In der Entscheidung über die Gestalt des neuen Hauptsitzes der Europäischen Zentralbank (EZB) bahnt sich ein schwerer Konflikt zwischen der Notenbank und der Stadt an. Dem Vernehmen nach favorisiert die EZB den Entwurf des Hamburger Büros ASP Schweger Assoziierte, die Stadt gibt dagegen dem Entwurf von Coop Himmelb(l)au aus Wien den Vorzug. Vor rund zwei Wochen soll Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) bei den Fraktionen des Viererbündnisses vertraulich um Unterstützung seiner Haltung gegenüber der EZB gebeten haben. Das sei ihm einhellig zugesagt worden, heißt es im Römer.
Schwarz wie auch die Fraktionen lehnen den Entwurf Schwegers demnach vehement ab. Wenn der Entwurf von Coop Himmelb(l)au, der im Februar mit dem ersten Preis des Architektenwettbewerbs ausgezeichnet worden war, nicht zum Zuge komme, sei der damals drittplazierte Entwurf des Darmstädter Büros 54f. vorzuziehen, heißt es. Von der EZB war nur zu hören, daß man nichts ohne Zustimmung der Stadt entscheiden werde.
Die Präferenz der EZB für den Schweger-Entwurf hatte sich schon im Frühsommer abgezeichnet. Sie läuft dem Echo auf das Wettbewerbsergebnis insofern zuwider, als der Schweger-Entwurf von Architekturkritikern, Kommunalpolitikern und von Laien überwiegend kritisch beurteilt worden war. Die Rede war von einer Hochhauswand mit Deckel, die bedrohlich hinter der Großmarkthalle aufragen werde und ein Bild der EZB als kalter, machtbewußter Institution zeichne. Die hohe Plazierung wurde als Zufallsprodukt im Ringen der Jury begriffen; der Entwurf von 54f., der eine Hochhausgruppe vorschlägt, galt als eigentlicher zweiter Sieger. Fest wurde damit gerechnet, daß sich Coop Himmelb(l)au auch nach der Überarbeitungsphase würden durchsetzen können, weil sie das vermeintliche Bedürfnis der EZB nach einem kameratauglichen Gebäudesymbol am besten bedienten. Diese Annahme war offenbar voreilig. Weniger überraschend ist, daß der Entwurf von Coop Himmelb(l)au offenbar auch wirtschaftliche Nachteile hat. Die statisch enorm anspruchsvolle Konstruktion soll um die 100 Millionen Euro teurer sein als der Schweger-Bau, heißt es im Römer. Sollte sich diese Zahl bestätigen, wäre es in der Tat eine gewaltige Differenz. Gegen Coop Himmelb(l)au war von Skeptikern auch vorgebracht worden, daß die Ausführungsplanung ihrer kühnen Konstruktionen mitunter mangelhaft sei. Bisher ist unbekannt, wie stark die Architekten ihre Entwürfe gegenüber dem Wettbewerb verändert haben. Noch liegen nur Modelle vor, die vom Februar datieren. Der EZB-Zentralbankrat wird am 18.November eine endgültige Entscheidung fällen. Erst danach soll die Öffentlichkeit über den aktuellen Planungsstand informiert werden.
Im Römer wird nun darüber spekuliert, wie sich Stadt und Notenbank einigen könnten. Beide Seiten können starke Argumente geltend machen. Die EZB hat sich von vornherein ausdrücklich vorbehalten, einen der drei Wettbewerbssieger bauen zu dürfen. Ein Widerspruch der Stadt gegen diese Wahlfreiheit ist nicht öffentlich bekanntgeworden. Andererseits hat die Stadt das Planungsrecht. Ohne die Aufstellung eines Bebauungsplans kann die EZB ihre Neubaupläne nicht verwirklichen. Jetzt könnte sich auch die Entscheidung der EZB rächen, keine Stadtverordneten in die Jury berufen zu haben. (ale.)

