03.12.2009 · Die Polizei hat das von Studenten besetzte Casino der Frankfurter Universität geräumt. Knapp 200 Studenten seien aus dem Casino gebracht worden, teilte ein Polizeisprecher mit. Zuvor habe die Hochschulleitung Strafanzeige erstattet.
Zwei Tage nachdem Studenten das Casino auf dem Frankfurter Campus Westend besetzt haben, hat die Polizei am Mittwochabend das Gebäude geräumt. Der Präsident der Universität, Werner Müller-Esterl, hatte sich gegen 18.30 Uhr an die rund 300 Studenten gewandt und sie gebeten, das Haus zu verlassen. Anderenfalls drohten ihnen Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs und ein Hausverbot.
Müller-Esterl sagte, die Universitätsleitung habe in den vergangenen Tagen wiederholt versucht, mit den Besetzern ins Gespräch zu kommen. Stattdessen aber sei das Casino „in erheblichem Maße“ beschädigt worden. Nachdem es Dienstagnacht „eine zweite Runde der Verwüstung“ gegeben habe und darüber hinaus zu befürchten gewesen sei, dass auch andere Gebäude auf dem Campus beschädigt werden sollten, habe er sich veranlasst gesehen, das Gebäude räumen zu lassen.
Die Polizei umstellte mit einer Hundertschaft das Gebäude und forderte die Studenten auf, das Casino zu verlassen, was einige daraufhin auch taten. Etwa 120 verbarrikadierten sich jedoch im Festsaal und folgten damit dem Aufruf eines Besetzers, der per Lautsprecher dazu aufgerufen hatte, den Protest aufrechtzuerhalten. Die Demonstranten stellten Tische und Stühle vor die Türen und sammelten sich in einer Art Stuhlkreis. Die Polizei räumte die Barrikaden daraufhin beiseite und brachte die Demonstranten einzeln aus dem Raum. Widerstand leistete niemand.
Im Foyer wurden die Personalien der Demonstranten aufgenommen und Platzverweise ausgesprochen. Zu weiteren Aktionen der Demonstranten kam es allerdings nach der Räumung. Zunächst weigerten sich die Studenten, den Campus trotz des ausgesprochenen Platzverweises zu verlassen. Schließlich zogen sie in Richtung Innenstadt, um sich später auf dem Bockenheimer Campus zu versammeln. Dabei kam es auch zu Straßenblockaden. Die Polizei nahm einige Demonstranten fest.
Die Universitätsleitung geht unterdessen von einem Schaden von 200.000 bis 400.000 Euro aus, der während der Besetzung im Casino verursacht worden sei. Möglicherweise lägen die Folgekosten sogar höher, sagte ein Sprecher. Denn es seien unter anderem auch Kunstwerke beschädigt worden. Am Freitag will sich das Präsidium der Universität zu einem Krisengespräch treffen.