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Transsexualität : „Das neue Leben ist lebenswert“

Ausblick mit Perspektive: Regina Schneider will Betroffenen vermitteln, dass ihr neues Leben viele schöne Seiten haben kann. Bild: Helmut Fricke

Wenn ein Mann sich entscheidet, als Frau weiterzuleben, bleibt oft eine Partnerin zurück, für die eine Welt zusammenbricht. Regina Schneider hat das erlebt. Sie will anderen Frauen helfen.

          Regina Schneider ist 59 Jahre alt. Drei Söhne hat sie großgezogen, ein tolles Leben habe sie mit ihrer Familie geführt, sagt die Frau, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Und im Alter, da wollte sie mit ihrem Mann viel verreisen, nach Indien zum Beispiel wollte sie mit ihm fahren.

          Martin Ochmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch dazu wird es nicht kommen. Denn diesen Mann gibt es nicht mehr. Der Mensch, der Regina Schneiders Ehemann war, lebt zwar noch, und er lebt mit ihr zusammen. Das Paar ist auch noch verheiratet. Doch der Mann, den sie geheiratet hat, ist jetzt eine Frau. Und mit einer Ehefrau nach Indien zu fahren, das traut Schneider sich nicht. Doch das ist noch eines der kleineren Probleme, mit denen sie sich auf einmal konfrontiert sah, nachdem ihr Mann ihr nach 33 Ehejahren gesagt hatte, dass er eine Frau sei.

          „Ich bin die ganzen Ehejahre hindurch belogen und betrogen worden“

          Das war am 6. Mai 2015. Die Neunundfünfzigjährige erinnert sich sehr genau an jedes Datum, an dem ein weiterer Teil ihrer bisherigen „heilen Welt“ zusammengebrochen ist. Sie hat handbeschriebene DIN-A4-Seiten vor sich liegen; anhand der Notizen versucht sie, ihre Gedanken zu ordnen. Das ist, auch zwei Jahre nachdem ihr Mann gesagt hat, dass er transident sei, immer noch schwer. An jenem 6. Mai kam er von einer Dienstreise zurück und wirkte übermüdet. Es lag unter anderem daran, dass er schlecht abgeschminkt war.

          Schneider hatte davon nichts geahnt. „Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Ich bin die ganzen Ehejahre hindurch belogen und betrogen worden.“ Das war ihre Reaktion nach dem Gespräch. Mittlerweile weiß sie, dass das nicht stimmt und wie schwer es für die Betroffenen ist, im falschen Körper geboren zu sein. Doch viele Fragen ergeben sich eben auch für diejenigen, die mit einem Transmenschen zusammen sind und das bisher nicht wussten. Diesen Menschen will Schneider helfen und eine Selbsthilfegruppe gründen. Dafür sucht sie Interessenten, Frauen, die ähnliches erleben oder erlebt haben.

          Nachdem das Geheimnis ausgesprochen war, änderte sich auch Schneiders Leben dramatisch. Ihr Mann, der sein Geheimnis eigentlich mit ins Grab nehmen wollte, dachte daran, sich umzubringen. Schneider, die zu dieser Zeit einige Tage verreisen musste, rang ihrem Mann das Versprechen ab, sich nicht das Leben zu nehmen. Danach begann das Paar, Schritt für Schritt in ein neues Leben zu gehen. Gemeinsam. „Ich stand ganz plötzlich und unerwartet vor dieser Tatsache, aber ich wusste in dem Augenblick, dass ich mit ihr zusammenbleiben will“, sagt Regina Schneider. Sie erzählte es ihrer Mutter, dann gemeinsam mit dem Ehepartner den Kindern, schließlich guten Freunden. Und irgendwann erzählten sie es auch beim Weihnachtsessen den gutbetuchten Bürgern aus den „besseren Kreisen“, wie Schneider sagt. In der Gesellschaft einer kleinen Stadt im Rhein-Main-Gebiet hatte sich das Paar jahrelang wohltätig engagiert, Schneiders Mann sollte irgendwann Präsident des Vereins werden. Nur vereinzelt seien die Reaktionen bei all diesen Gesprächen enttäuschend gewesen.

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