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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 01.01.2004, 17:39 Uhr

Technikgeschichte Die alte Tante Ju fliegt und fliegt und fliegt

Tausende von Passagieren hat sie transportiert und Ziegenherden, einen Flug über die Eiswüsten Grönlands hat sie ebenso überstanden wie die rostfördernde Luft des südamerikanischen Urwalds. Zuletzt machte gar eine Ente Anstalten, sie vom Himmel zu holen.

Tausende von Passagieren hat sie transportiert und Ziegenherden, einen Flug über die Eiswüsten Grönlands hat sie ebenso überstanden wie die rostfördernde Luft des südamerikanischen Urwalds. Zuletzt machte gar eine Ente Anstalten, sie vom Himmel zu holen. Doch das Anfang Dezember laut gewordene Gerücht, Umweltdezernentin Jutta Ebeling habe erreicht, daß die Flüge der Ju 52 "Berlin-Tempelhof" über Frankfurt eingestellt würden, hat die "alte Tante" ebenso überstanden wie all die anderen Fährnisse ihrer nun fast 70 Jahre währenden Existenz. Diese Ju fliegt weiter, auch über dem Rhein-Main-Gebiet.

"Die Diskussion über Lärmbelästigung wird diesem Flugzeug mit seinen wenigen Flügen pro Jahr nicht immer gerecht", sagt Uwe-Karsten Badow, Flugbetriebsleiter der "Berlin-Tempelhof", die heute der Lufthansa Stiftung Berlin gehört. Seit zwei Jahren flöge das Flugzeug kaum noch über die Frankfurter Innenstadt, und darüber hinaus habe man die Drehzahl der drei Propeller gesenkt, um das Motorengeräusch zu dämpfen. "Die Ju ist ein fliegendes Industriedenkmal", sagt Badow. Sie markiere den Übergang vom abenteuerlichen Reisen mit kleinen Postflugzeugen zum geregelten Linienverkehr. Rund 5000 Flugzeuge des Typs wurden von 1931 an gebaut. Heute gibt es noch sechs Exemplare in Europa. Die "Berlin-Tempelhof" mit dem historischen Kennzeichen D-AQUI ist das einzige in Deutschland zugelassene Modell.

Ihr Konstrukteur, der Ingenieur Hugo Junkers, hatte ein Vermögen mit "Junkers Gasbadeöfen" gemacht, bevor er im Jahr 1913 in die Flugzeugentwicklung einstieg. "Junkers hat das moderne Verkehrsflugzeug erfunden", sagt Werner Heinzerling, Direktor für Luft- und Raumfahrt am Deutschen Museum München. Die durchgängige Außenhaut aus Metall gehört ebenso zu Junkers' Erfindungen wie die vom Cockpit getrennte Passagierkabine und die gepolsterten Sessel. Die Tragflächen aus Metall, wie sie 1919 erstmals an der Junkers F 13 zu sehen waren, lösten die seit den Gebrüdern Wright üblichen stoffbespannten Doppeldecker ab. Im Gegensatz zu der einmotorigen F 13 mit ihren vier Passagierplätzen muß die dreimotorige Ju 52, die am 7. März 1932 zum Jungfernflug über Dessau startete, den ersten Passagieren wie ein Großraumflugzeug vorgekommen sein. 17 Personen fanden in dem Flugzeug Platz, das wegen seines niedrigen Spritverbrauchs und seiner besonderen Leistungsfähigkeit bald zum wichtigsten Flugzeug in der Flotte der 1926 gegründeten Luft-Hansa wurde. Schon bald bekam sie von den Piloten den Spitznamen "Tante Ju", sie galt als äußerst zuverlässig und "gutmütig", weil sie sich vergleichsweise leicht bedienen ließ.

Den Jungfernflug der "Fritz Simon", der späteren "Berlin-Tempelhof", im April 1936 erlebte der Vater der Ju 52 nicht mehr. Junkers starb am 3.Februar 1935, seinem 76.Geburtstag, in Gauting bei München. Kurz zuvor waren die Junkers-Werke auf Befehl von Hermann Göring enteignet worden. Junkers, während des Ersten Weltkriegs wichtigster Hersteller von Jagdflugzeugen, hatte sich geweigert, seine Dessauer Werke ganz in den Dienst der nationalsozialistischen Rüstungspläne zu stellen.

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