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Stiftung Lesen in Mainz Ein Bilderbuch vom Kinderarzt

14.12.2010 ·  Nun soll es die Stiftung Lesen richten. Nachdem die neue Pisa-Studie den deutschen Schülern wieder nur mittelmäßige Leistungen beim Lesen bescheinigt hatte, hat die Bundesregierung die Mainzer Stiftung mit einem Förderprogramm beauftragt.

Von Hans Riebsamen, Frankfurt
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Nun soll es die Stiftung Lesen richten. Nachdem die neue Pisa-Studie den deutschen Schülern wieder nur mittelmäßige Leistungen beim Lesen bescheinigt hatte, hat die Bundesregierung die Mainzer Stiftung mit einem bundesweiten Förderprogramm beauftragt. „Lesestart – drei Meilensteine für das Leben“ heißt das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gemeinsam mit der Stiftung Lesen konzipierte Projekt. Für den „Lesestart“, der Ende nächsten Jahres beginnen soll, wird Berlin 26 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Die Grundüberlegung lautet, dass das Fundament für das Lesen schon in der frühen Kindheit gelegt wird. Ob ein Mensch ein guter oder schlechter Leser wird, hängt nach den Erfahrungen von Pädagogen häufig davon ab, ob ihm als Kind vorgelesen wurde, ob er schon früh Bilderbücher kennengelernt hat und ob die Eltern Leser waren. Das Programm „Lesestart“ setzt denn auch in den entscheidenden frühen Jahren an: Drei Mal bekommen Kinder ein Buch geschenkt, und gleichzeitig erhalten die Eltern drei Mal Hinweise dazu, wie wichtig das Vorlesen und das frühe Lesen sind und wie sie bei ihren Kindern die Kulturtechnik des Lesens fördern können.

Schwellenangst vor Bibliothek verlieren

Der „Lesestart 1“ richtet sich an einjährige Kinder. Bei der sechsten Pflicht-Vorsorgeuntersuchung (U6) übergibt der behandelnde Arzt den Eltern ein Paket, das ein Bilderbuch sowie Tipps für die Eltern in mehreren Sprachen sowie Hinweise auf Hilfsangebote und Lese-Initiativen am jeweiligen Wohnort enthält. Ziel ist es, die Eltern für das Thema Lesen zu sensibilisieren und die Kindern ein erstes Mal mit dem Medium Buch vertraut zu machen. Der Kinderarzt, so die Überlegung, ist eine Autorität, ihm glauben die Eltern.

An Kinder im Alter von drei Jahren richtet sich der „Lesestart 2“. Wiederum erhalten Eltern und Kinder unentgeltlich ein „Lesestart“-Set mit besagtem Inhalt. Dieses Mal müssen Vater oder Mutter es aber in der örtlichen Bibliothek abholen. Informationen über dieses Angebot erhalten die Eltern unter anderem von den Kindergärten. Die Stiftung Lesen will in diesem zweiten Schritt auch erreichen, dass Eltern und Kinder die nächste Bibliothek kennenlernen und die Schwellenangst verlieren.

Buchgeschenk regt zum Lesen an

Der „Lesestart 3“ fällt mit dem Schuleintritt zusammen. In diesem dritten Schritt Mal bekommen Eltern und Kinder bei der Einschulung ein Lese-Set. Väter und Mütter werden aufgefordert, in dieser Schlüsselphase des Lernens ihre Kinder zu unterstützen. Das Buch, das die Schulanfänger geschenkt bekommen, soll sie zum Selber-Lesen anregen.

Schon seit zwei Jahren erprobt ist der erste Schritt des „Lesestarts“. Die Stiftung Lesen hat in dieser Zeit etwa 800 000 Starter-Pakete über Kinderärzte verteilen lassen und dabei gute Erfahrungen gemacht. Das Geld für die Aktion hat die Stiftung bei Wirtschaftsunternehmen eingeworben, besonders stark hat sich dabei der in Frankfurt ansässige Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau finanziell engagiert. Seit geraumer Zeit bemüht sich die Stiftung Lesung auch um staatliche Unterstützung für den „Lesestart“. In einigen Bundesländern wie beispielsweise Sachen war ihr Erfolg beschieden, nicht jedoch in Hessen. Mit dem Einstieg des Bundesbildungsministeriums und der Erweiterung des Projekts um zwei Stufen auf die Kindergartenzeit und den Schuleintritt ist in den Augen von Heinrich Kreibich, dem Hauptgeschäftsführer der Stiftung, der Durchbruch gelungen. Es werde nicht bei einer Verschickungsaktion von Büchern bleiben, kündigte er an. Die Stiftung werde ihre 9000 Vorlesepaten und ihre knapp 400 Beratungsmitarbeiter im Land einsetzen, um im Verbund mit den Kinderärzten und anderen Institutionen eine nachhaltige Leseförderung auf die Beine zu stellen.

Vorbild ist England, wo im Projekt „Bookstart“ schon seit 1992 Bücher an Kinder und Empfehlungen an Eltern verteilt werden. In einer Befragung haben 57 Prozent der englischen Eltern angegeben, das Buchgeschenk habe sie angeregt, ihrem Kind vorzulesen. Auch die Nutzung der Bibliotheken hat auf der Insel dank des „Bookstart“-Programms zugenommen: Vor dem Beginn des Projekts besaßen dort 59 Prozent der Kinder und Jugendlichen beziehungsweise der Eltern einen Leseausweis für eine öffentliche Bibliothek. Mit „Bookstart“ erhöhte sich der Anteil auf 68 Prozent. Auch in Japan und Korea haben ähnliche Programme gute Erfolge gezeigt.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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