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Tag der Architektur Eine steife Brise, wie bestellt

 ·  Für den Tag der Architektur hatten am Wochenende 20 Bauten ihre Türen geöffnet. Etwa das Haus am Zentralen Platz am Westhafen.

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Das Wetter hilft bei der Inszenierung des Hauses am Zentralen Platz im Westhafen kräftig mit: Eine steife Brise weht über den Balkon im sechsten Stock, Wassertropfen sprenkeln die hohen Fenster. Über den Main schippern kleine Jollen, der Wind bläht ihre Segel auf.

Ein vom Wind gefülltes Segel sei auch das Motiv für die geschwungene Nordseite des Gebäudes in der Speicherstraße gewesen, erklärt Architekt Martin Schelleis vom Büro KSP Engel und Zimmermann. Überhaupt sei das insgesamt rund 5500 Quadratmeter große, sechsstöckige Haus sehr maritim inspiriert. Was dazu geführt habe, dass es spöttisch auch schon als „Strandkorb“ bezeichnet worden sei.

Architektur-Fans kommen auf ihre Kosten

Anlässlich des Tages der Architektur führt Schelleis Besuchergruppen durch den Bau. „So sieht man die Gebäude auch mal von innen“, sagt Elsabe Steinbach. Sie, die sich als Architektur-Fan bezeichntet, ist schon zum fünften Mal für den Tag, bei dem einmal im Jahr gehobene Alltagsarchitektur gezeigt wird, aus Wettenberg bei Gießen an den Main gekommen: „Leider schaffe ich nur drei Gebäude pro Tag, die Temine für die Führungen überschneiden sich manchmal.“ Sie kann am Wochenende aus insgesamt 20 Objekten wählen, die allein in Frankfurt ihre Türen geöffnet haben.

Keiner kennt das im Mai 2007 fertiggestellte „Segel“ im Westhafen so gut wie Schelleis. Als Projektleiter war er maßgeblich am Bau beteiligt. Stolz lenkt er die Aufmerksamkeit der Besucher auf Details: Sowohl die Betonplatten auf dem Zentralen Platz als auch die Aluminiumplatten an der rückwärtigen Fassade des Gebäudes seien aus ästhetischen Gründen gleich breit. Im Erdgeschoss wurden Fliesen aus Iura-Marmor verlegt: „Sehen Sie, dass die Fugen direkt in die Fugen im Aufzug übergehen?“, fragt er in die Runde.

„Es ist wirklich super, hier zu arbeiten“

Im obersten Geschoss haben sich die Mieter, die Vermögensverwalter von Lupus Alpha, einen großzügigen Pausenraum eingerichtet. Der Blick schweift weit nach Süden. Das Stockwerk sei mit sechs Metern höher als die übrigen, erklärt Schelleis: „Das Haus brauchte oben Höhe, sonst hätte es ein wenig schrumplig gewirkt.“

Willi Latz teilt diese Meinung nicht: „Für meinen Geschmack wirkt das oberste Geschoss ein wenig wuchtig.“ Der freie Architekt ist aus dem Saarland angereist, um sich Inspiration für seine Arbeit zu holen. Er knipst fleißig. Mit seiner Kamera macht er an einem Tag wie diesem fast 200 Bilder. „Hier gibt es dennoch ein paar sorgfältig gearbeitete Details“, relativiert er seine Kritik.

Auf ein wichtige Kleinigkeit weist Schelleis hin: Durch die auskragende Form lehne sich das Haus über die Speicherstraße. Und das eröffne ungeahnte Blickachsen: Entlang der Fassaden der Nachbarhuser vorbei könne man den Dom sehen. Einige seiner Zuhörer machen sich auf den Weg in das beschriebene Eckbüro. Und tatsächlich: der Dom. Täglich genießen kann diese Aussicht Bastian Heinrich, der auch am Samstag an seinem Schreibtisch sitzt: „Es ist wirklich super, hier zu arbeiten“, beschreibt der EDV-Spezialist von Lupus Alpha den Nutzwert des Gebäudes. „Ich schaue gerne aus dem Fenster.“

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