17.10.2008 · Die Fachhochschule feiert ihr hundertjähriges Bestehen mit den „Hochhausfassadentagen“. Thema der Tagung sind die Entstehung und die Zukunft der Skyline. Stadtplaner Jochem Jourdan kritisierte eine neue Angsthöhe der Politik. Sie liege bei 60 bis 100 Metern.
Von Rainer SchulzeWie die Kirchtürme früher die Bedeutung des Christentums markierten, haben auch die Frankfurter Bürotürme für den Stadtplaner Jochem Jourdan ihre eigene Symbolik: „Die Hochhäuser stehen für die globale Macht des Geldes“, sagte er am Freitag im Rahmen der „Hochhausfassadentage“, die die Fachhochschule anlässlich ihres hundertjährigen Bestehens – das ihrer Vorgängerinstitutionen eingerechnet – ausrichtet. Die früher wegen ihrer städtebaulichen Auswirkungen umstrittenen Türme würden inzwischen von der breiten Bevölkerung mit Stolz wahrgenommen, meint Jourdan. „Frankfurt hat sich über Jahrzehnte hinweg mit seinen Hochhäusern angefreundet.“
Alles fängt einmal klein an, so auch die hiesige Hochhaus-Silhouette, die längst das moderne Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Die Entstehung der Turmbauten rekapitulierten am Freitag gleich zwei Redner, wobei sich der eine offenbar im Thema vergriffen hatte. Denn eigentlich sollte Karlotto Schott über die Entwicklung der Hochhausfassaden referieren. Ein Thema, mit dem er sich auch weitaus besser auskennt als mit der stadtplanerischen Geschichte der Türme. Schott ist Gründer des Instituts für Fassadentechnik und der Erfinder der sogenannten Parallelausstellfenster, mit denen die Belüftung von Hochhäusern geregelt wird. Doch sein Vortrag geriet streckenweise zu einer schlecht koordinierten Diaschau.
Anregungen aus Boston
Somit schadete es nicht, über die Entstehung der Skyline noch einmal aus dem berufenen Mund von Jourdan zu hören. Der Stadtplaner ist 1998 mit der Erstellung des Hochhausrahmenplans und 2005 mit dessen Fortschreibung beauftragt worden. Er fertigt also jenes Instrument, mit dem die Stadt die Entwicklung neuer Turmbauten steuern will. Jourdan streifte kurz die verschiedenen Methoden, mit denen seit dem Krieg der Bau von Hochhäusern reguliert wurde: die Ausbildung städtebaulicher Dominanten in den fünfziger und sechziger Jahren entlang der Wallanlagen, den Fingerplan, mit dem der damalige Planungsdezernent Kampffmeyer vom Anlagenring ausgehende Verdichtungsbänder schaffen wollte und den Widerstand der Bevölkerung erntete. Anfang der achtziger Jahre sah der Speerplan Entwicklungsachsen, etwa an der Mainzer Landstraße, vor.
1998 wurde das Büro Jourdan & Müller erstmals mit dem Hochhausrahmenplan beauftragt. Durch eine Reise nach Boston sei er angeregt worden, drei Pulks vorzuschlagen, in denen die Hochhäuser konzentriert werden sollten: das Messe-, das Bahnhofs- und das Bankenviertel. Dass erst in diesem Jahr das erste Hochhaus auf einem von ihm vorgeschlagenen Standort errichtet wird, zeige „die Langsamkeit von Stadtplanung“, sagte Jourdan.
Ausgehend von der in den vergangenen Monaten geäußerten Kritik, verteidigte Jourdan noch einmal seine Vorschläge zur Fortschreibung des Hochhausrahmenplans, der etwa eine Erweiterung des Bankenviertels um das Degussa-Areal, die Marieninsel und das Allianz-Hochhaus vorsieht. Mit der von der Römerkoalition geänderten Fassung, die einige Kürzungen enthält, zeigte er sich nicht zufrieden: „Es gibt in der Frankfurter Politik neuerdings eine neue Angsthöhe. Sie liegt bei 60 bis 100 Metern. Und damit betreibt man Stadtplanung.“
Doppelfassade aus Glas
Jourdan verteidigte seinen umstrittenen Vorschlag, weitere Wohnhochhäuser am Eschenheimer Turm zu bauen. Es gelte, „die Situation erträglicher zu machen“. Er schlage darum eine bessere Durchwegung des Areals und weitere Wohnhochhäuser vor. „Man kann die vorhandenen Gebäude nur entweder sprengen oder sie in eine bessere Agglomeration einbinden.“
Der Niederlassungsleiter des Frankfurter Architekturbüros KSP Engel und Zimmermann, Martin Oster, stellte den Büroturm vor, der derzeit als Teil des Ensembles „Palais Quartier“ errichtet wird. Der Turm weist unterschiedliche Fassaden auf: Neben einer zum Teil geschlossenen Einfachfassade aus Aluminium und Glas werden die besonders markanten Gebäudeabschnitte mit einer Doppelfassade aus Glas versehen.
Als Gegner von Glasfassaden gab sich hingegen der Schweizer Ingenieur Peter Berchtold zu erkennen, der sich dem Thema Energieverbrauch widmete. Aus ökologischen Gründen sei eine Lochfassade vorzuziehen. Ein Gebäude mit einer einfachen Fassade mit massiven Anteilen schneide im Energieverbrauch, verglichen mit einer gläsernen Doppelfassade, deutlich besser ab. Die ideale Gebäudehülle sei daher eine einfache Lochfassade mit zu öffnenden Fenstern und Zwischendecken, die als Wärmespeicher genutzt werden könnten. Zudem demonstrierte Berchtold anschaulich, dass eine gläserne Außenhaut dunkel wirkt. In Architektenwettbewerben werde Glas jedoch stets als das hellste Element hervorgehoben.