19.08.2009 · Andreas Kempf nutzt den „Stromspar-Check“ der Frankfurter Caritas. Dank dieses Beratungsangebots spart der Hartz-IV-Empfänger nun 59 Euro im Jahr. „Und Sie schonen nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt“, sagt ein Berater von der Caritas.
Von Peter MaxwillDie Glühbirne, die einsam von der Zimmerdecke herabbaumelt, hat ihren verschwenderischen Dienst getan. Langsam schraubt Antonio Lopez das 40-Watt-Modell aus der Fassung und ersetzt es durch eine Energiesparlampe, die sieben Watt Leistung aufnimmt. 82,5 Prozent weniger. „Hier sparen Sie jetzt zirka sieben Euro im Jahr“, sagt Lopez auf einem Stuhl balancierend zu Andreas Kempf, der einen halben Meter unter ihm steht und lächelt. Kempf lebt von Hartz IV und muss auf jeden Cent achten. Lopez und seine Kollegin Claudia Klenner helfen ihm dabei. Auch sie erhalten Arbeitslosengeld II. Für 1,50 Euro pro Stunde zeigen sie Hilfsbedürftigen wie Kempf, wie sie Energie und somit Geld sparen können.
Das Projekt „Stromspar-Check“ der Energie- und Klimaschutzagenturen, des Bundesumweltministeriums und der Caritas wird in Frankfurt von 24 „Stromsparhelfern“ verwirklicht. 400 Haushalte hat das Team im Laufe eines Jahres besucht, drei bis vier solcher Termine haben die Stromsparhelfer je Woche. Viele von ihnen wollen sich zum Energieberater ausbilden lassen, um eine zweite Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bekommen – so auch der 38 Jahre alte Lopez.
Zufällig von Aktion erfahren
Andreas Kempf hofft ebenfalls auf bessere Zeiten. Bis vor zwei Jahren sei er noch selbstständig gewesen, erläutert er. Segelschiffe habe er vermietet und Tauchurlaube organisiert. Seit dem Tod seiner Lebensgefährtin sei es bergab gegangen: Lange Zeit habe er gar nicht gearbeitet, dann eine Weile stundenweise beim Sicherheitsdienst des Frankfurter Flughafens. Seit sechs Wochen sei er nun wegen eines Wirbelsäulenschadens krank geschrieben. Die August-Miete sei auch noch nicht gezahlt. Im Job-Center habe er dann zufällig ein Plakat der Aktion „Stromspar-Check“ gesehen“, berichtet der Fünfzigjährige.
Das Engiespar-Duo geht nun alle Räume der Wohnung ab. Beim Fernsehapparat ist Teamarbeit gefragt: Während Lopez das Messgerät aus seiner roten Umhängetasche fischt und zwischen Stecker und Dose anbringt, protokolliert Klenner alles sorgfältig. Der große Plasma-Bildschirm, den etliche DVDs und einige Bücher flankieren, ist ein richtiger Stromfresser. Bis zu 270 Watt schluckt das Gerät. Wenn Kempf zwei Stunden am Tag fernsehe, zahle er allein für den Strom 37 Euro im Jahr, weiß Lopez. „Da kann man nichts machen – außer den Fernseher auszuschalten.“. Die abschaltbare Steckerleiste findet der Stromsparhelfer aber richtig gut, so könne man mit einem Knopfdruck die Stand-by-Falle ausschalten. „Das mach’ ich auch immer“, sagt Kempf stolz.
Immense Energieverbraucher
In der Küche wird es teuer. Der Kühlschrank und die Tiefkühltruhe sind immense Energieverbraucher, aber daran können Klenner und Lopez nichts ändern. Daneben stehen eine Kaffeemaschine, ein Elektroherd, eine Mikrowelle und ein Wasserkocher. Gegenüber der klapprigen Küchenzeile schwimmen Kempfs einzige Haustiere in einem kleinen Aquarium.
Deutlich mehr ausrichten können die Stromspar-Profis im Badezimmer. Lopez hält einen Messbecher unter den Wasserkran, aus dem in einer Minute zwölf Liter Wasser schießen, aus dem Schlauch in der Badewanne sogar 14. Lopez kramt einen neuen Duschkopf und zwei runde Metalleinsätze, sogenannte Wasserstrahlregler, aus seiner Tasche. Zwei Griffe mit der Rohrzange später ist der Verbrauch des kostbaren Flüssig-Rohstoffs fast halbiert: Der Duschkopf lässt jetzt höchstens acht, der Kran am Waschbecken maximal sieben Liter durch. Das Wasser zahle zwar das Job-Center in Höchst, aber sparen wolle er trotzdem, sagt Kempf. „Ansonsten muss das ja der Steuerzahler bezahlen.“
„Und Sie schonen nicht nur den Geldbeutel“
Die Umrüstungen in Kempfs Wohnung kosten das Umweltministerium gut 72 Euro, sparen soll er von nun an etwa 59 Euro jährlich. „Und Sie schonen nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt“, sagt Lopez. Er und seine 28 Jahre alte Kollegin helfen Kempf nach eigenem Bekunden gerne: „Wir sind ja auch Hartz-IV-Empfänger“, hebt Lopez hervor.
Bevor die beiden nach einer guten Sunde die Zwei-Zimmer-Wohnung in dem Höchster Hinterhaus verlassen, fällt Kempf dann doch noch eine Frage ein: „Wie koche ich eigentlich am besten meine Nudeln?“ Auch hierfür weiß Lopez Rat: Am besten erhitze er das Wasser im Wasserkocher, bevor er es im Topf zum Kochen bringe – „natürlich mit geschlossenem Deckel“.
Tiefkühltruhe
Thomas Frieling (TFrieling)
- 19.08.2009, 10:55 Uhr
"Wir sind ja auch Hartz-IV-Empfänger"
Werner Grunewald (perplexo)
- 19.08.2009, 12:06 Uhr