Home
http://www.faz.net/-gzh-omau
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Technikgeschichte Die alte Tante Ju fliegt und fliegt und fliegt

Tausende von Passagieren hat sie transportiert und Ziegenherden, einen Flug über die Eiswüsten Grönlands hat sie ebenso überstanden wie die rostfördernde Luft des südamerikanischen Urwalds. Zuletzt machte gar eine Ente Anstalten, sie vom Himmel zu holen.

Tausende von Passagieren hat sie transportiert und Ziegenherden, einen Flug über die Eiswüsten Grönlands hat sie ebenso überstanden wie die rostfördernde Luft des südamerikanischen Urwalds. Zuletzt machte gar eine Ente Anstalten, sie vom Himmel zu holen. Doch das Anfang Dezember laut gewordene Gerücht, Umweltdezernentin Jutta Ebeling habe erreicht, daß die Flüge der Ju 52 "Berlin-Tempelhof" über Frankfurt eingestellt würden, hat die "alte Tante" ebenso überstanden wie all die anderen Fährnisse ihrer nun fast 70 Jahre währenden Existenz. Diese Ju fliegt weiter, auch über dem Rhein-Main-Gebiet.

"Die Diskussion über Lärmbelästigung wird diesem Flugzeug mit seinen wenigen Flügen pro Jahr nicht immer gerecht", sagt Uwe-Karsten Badow, Flugbetriebsleiter der "Berlin-Tempelhof", die heute der Lufthansa Stiftung Berlin gehört. Seit zwei Jahren flöge das Flugzeug kaum noch über die Frankfurter Innenstadt, und darüber hinaus habe man die Drehzahl der drei Propeller gesenkt, um das Motorengeräusch zu dämpfen. "Die Ju ist ein fliegendes Industriedenkmal", sagt Badow. Sie markiere den Übergang vom abenteuerlichen Reisen mit kleinen Postflugzeugen zum geregelten Linienverkehr. Rund 5000 Flugzeuge des Typs wurden von 1931 an gebaut. Heute gibt es noch sechs Exemplare in Europa. Die "Berlin-Tempelhof" mit dem historischen Kennzeichen D-AQUI ist das einzige in Deutschland zugelassene Modell.

Ihr Konstrukteur, der Ingenieur Hugo Junkers, hatte ein Vermögen mit "Junkers Gasbadeöfen" gemacht, bevor er im Jahr 1913 in die Flugzeugentwicklung einstieg. "Junkers hat das moderne Verkehrsflugzeug erfunden", sagt Werner Heinzerling, Direktor für Luft- und Raumfahrt am Deutschen Museum München. Die durchgängige Außenhaut aus Metall gehört ebenso zu Junkers' Erfindungen wie die vom Cockpit getrennte Passagierkabine und die gepolsterten Sessel. Die Tragflächen aus Metall, wie sie 1919 erstmals an der Junkers F 13 zu sehen waren, lösten die seit den Gebrüdern Wright üblichen stoffbespannten Doppeldecker ab. Im Gegensatz zu der einmotorigen F 13 mit ihren vier Passagierplätzen muß die dreimotorige Ju 52, die am 7. März 1932 zum Jungfernflug über Dessau startete, den ersten Passagieren wie ein Großraumflugzeug vorgekommen sein. 17 Personen fanden in dem Flugzeug Platz, das wegen seines niedrigen Spritverbrauchs und seiner besonderen Leistungsfähigkeit bald zum wichtigsten Flugzeug in der Flotte der 1926 gegründeten Luft-Hansa wurde. Schon bald bekam sie von den Piloten den Spitznamen "Tante Ju", sie galt als äußerst zuverlässig und "gutmütig", weil sie sich vergleichsweise leicht bedienen ließ.

Den Jungfernflug der "Fritz Simon", der späteren "Berlin-Tempelhof", im April 1936 erlebte der Vater der Ju 52 nicht mehr. Junkers starb am 3.Februar 1935, seinem 76.Geburtstag, in Gauting bei München. Kurz zuvor waren die Junkers-Werke auf Befehl von Hermann Göring enteignet worden. Junkers, während des Ersten Weltkriegs wichtigster Hersteller von Jagdflugzeugen, hatte sich geweigert, seine Dessauer Werke ganz in den Dienst der nationalsozialistischen Rüstungspläne zu stellen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Hamburg Lufthansa baut Airbus zur Ebola-Station um

Die Deutsche Lufthansa wird im Auftrag der Bundesregierung infizierte Ebola-Helfer aus Westafrika zur Behandlung nach Europa ausfliegen. Dazu baut sie eines ihrer Langstreckenflugzeuge um. Mehr

17.11.2014, 13:52 Uhr | Gesellschaft
Terminal 3 Nicht allein eine Frage der Starts und Landungen

Frankfurt kann nur dann in der Topliga der Flughäfen mithalten, wenn Pünktlichkeit und Komfort stimmen. Ohne ein drittes Terminal ist das kaum zu schaffen. Mehr Von Jochen Remmert, Rhein-Main

15.11.2014, 14:40 Uhr | Rhein-Main
Republikflucht mit Flugzeug Über den Wolken

Mit einem selbstgebauten Flugzeug wollte Michael Schlosser 1983 aus der DDR in den Westen fliehen. Dann wurde er verraten, verhaftet und verkauft. Jetzt will er endlich beweisen, dass sein Flugzeug tatsächlich fliegen kann. Mehr Von Stefan Locke

09.11.2014, 15:16 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.01.2004, 17:39 Uhr

Jetzt ein Tag der offenen Tür

Von Rainer Schulze

Der Neubau der EZB ist deutlich teurer geworden als geplant, ein Luxusobjekt ist das Gebäude dennoch nicht. Das sollte die EZB zur Eröffnung allen Bürgern zeigen. Mehr 2 1