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Suchthilfe Lieber lernen als kiffen

05.01.2008 ·  Die Suchthilfe am Merianplatz in Frankfurt kümmert sich um Schüler, die exzessiv Haschisch rauchen. Manchen haben die Pädagogen schon vor dem Abbruch der Ausbildung bewahren können.

Von Brigitte Roth
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Sie stören im Unterricht, wenn sie überhaupt erscheinen, denn oft schwänzen sie die Schule. Schlechte Zensuren sind die Folge. Aggressivität und miserable Leistungen gefährden früher oder später die Versetzung von Jugendlichen, die exzessiv Haschisch konsumieren – oft droht sogar der Schulverweis. Das zu verhindern ist Ziel eines vom Drogenreferat finanzierten Projekts für cannabissüchtige Schüler, das in der Jugendberatung und Suchthilfe am Merianplatz angesiedelt ist. Deren Leiter Joachim Messer berichtet, die Nachfrage sei sehr groß und die Bemühungen zeigten Wirkung: Ein unmittelbar bevorstehender Abbruch der Ausbildung habe in vielen Fällen abgewendet werden können.

Das Projekt „Case-Management-Beratung für kiffende Schüler“, das seit 2006 läuft, war zunächst nur für Berufsschulen gedacht. Schon ein Jahr später wurde es auf andere Schulformen ausgeweitet, weil auch dort der Cannabiskonsum von einigen jungen Menschen so ausufert, dass sie sich nicht mehr konzentrieren können, unter Gedächtnisstörungen leiden und am Unterricht kein Interesse mehr haben. 80 Prozent der Schüler, die übermäßig viel kifften, seien Jungen, sagt Messer. Insgesamt gut 100 Schüler zwischen 16 und 25 Jahren seien inzwischen am Merianplatz beraten worden, darunter auch viele Mädchen.

Drogenberater gehen in die Schulen

Mit einem einzigen Gespräch sei es dabei nicht getan. Angeboten werde vielmehr eine intensive Einzelfallbetreuung über einen längeren Zeitraum. Viele kommen nach Auskunft des Psychologen über mehrere Monate mindestens einmal wöchentlich. Die Mehrzahl habe die Schulausbildung fortgesetzt und das Haschischrauchen eingestellt. Einige seien nicht mehr zur Beratung erschienen, bei anderen sei ein stationärer Aufenthalt sinnvoll gewesen. Eng zusammengearbeitet werde vor allem mit der auf die Behandlung von Cannabissüchtigen spezialisierten Einrichtung „Auf der Lenzwiese“ in Höchst-Hassenroth im Odenwald – wie das Angebot am Merianplatz wird sie vom Suchthilfeverbund Jugendberatung und Jugendhilfe getragen. Nach der stationären Therapie würden die jungen Menschen ambulant weiter betreut, so Messer.

Dass exzessive Haschischraucher überhaupt den Weg in die Beratungsstelle finden, ist den Lehrern zu verdanken, die den Kontakt vermitteln. Daraufhin fahren Mitarbeiter von Jugendberatung und Jugendhilfe an die jeweilige Schule. Messer sagt, man dürfe nicht gleich zu viele Forderungen an die Schüler stellen, sondern müsse zunächst Partei für sie ergreifen, über ihre Schwierigkeiten sprechen und ihr Vertrauen gewinnen. Meist hätten sie erhebliche Konflikte in der Familie. Die Fronten zwischen Eltern und Kindern seien verhärtet, oft, weil die Jugendlichen ihre Eltern bestohlen hätten, um die Drogen zu finanzieren. Wer für 30 Euro täglich mehrere Joints rauche, komme mit dem Taschengeld nicht mehr aus. Etliche Jugendliche handelten auch selbst mit Rauschgift, würden erwischt und erhielten Gerichtsauflagen.

Haschisch keine harmlose Droge

Die Zahl junger Menschen, die Cannabis gelegentlich oder probeweise konsumieren, hat nach Messers Worten in den vergangenen Jahren abgenommen. Vielen Jugendlichen sei inzwischen bewusst, dass es sich bei Haschisch nicht um eine harmlose Droge handele, sondern dass das Cannabisrauchen durchaus Risiken berge. Darauf wollten sie sich gar nicht erst einlassen. Dafür rauche eine relativ konstant große Anzahl von Schülern umso mehr Haschisch. Und der Ausstieg aus der Sucht sei bekanntlich immer schwieriger, als gar nicht erst mit einer Droge zu beginnen.

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