapie nicht mehr ansteckend ist. Und so lange werden die Kranken nach Auskunft von Klaus Strobel, Chefarzt der Inneren Medizin II am Katharinen-Krankenhaus in Seckbach, auch heute noch isoliert. Wenn die Patienten auf die Kombitherapie mit mehreren Antibiotika nicht ansprechen oder die Medikamente wegen starker Nebenwirkungen ausgetauscht werden müssen, kann die stationäre Behandlung auch länger dauern.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit das von katholischen Schwestern geführte Krankenhaus 1960 eröffnet wurde, gibt es dort eine Isolierstation. Vor fünfzig Jahren war sie neben jener an der Uniklinik die einzige derartige Einrichtung in Frankfurt. 2004 wurde für die Infektiologie neben dem Haupthaus an der Seckbacher Landstraße ein neuer dreistöckiger Zweckbau eröffnet. Statt früher 50 Betten stehen nur noch 30 zur Verfügung. Doch meist sind weniger Patienten im Haus untergebracht. Denn auf der Tuberkulosestation werden die geräumigen Doppelzimmer nur mit jeweils einem Patienten belegt.

          Zugang nur mit elektronischem Ausweis

          Auf den ersten Blick ist an dem Gebäude nichts ungewöhnlich. Die Patientenzimmer auf der Rückseite haben sogar einen Balkon. Innen jedoch machen Schilder darauf aufmerksam, dass es sich um eine Infektionsabteilung handelt. Der Zugang ist nur mit elektronischem Ausweis oder nach Klingeln und Anmeldung bei den Schwestern möglich. Bevor Besucher auf die Station gelangen, müssen sie durch sogenannte Schleusen: Vorräume, in denen Desinfektionsmittel bereit stehen. Besucher erhalten zum eigenen Schutz eine Maske für Mund und Nase und werden auf die Notwendigkeit der Handdesinfektion hingewiesen.

          Winzling: der Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis, aufgenommen unter dem Elektronenmikroskop...
          Winzling: der Tuberkulose-Erreger Mycobacterium tuberculosis, aufgenommen unter dem Elektronenmikroskop... : Bild: dpa

          Die Isolierstation in Seckbach steht im Notfallplan der Stadt für den Seuchenfall nicht an erster Stelle. Zunächst werde jene in der Universitätsklinik belegt, heißt es im Gesundheitsamt. Dorthin sollen auch Notfallpatienten vom Flughafen gebracht werden. Allerdings hätte die Stadt im vergangenen Winter bei einer Ausbreitung der Neuen Grippe die Station im Katharinen-Krankenhaus mit belegt, berichtet Strobel. Bei Bedarf könne dort sogar die Raumluft über eine Anlage mit speziellen Filtern gereinigt werden.

          Besondere Hygiene zu beachten

          Von Anfang an stellten jedoch Tuberkulosekranke einen Großteil der Patienten der Station. Früher wurden auch noch Menschen mit Hepatitis isoliert, wie der Infektiologe berichtet. Heute würden dagegen zum Beispiel Patienten mit unspezifischen Durchfällen aufgenommen. Bei den oft hoch ansteckenden Magen-Darm-Infektionen müsse auf eine besondere Hygiene geachtet werden. Vor allem mit dem Norovirus Infizierte kämen in das abseits stehende Gebäude, weil dort die nötigen Desinfektionen routinemäßig vorgenommen würden, sagt der 54 Jahre alte Mediziner. Patienten, bei denen die Diagnose erst später gestellt wird, bleiben nach seiner Auskunft auf ihren Zimmern im Haupthaus. Ein Transport berge immer auch ein Ansteckungsrisiko, erläutert Strobel, der zugleich Hygienebeauftragter des Krankenhauses ist.

          In Frankfurt erkranken nach Angaben des Gesundheitsamts jährlich etwa 100 Menschen an der meldepflichtigen Tuberkulose, die sich über Speicheltröpfchen überträgt. Außer dem Katharinen-Krankenhaus, in dem etwa die Hälfte der Tuberkulosepatienten untergebracht wird, nehmen das städtische Klinikum in Höchst und die Universitätsklinik Infizierte auf. Da die Krankheit lange bis zu ihrem Ausbruch braucht, wird sie meist erst bemerkt, wenn sich Symptome einstellen. Dazu gehören Gewichtsverlust, Nachtschweiß und chronischer Husten.

          Weit mehr als die Hälfte aller Infektionen bringen die Patienten aus dem Ausland mit. Oft handelt es sich bei den Betroffenen um Einwanderer aus Osteuropa oder Afrika, wie Udo Götsch erläutert, der die Infektiologie beim Gesundheitsamt leitet. Teils haben sie die Krankheit schon bei der Umsiedlung gehabt, teils bei Heimatbesuchen erworben.

          Gesundheitsamt betreut Patienten weiter

          In der Regel bekommen nur Menschen mit schwachem Immunsystem Tuberkulose. Deshalb finden sich nach Götschs Auskunft überdurchschnittlich viele Alkohol- und Drogenabhängige unter den Patienten. Eine schlechte Ernährung begünstige den Ausbruch des Leidens ebenso wie eine Vorerkrankung, etwa Diabetes oder Asthma. Besonders bedrohlich ist die Krankheit für HIV-Infizierte.

          Zu den Patienten gehören auch Wohnsitzlose. Wer in Frankfurt länger in einer Obdachlosenunterkunft bleibe, werde routinemäßig geröntgt und auf Tuberkulose untersucht, berichtet Götsch. Diese Patienten werden vom Gesundheitsamt über den Aufenthalt im Krankenhaus hinaus betreut, damit sie die medikamentöse Therapie nicht abbrechen. Die Zusammenarbeit klappe sehr gut, sagt Strobel. Bis zu acht Monate lang müssten die Antibiotika eingenommen werden. Nur wer sich völlig der Therapie verweigere, komme heute noch in eine geschlossene Lungenanstalt.

          Sorgen bereiten den Ärzten allerdings Antibiotika-Resistenzen der Tuberkulosebakterien. Vor allem in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion werde eine Zunahme derartiger Fälle verzeichnet, berichtet Strobel. Wenn die Standardtherapie nicht helfe, müsse auf andere Antibiotika zurückgegriffen werden, die mehr Nebenwirkungen hätten oder weniger schnell wirkten. Das verlängere die Behandlungszeit. Allerdings kommen nach Götschs Worten derartige Resistenzen in Frankfurt bei maximal 15 Prozent der Erkrankten vor, und gefährliche Multiresistenzen sogar nur bei zwei Prozent.

          Quelle: F.A.Z.

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