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Stadtwald Gesundes Grün in Park und Forst

07.06.2006 ·  Nach dem frostigen Winter hat der feuchte Frühling den Bäumen im Frankfurter Stadtwald gutgetan - doch noch droht Gefahr durch Schädlinge.

Von Mechthild Harting
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Man mag es eigentlich nicht hören. Doch der Regen der vergangenen Wochen hatte sein Gutes: für die knapp 37.000 Bäume entlang der Frankfurter Straßen beispielsweise, für die Bäume in den Parks und im Stadtwald. Sie hatten unter dem für Frankfurter Verhältnisse lang andauernden Frost zu Beginn des Jahres besonders stark gelitten. Äste und Zweige, die noch nicht abgestorben sind, erholen sich allmählich dank der Feuchtigkeit. „Der Regen hilft“, diagnostiziert Gartenmeister Johannes Melchers vom Frankfurter Grünflächenamt.

Dennoch macht Melchers unter den Straßenbäumen drei Arten als „Sorgenkinder“ aus: die Robinien oder Scheinakazien, die Eichen und die Eschen. Sie haben durch den Frost schwere Schäden erlitten - Trockenheitsschäden. Das klingt paradox, doch Melchers erläutert, daß strenger Frost von minus fünf bis minus zehn Grad, wie er in Frankfurt und Umgebung im Januar und Februar über einige Wochen geherrscht habe, den Boden so gefrieren lasse, daß sich die Wurzeln nicht mehr mit Wasser versorgen könnten.

Robinien besonders stark betroffen

Selbst wenn es dann taue, dauere es Tage bis Wochen, ehe genug Feuchtigkeit das Wurzelwerk erreiche. Baumarten, die empfindlich auf Wassermangel reagierten, hätten dann bereits bleibende Schäden. So die sensiblen Robinien: Von den rund 3600 Bäumen in Frankfurt hat rund die Hälfte nach Einschätzung Melchers „Ausfälle“ erlitten. Mancherorts müssen sogar Bäume gefällt werden, wie zum Beispiel an der Sophienstraße in Bockenheim.

Auch Eichen und Eschen hätten auf den „Streß“ dieses Winters reagiert, genauso wie alle Jungbäume und natürlich all jene, die bereits erkrankt seien, durch die zusätzliche Schwächung nun aber kaum überleben könnten. Nach Angaben Melchers ist jedoch keine Baumart so stark betroffen wie die Robinien. Sie seien häufig an den Straßen gepflanzt worden, da sie wenig kosteten und schnell wüchsen. Doch in der Pflege „ist die Robinie unser teuerster Baum“. Anders als in Parks oder im Wald können die Mitarbeiter des Grünflächenamtes nämlich nicht darauf warten, daß die Bäume sich über Jahre allmählich regenerieren. Ein abgestorbener Ast kann herabstürzen und den Verkehr gefährden; er muß abgesägt werden. So lassen sich denn an den Straßenbäumen, anders als im Stadtwald oder in den Parks, auch keine Schäden des Jahrhundertsommers 2003 finden: Sie wurden alle längst beseitigt.

Ob die Bäume dank des Frühjahrsregens so gestärkt sind, daß sie Schädlingen trotzen können, ist hingegen nicht sicher. Die Miniermotte, die seit einigen Jahren die Kastanien heimsucht, zeigt sich bei kaltem, nassem Wetter noch nicht, wie Melchers erläutert. Doch bräche der so lange erwartete Frühsommer durch, seien sie vermutlich sofort da und sorgten innerhalb von zwei bis drei Wochen dafür, daß die Kastanien aussähen wie im Herbst - die Blätter würden braun und fielen ab. „Das geht dann ganz schnell“, wie man in der Vergangenheit an den Kastanien der Bockenheimer Landstraße habe sehen können oder an denen Am Erlenbruch in Riederwald.

Luftverschmutzung und Trockenheit

Im Frankfurter Stadtwald haben sich schon große Larven-Populationen von Frostspannern und Eichentriebwicklern an den Blättern von Eichen und Hainbuchen gütlich getan: 150 Hektar haben sie ganz kahl gefressen, weitere 300 Hektar Wald sind stark gelichtet. Der für den Stadtforst zuständige Reinhard Divisch ist dennoch verhalten optimistisch: „Jetzt hoffen wir auf den Johannistrieb.“ Das ist der zweite Blattaustrieb der Bäume, meist rund um den Johannistag am 24. Juni. Kommt kein Schädling mehr dazwischen, könnten sich Eichen und Buchen, die als typische Arten des Frankfurter Stadtwalds gelten und dort zusammen zwei Drittel aller Laubbäume ausmachen, gut regenerieren.

Das feuchte Frühjahr hat ein übriges getan, daß es den Bäumen im Stadtwald im Augenblick gutgeht: „Ich bin froh über die Regenperiode“, sagt Divisch. Der Stadtwald leidet unter der Luftverschmutzung im Ballungsraum, aber auch oft unter Trockenheit. „Die Pflanzen leben alle am Minimum“, sagt der Förster. Und nur bei einem Landregen von drei bis vier Tagen erreiche das Wasser auch die Bodenporen und damit die Wurzeln der Bäume. „Alles andere verdunstet oder fließt ab.“ Der Frankfurter Stadtwald hatte mithin in den vergangenen Wochen ausreichend Gelegenheit, Wasser im Boden zu speichern. Bereits geschädigten Bäumen hilft dies allerdings nicht: „Ein Baum stirbt langsam“, sagt Divisch; seien Wurzeln abgerissen oder Äste abgestorben, helfe keine noch so lange Regenperiode.

Dabei brauchen die Frankfurter ihren Stadtwald - nicht nur als attraktives Erholungsgebiet, sondern, wie Divisch sagt, auch als „Klimamaschine“. Der Forst schützt die Stadt vor den häufigen Südwestwinden, und im Sommer sorgt er dafür, daß es in der Innenstadt nicht ganz so heiß wird: Gäbe es den Wald nicht, läge dort die Temperatur um drei bis fünf Grad höher.

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Jahrgang 1961, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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