10.07.2008 · Ausländische Schüler haben mehr Schwierigkeiten als andere. Aber in Frankfurt verlassen mehr Ausländer die Realschule und das Gymnasium mit einem Abschluss als noch vor einigen Jahren. Doch steigt auch die Zahl jener ohne Abschluss.
Von Stefan ToepferIn Frankfurt verlassen mehr Ausländer die Realschule und das Gymnasium mit einem Abschluss als noch vor einigen Jahren. Das ist ein Ergebnis einer Studie des Schuldezernats, die seit kurzem vorliegt. In ihr werden die Zahlen des Schuljahrs 2005/2006 mit denen von 2000/2001 beziehungsweise 1999/2000 verglichen. Danach haben 2005/2006 mehr als 90 Prozent der ausländischen Realschüler (gegenüber knapp 85 Prozent) und 80 Prozent der Gymnasiasten (gegenüber knapp 63 Prozent) einen Abschluss gemacht. Die Hauptschulen haben knapp ein Fünftel der Schüler (gegenüber 29,6 Prozent) ohne Abschluss verlassen.
Zu den „positiven Entwicklungen“ zählt die Studie außerdem, dass die Quote der ausländischen Schüler, die ein Schuljahr wiederholen müssen, teilweise rückläufig ist: Waren es an Gymnasien vor fünf Jahren noch 8,6 Prozent, sind es nun 5,2 Prozent. Nach wie vor gelte aber, dass mehr Schüler als Schülerinnen eine Stufe wiederholen müssten und mehr ausländische als deutsche Schüler.
Zahl ausländischer Schüler rückläufig
Erfasst sind in der Schülerstatistik des Statistischen Landesamts, der Grundlage der Studie, lediglich zwei Gruppen von Schülern: jene mit einem ausländischen und jene mit einem deutschen Pass (siehe Graphik). Zu letzterer gehören allerdings auch jene Kinder, die zwar Deutsche sind, aber aus Zuwandererfamilien stammen. Insgesamt ging die Zahl der ausländischen Schüler im untersuchten Zeitraum zurück, von 19.967 auf 17.748. Dafür stieg der Anteil der deutschen Schüler aus Zuwandererfamilien. Das weiß das Schuldezernat aus der Meldestatistik der Stadt. In ihr gibt es seit einiger Zeit Merkmale wie „Optionsdeutsch“, Einbürgerung“ oder „Geburtsort im Ausland“, die zeigen können, ob ein Kind eine Zuwanderungsgeschichte hat.
„Optionsdeutsch“ heißt, dass Kinder ausländischer Eltern seit 2000 unter bestimmten Bedingungen als Deutsche geboren werden und sich bis zum 18. Lebensjahr entscheiden müssen, ob sie die deutsche Staatsangehörigkeit oder die ihrer Eltern haben wollen. Laut Michael Damian, Büroleiter von Schuldezernentin Jutta Ebeling (Die Grünen), liegt der Anteil von Kindern mit Zuwanderungshintergrund an den Schulen bei rund 50 Prozent.
Zahl der Schüler ohne Abschluss steigt
Als positiv stellt der Bericht auch heraus, dass die ausländischen Schüler in Frankfurt im Vergleich mit Hessen und ganz Deutschland meist bessere Abschlüsse erzielen. So machen zum Beispiel 12,8 Prozent der ausländischen Schüler in Frankfurt Abitur, in Hessen sind es neun, deutschlandweit acht Prozent. 11,5 Prozent haben keinen Hauptschulabschluss, hessenweit liegt diese Zahl bei 13,3 Prozent, deutschland weit bei 14,2 Prozent.
Der Zahl der Schüler ohne Hauptschulabschluss an Allgemeinen und Beruflichen Schulen ist gestiegen – das ist eines der negativen Ergebnisse der Studie: Sind es nun 11,5 Prozent, waren es Jahre zuvor noch 10,3 Prozent. Außerdem gibt es immer mehr Ausländer in der Jahrgangsstufe 5 auf Förderschulen: Besuchten 2000/2001 noch 5,6 Prozent der Schüler jene Stufe, sind es nach der neuen Erhebung 7,5 Prozent. „Auch die Lernhilfeschulen werden nach wie vor überwiegend von ausländischen Schülern besucht“, heißt es in der Untersuchung. Wechseln ausländischer Kinder und Jugendliche die Schule, dann „eher zu einem niedrigeren Schulniveau“.
„Viele Probleme durch schlechte Sprachkenntnisse“
Schuldezernentin Ebeling ist dennoch überzeugt davon, dass sich die „erheblichen Investitionen der Stadt“ in den Bildungssektor auf Dauer lohnten. Das Land solle mehr in die Schulen investieren, fordert sie. Etwa, um eine ausreichende Zahl an Lehrern zu bekommen, die „sich schon bei den ersten Problemen um individuelle und ganztägige Förderung“ bemühten. Zudem müsse in einer Stadt wie Frankfurt bilinguales Lernen zur Normalität werden. Außerdem soll es künftig mehr Möglichkeit für Kinder geben, in Kindertagesstätten Deutsch zu lernen, wie Damian sagt. „Viele Probleme hängen mit mangelnden Sprachkenntnissen zusammen.“ 90 Prozent aller Kinder in Frankfurt besuchten eine Einrichtung. „Kitas sind die Sprachlerninstanz.“
Mit der Studie wird eine Dokumentation fortgeschrieben, die 2002 erschienen und vom in Frankfurt ansässigen Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung herausgegeben worden war. Die neue Untersuchung ist demnächst im Internetunter www.frankfurt.de/Schulen zu finden.