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Superrechner Loewe-CSC : Ökostrom für das Elektronengehirn

Schrankwand: In diese Racks werden die Computerbausteine wie Schubladen eingesetzt. Bild: Nora Klein

Im Industriepark Frankfurt-Höchst wird derzeit der Superrechner Loewe-CSC aufgebaut. Er soll nicht nur einer der schnellsten Großcomputer Europas werden, sondern auch einer der umweltfreundlichsten.

          Wenn der neue Supercomputer der Frankfurter Universität am 22. November in Betrieb geht, werden die Gäste der Feierstunde ihre Sektgläser in einem Technikmuseum erheben. Keine Flachbildschirme und sanft rauschenden Desktops werden sie sehen, wenn sie sich umschauen, sondern grüne Schränke mit altertümlichen Schaltern und analogen Anzeigern, und in der Mitte des Raums eine Kontrollwarte, die im Sechziger-Jahre-Fernsehraumschiff „Orion“ als Kommandostand gedient haben könnte.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sollten einige der Anwesenden dann fürchten, hier seien fünf Millionen Euro in veraltete Ausstattung investiert worden, wird Volker Lindenstruth sie rasch aufklären. Das Obergeschoss von Bau D 250 auf dem Gelände des Industrieparks Höchst hat mit dem Spitzenrechner Loewe-CSC überhaupt nichts zu tun. Die nostalgisch anmutende Messwarte im ersten Stock diente früher zur Überwachung einer Chemieanlage, wie der Professor erklärt. Derzeit ist der Kontrollsaal funktionslos, aber er wird ein wesentlich besserer Ort für einen Festakt sein als der Raum im Erdgeschoss, in dem das dann stärkste hessische Elektronengehirn seine Kalkulationskünste entfaltet.

          21.000 Prozessorkerne

          Die Vorstellung, dass solche digitalen Großtaten geräuschlos und in angenehm temperierter Umgebung vollbracht werden, macht Lindenstruth schnell zunichte. Sobald die fast 21.000 Prozessorkerne von Loewe-CSC loslegen, wird es heiß in dem fensterlosen ehemaligen Lagerraum. Auf 30 Grad wird die Temperatur steigen, trotz des aufwendigen Lüftungs- und Kühlsystems, das obendrein beträchtlichen Lärm produziert. „Ein Pfeifen und Rauschen, 85 Dezibel laut“ erwartet Lindenstruth. Niemand wird dann mehr das Loewe-Herz betreten, es sei denn, ein physischer Schaden muss repariert werden. Gesteuert wird der Betrieb von außen, und die Wissenschaftler, die mit dem Computer arbeiten, können in der Goethe-Uni sitzen, bei der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt oder sogar am Schreibtisch in der eigenen Wohnung: Über das Internet wird jeder Berechtigte von überall her Zugriff haben.

          Aber noch ist es nicht so weit. Noch sind die 34 schwarzen Schränke leer, in welche die einzelnen Serverboxen wie Schubladen hineingeschoben werden – etwa zwölf Stück kommen in jedes Rack. In den nächsten Wochen wird das niederländische Unternehmen Clustervision die Rechnerbausteine liefern, mehr als 400 insgesamt. Jeder von ihnen wiegt 40 Kilogramm und kostet rund 10.000 Euro.

          Schon etliche Großcomputer konstruiert

          Bis die Hardware eintrifft, beaufsichtigt Lindenstruth die Vorarbeiten. Gerne hätte er die Anlage zusammen mit seinen Studenten aufgebaut, aber das haben die Geldgeber nicht erlaubt. Also hat er ein Auge auf die niederländischen Techniker und die eigenen Mitarbeiter und erklärt Besuchern voller Begeisterung, was diesen Rechner so besonders macht. Mit seinem weißen, kurzärmeligen Hemd und der hellen Hose sieht er eher aus wie ein Zahnarzt als wie ein IT-Spezialist. Aber der 47 Jahre alte Physiker hat schon etliche Großcomputer konstruiert und auch selbst installiert, wie er stolz hervorhebt. Das hier ist eines seiner wichtigsten Projekte: Lindenstruth, Inhaber des neuen Lehrstuhls für Hochleistungsrechner-Architektur an der Goethe-Universität, hat sich das Konzept für Loewe-CSC ausgedacht.

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