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Anti-TTIP-Kundgebungen : Gefühl schlägt Fakten

Die TTIP-Befürworter haben kein Mittel gefunden, um die Angst vor der Globalisierung zu vertreiben.

          Es mutet zunächst merkwürdig an, wenn sogar in einer Welthandelsmetropole wie Frankfurt heute Tausende Menschen auf die Straße gehen, um gegen die Globalisierung und den Freihandel zu demonstrieren. Ausgerechnet in einer Region, in der Hunderte ausländische Unternehmen ihre Deutschland-Zentrale haben, in der Handelsvertreter im Minutentakt landen und in der Zehntausende Arbeitsplätze vom Exportgeschäft abhängen.

          Dass so viele Globalisierungskritiker in Frankfurt protestieren, zeigt, dass es selbst hier, in der deutschen Banken- und Messe-Hauptstadt, den Befürwortern nicht gelungen ist, für ihre Position zu werben. Das ist deshalb bedauerlich, weil es gute Gründe gibt, für Handelsabkommen wie TTIP mit den Vereinigten Staaten oder Ceta mit Kanada zu sein. Genauso, wie es gute Gründe gibt, die Abkommen im Detail zu kritisieren. Nur leider geht es darum gar nicht mehr.

          Abstrakte ökonomische Überlegungen allein überzeugen nicht

          Mit Wachstumsprognosen und komplizierten Erklärungen kommt man nicht an gegen die Behauptungen der Gegner. Sie appellieren weniger an den Verstand, sondern vor allem an Gefühle: an die Angst vor den Amerikanern, den Konzernen, vor der Brüsseler Bürokratie. So wurde den Kritikern die Diskussionshoheit überlassen. Dabei machen es sich die Globalisierungskritiker leider oft zu einfach: Sie differenzieren vielfach nicht, arbeiten teils mit unbewiesenen Behauptungen und verschweigen ihre eigenen ökonomischen Interessen: Die Organisatoren Campact und Attac etwa leben von Spenden, die nur fließen, wenn sie dramatisieren.

          Das Problem ist, dass Parteien und Wirtschaftsverbände sich zu lange darauf verließen, dass abstrakte ökonomische Überlegungen die Bürger letztlich überzeugen. Sie haben es nicht geschafft, Argumente zu finden und zu kommunizieren, die auch versteht, wer nicht Volkswirtschaft studiert hat. Und sie haben kein Gefühl erzeugt, das die Angst vor der Globalisierung vertreiben kann. Wenn das nicht einmal in der Handelsstadt Frankfurt gelingt, wie soll das im Rest des Landes klappen?

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung und bei dem Wirtschaftsmagazin Metropol.

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