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Tonträger Ein Unterschied wie Heizung und Kaminfeuer

17.04.2007 ·  Trotz Compact Disc und iPod ist die traditionelle Schallplatte noch lange nicht zum unaufspürbaren Nischenprodukt geworden. Denn Diskjockeys und Liebhaber sorgen für eine stete Nachfrage nach Vinyl.

Von Thorsten Winter
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So mancher Jugendliche reagiert mit purer Hilflosigkeit, wenn er das erste Mal eine schwarze Vinylscheibe mit einem großen bunten Aufkleber und einem kleinen Loch in der Mitte in den Händen hält. Noch verwirrender ist für viele Vertreter der Generation iPod der schlichte Hinweis, dass das runde Ding auch noch eine B-Seite hat, auf der man weitere Musikstücke abspielen kann.

Doch noch ist für die gute alte Schallplatte nicht alles verloren: Denn erstens gibt es eine ganze Berufsgruppe, für die die Vinylscheibe ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit ist – Diskjockeys wie der Frankfurter Sven Väth mixen ihre elektronische Musik hauptsächlich mit Plattenspielern, auf denen sich zumeist Scheiben mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern drehen. Zweitens gibt es aber eine nicht zu unterschätzende Gruppe von Musikfreunden, die ihren alten Vinylplatten trotz des Siegeszugs der CD treu geblieben sind und zum Abspielen auf klassische Plattenspieler angewiesen sind – was wiederum zur Folge hat, dass die Händler seit der vielbeachteten Renaissance der Schallplatte vor etwa fünf Jahren eine recht stabile Nachfrage nach Abspielgeräten beobachten.

„Die Schallplatte war nie ausgestorben“

Thomas Blaufuss von den „Hifi-Profis“ in Frankfurt mag dabei nicht einmal von der Renaissance dieses Tonträgers sprechen. „Die Schallplatte war nie ausgestorben“, meint er. Die meisten Kunden, die bei ihm heutzutage einen Schallplattenspieler kauften, seien „die, die noch von früher Platten haben“ – und schlicht und einfach hin und wieder eine ihrer alten schwarzen Scheibe auflegen wollen. Solche Kunden greifen nach Angaben von Blaufuss in der Regel zu Geräten, die zwischen 300 und 500 Euro kosten. Echte Liebhaber lassen sich ihre Leidenschaft da schon wesentlich mehr kosten: 2000 Euro oder mehr für ein Abspielgerät auszugeben ist kein Problem.

Im Übrigen hat das Plattenhören aus Sicht des Händlers einiges für sich: „Eine Langspielplatte dürfte wohl der einzige Tonträger sein, auf dem sich nur Musik befindet.“ Eine CD habe dagegen auch viele andere Daten gespeichert, sagt Blaufuss. Etwa solche, die dem Gerät signalisierten, wie viele Lieder auf dem Tonträger vorhanden seien, wann ein Stück zu Ende sei und das nächste beginne und ähnliches. Einer seiner Kunden habe außerdem einmal folgenden Vergleich angestellt: Wenn er eine CD auflege, komme es ihm vor, als höre er der Heizung zu – eine Vinyl-Platte erinnere ihn dagegen an Kaminfeuer. Anders gesagt: Das sinnliche Erlebnis ist bei einer Schallplatte, die vorsichtig aus der Hülle geholt und mit Tuch oder Bürstchen vom Staub befreit wird, um ein Vielfaches intensiver als bei der Compact Disc.

Abgrenzung vom Massenmarkt

Auch Bernd Altmann zelebriert das Abspielen seiner Langspielplatten. Und wie Blaufuss beschreibt er mit Begeisterung, wie jedes Mal die Sekunden vergehen, wenn der Tonarm des Plattenspielers über die Scheibe schwenkt und sich langsam auf derselben niederlässt. „Ich habe mir gerade wieder einen Schallplattenspieler gekauft“, sagt Altmann, der nicht nur privat mit Tonträgern zu tun hat, sondern die Geschäfte der Optimal Media Production GmbH in Röbel in Mecklenburg-Vorpommern führt, des größten Schallplatten-Herstellers Deutschlands. Die Firma hat in den vergangenen Jahren jeweils etwa drei Millionen Langspielplatten gepresst und erwartet nach Altmanns Worten für das Jahr 2007 eine Steigerung auf mehr als 4,5 Millionen Stück.

Die höheren Produktionszahlen haben einerseits mit dem Erwerb eines englischen Presswerks und dem Bestreben zu tun, Plattenfirmen, die auf Vinyl pressen lassen wollen, vermehrt nach Nordostdeutschland zu locken. Andererseits fragen nicht mehr nur kleinere unabhängige Plattenfirmen, die viele Sammler zu ihren Kunden zählen oder aus Prinzip auch Vinyl wollen, um sich vom Massenmarkt abzugrenzen, die Dienste von Optimal Media Production nach. So sind beispielsweise die jüngsten Alben der Electrojazz-Künstlerin Amy Whinehouse, des Schmusesängers James Blunt und der „Red Hot Chili Peppers“, die jeweils bei großen Plattenfirmen unter Vertrag sind, auch als Schallplatte erschienen.

Begrenzte Aussichten

Die Stückzahlen sind allerdings niedrig: Wurden noch vor wenigen Jahren mitunter 50.000 Stück in Auftrag gegeben, so sind es nach den Worten von Altmann inzwischen weniger als 10.000 je Künstler. Dazu passt die Tatsache, dass der Absatz von traditionellen Schallplatten in Deutschland von 2005 auf 2006 von rund 1,2 Millionen auf eine Million Exemplare gesunken ist, wie aus der gerade veröffentlichten Statistik des Bundesverbands der Phonographischen Wirtschaft folgt. Zum Vergleich: 2001 waren es 2,3 Millionen gewesen nach 1,3 Millionen im Jahr 1997. Die Zahl der verkauften Compact Discs sank von 2001 auf 2006 von gut 222 Millionen auf 165 Millionen Stück.

So scheinen die Aussichten für die traditionelle LP abseits der DJ-Szene, die in Frankfurt übrigens vor allem vom Musikhaus Schmidt bedient wird, doch begrenzt zu sein. „Für analoge Musik sterben die Käufer weg“, gibt sich „Hifi-Profi“-Blaufuss pessimistisch. Zum unaufspürbaren Nischenprodukt, nach dem man in Spezialläden stöbern muss, ist die Schallplatte aber noch nicht geworden: So bietet beispielsweise Karstadt an der Frankfurter Zeil auf geschätzten 30 Metern alle Arten der schwarzen Vinylplatten an – von Klassik über Pop und Rock bis zu moderner Elektromusik.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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