01.11.2004 · Bilderbuch-Faulpelze. Sie liegen den ganzen Tag schläfrig herum, die elf Löwendamen vom "Circus Krone". Übertroffen werden sie lediglich von Kassanga. Der Haremsherrscher mit der stolzen Mähne bewegt sich überhaupt nicht - wie seine Brüder und Onkel in freier Wildbahn.
Bilderbuch-Faulpelze. Sie liegen den ganzen Tag schläfrig herum, die elf Löwendamen vom "Circus Krone". Übertroffen werden sie lediglich von Kassanga. Der Haremsherrscher mit der stolzen Mähne bewegt sich überhaupt nicht - wie seine Brüder und Onkel in freier Wildbahn. Die liegen auch den lieben langen Tag auf einem Baum und schauen den Weibchen zu, wie sie Beute herbeischaffen. Im Zirkus ist nicht einmal dies nötig: Das Fleisch fällt hier wie im Schlaraffenland vom Baum. Nur zweimal am Tag kommt Bewegung in das Raubtierrudel - während der Nachmittags- und der Abendvorstellung, wenn Dompteur Martin Lacey die Tiere in der Arena paradieren läßt.
Tierquälerei, empört sich so mancher. Wilde Tiere den ganzen Tag in einen Käfig einsperren, was für eine Barbarei! Richtig an diesem Aufschrei ist nur die Feststellung, daß es sich bei den Löwen um wilde Tiere handelt. Gefährliche Raubkatzen, wie Dompteur Lacey versichert - zwar dressiert, aber nicht gezähmt.
Auch wenn die Löwen eingesperrt sind, kann doch von Tierquälerei keine Rede sein. Bei Krone hat jedes Tier genügend Platz, um sich nach Lust und Laune auszutoben. Sogar abkühlen können sich die Raubkatzen im eigens für sie eingerichteten Löwenpool. Daß sie meistens faul herumliegen, liegt an ihrer Katzennatur. Tiere dieser Gattung schlafen, wenn sie nicht gerade Beute machen, bis zu 18 Stunden am Tag. In der Savanne genauso wie im Zirkuswagen.
Dennoch demonstrieren Tierschützer in regelmäßigen Abständen gegen die angeblich grausame Tierhaltung in Zirkussen und den Mißbrauch von Elefanten, Giraffen und anderem Getier in Dressurnummern. Selbst ein Unternehmen wie Krone, das seine Tiere in vorbildlicher Weise unterbringt, ernährt und pflegt, dessen Chefin Christel Sembach-Krone vor kurzem sogar vom Tierschutzverein München die goldene Ehrennadel für vorbildliche Tierhaltung verliehen bekam, sieht sich immer wieder Angriffen ausgesetzt: Zirkusplakate werden abgerissen oder mit Tierschutzparolen beklebt, Demonstranten tauchen vor dem großen Zelt auf, Pamphlete gegen Tierhaltung werden verteilt. Diese selbsternannten Tierschützer oder Tierrechtler, wie sie sich gerne nennen, haben sich vermutlich nie die Mühe gemacht, den Tierpark von Krone, der jedem Besucher zugänglich ist, in Augenschein zu nehmen, sonst würden sie zu einem anderen Urteil kommen.
Wie sehr sich die Krone-Leute um eine möglichst fürsorgliche und artgerechte Tierhaltung bemühen, zeigt das neu entwickelte Elefantenzelt. Schon lange war es fortschrittlichen Zirkusdirektoren bewußt, daß das Anketten von Elefanten nicht der Weisheit letzter Schluß sein konnte. Doch was sollten sie anderes machen? Sie konnten die grauen Riesen doch nicht ohne Gefahr für Zelt und Zirkuswagen einfach herumlaufen lassen. Die Lösung ist ein freitragendes Zelt mit Elektrozaun. Krone engagierte eigens einen Architekten, der ein 40 Meter langes und 16 Meter breites Zelt ohne Stangen im Innern konstruierte. Dort können sich die acht Elefanten frei bewegen, ein 12-Volt-Elektrozaun, wie er auf Kuhweiden benutzt wird, hindert sie an einem Ausbruch.
Auch die Pferde - Araber, Palominos, Lusitanos, Friesen und Lipizzaner, der Stolz des größten Zirkus in Europa - sind optimal untergebracht. Wie in modernen Reitställen verfügt jedes Tier über eine eigene Box im hundert Meter langen Zeltstall. Zehn Pfleger wachen über die 48 Gäule, auch nachts hat ein Stallbursche die ganze Zeit über ein Auge auf die Tiere. Auslaufen können sie morgens beim obligatorischen Training in der Arena oder einem Nebenzelt. Ist ein Krone-Pferd in die Jahre gekommen, landet es nicht etwa beim Metzger, sondern auf dem Gestüt Wessling bei München, dem Seniorenheim für Zirkuspferde, wo es einen behüteten Lebensabend verbringt gemäß der Philosophie von Christel Sembach-Krone, die sagt: "Die Tiere sind Teil meines Lebens, deshalb muß ich auch nach ihrer Zirkuszeit für sie sorgen." Woran es liegt, daß laut Statistik Zirkuspferde länger leben als andere Pferde, weiß bisher niemand so genau. Es dürfte gewiß auch an der Abwechslung liegen, die das Zirkusleben bietet.
Gemeinsam mit Tierärzten, Verhaltensforschern und Tierschutzverbänden bemüht sich das Management des "Circus Krone" kontinuierlich um Verbesserungen in der Tierhaltung. Das Elefantenzelt ist nur die neueste Frucht dieser Anstrengungen. Hat der Zirkus in einer Stadt sein Zelt neu aufgeschlagen, lädt er traditionell die ansässigen Amtsveterinäre zu einer Besichtigung seines Tierparks ein, denn, so Krone-Sprecher Frank Keller: "Wir haben absolut nichts zu verbergen." HANS RIEBSAMEN
"Circus Krone" gastiert bis Montag, 8. November, auf dem Festplatz am Frankfurter Ratsweg.