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Stadtplanung Fachwerkhäuser an neuem Ort

18.11.2005 ·  Das Areal zwischen dem Dom und dem Römerberg soll nur kleinteilig bebaut werden. „Die planerischen Fakten“, also die Schirn Kunsthalle und das neue „Haus am Dom“, ließen eine authentische Rekonstruktion nicht zu, so die Stadtplaner.

Von Matthias Alexander
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Der überarbeitete Entwurf des Büros KSP Engel und Zimmermann sieht für das Areal zwischen Dom und Römerberg eine kleinteiligere Bebauung vor als die ursprüngliche Planung. Auch dem historischen Stadtgrundriß haben sich die Planer angenähert, allerdings in Form einer „Interpretation“, wie Jürgen Engel, Partner des Büros, gestern bei der Präsentation des neuen Modells hervorhob.

Die planerischen Fakten, die in der Umgebung, beispielsweise durch die Schirn Kunsthalle und das neue „Haus am Dom“ geschaffen worden seien, ließen eine authentische Rekonstruktion nicht zu. Durch den Rückgriff auf historische Namen solle das „Stadtgedächtnis“ gestärkt werden.

Eine bessere Belichtung

Engel sagte, sein Büro habe in der Detailarbeit am Entwurf die Wünsche der Bevölkerung, wie sie in der Debatte der vergangenen Wochen erkennbar geworden seien, einzuarbeiten versucht. Wertvolle Fachwerkhäuser wie die Goldene Waage oder das Rote Haus ließen sich jedoch nicht an ihrem ursprünglichen Standort rekonstruieren, sondern nur an anderer Stelle. Engel schlägt vor, die rekonstruierten Häuser in jenem Block zusammenzufassen, der dem Römer am nächsten ist und damit einen Zusammenhang zur Ostzeile herzustellen.

Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) wies darauf hin, daß die Vorgaben der Jury für die Überarbeitung vom Büro KSP erfüllt worden seien. Der Krönungsweg sei nach Norden verschwenkt worden. Wie Engel weiter ausführte, läßt sich der Krönungsweg, der die Straßenbezeichnung „Am Markt“ trug, jedoch nicht an seine ursprüngliche Stelle legen, weil er dann auf das neue „Haus am Dom“ zuliefe. In dem Entwurf werde Wert darauf gelegt, die Nord-Süd-Verbindungen zu verbessern. Dadurch werde in Herbst und Winter auch für eine bessere Belichtung gesorgt.

Schwarz: Ich wäre froh, wenn das ging

Schwarz äußerte, er identifiziere sich mit dem revidierten Entwurf. Gleichzeitig hob der Stadtrat hervor, die weitere Debatte sei als „offener Prozeß“ angelegt. Der Planungsdezernent wollte sich nicht festlegen, wann er der Stadtverordnetenversammlung eine Magistratsvorlage zur zukünftigen Bebauung des Areals zuleiten werde. Wie berichtet, hatte Schwarz in der vergangenen Woche während einer Podiumsdiskussion im Hause dieser Zeitung angekündigt, eine solche Vorlage noch vor der Kommunalwahl vorlegen zu wollen. Gestern sagte Schwarz, eine Vorlage, die sogleich abgelehnt werde, wolle er nicht erarbeiten. Schwarz rechnet denn auch nicht mehr mit einer politischen Entscheidung vor der Kommunalwahl Ende März. „Ich wäre froh, wenn das ging, aber wie ich die Stadtverordneten kenne, klappt das nicht.“ Schwarz sagte, über die Nutzung solle gemeinsam mit den Stadtverordneten entschieden werden.

Dieter von Lüpke, Leiter des Planungsamts, sprach ebenfalls von einer „überzeugenden Planung“ des Büros KSP. erwartet eine langwierige Diskussion. Vieles sei noch kaum diskutiert worden. In den vergangenen Wochen habe es eine „Fassadendiskussion“ im wörtlichen wie im übertragenen Sinne gegeben. Wer glaube, urbane Atmosphäre über Fassaden erzeugen zu können, täusche sich. Zu einem vitalen Stadtquartier gehöre aber mehr, etwa ein spannungsreicher Stadtgrundriß. Lüpke hob hervor, daß die Fragen nach Nutzung und Nutzern in der öffentlichen Debatte bisher kaum behandelt worden seien. Diese wiederum hingen zusammen mit der Frage, wer dort bauen solle - ein Investor, verschiedenen Investoren oder sogar viele Bürger. Die Antworten hätten wiederum Rückwirkungen auf den Stadtgrundriß. Und erst in einem letzten Schritt sei dann über Architektur und Fassadengestalt zu entscheiden.

Architekt: Flexible Grundrisse nötig

Auch Architekt Engel hob hervor, daß Urbanität nur in einem lebendigen Stadtquartier entstehen könne. Damit eine funktionierender Nutzungsmischung entstehen könne, seien flexible Grundrisse nötig. Engel ließ deutlich erkennen, daß er von einer Rekonstruktion von Fachwerkhäusern nicht viel hält. Es gebe eine sensible und feinsinnige Moderne in der Architektur. Engel schlug vor, für die Neubauten auf dem Areal des Technischen Rathauses Putz- und Sandsteinfassaden vorzuschreiben. Um zu demonstrieren, wie Gebäude aussehen könnte, die den städtebaulichen Vorgaben seines Entwurfs entsprechen, hatte Engel entsprechende Simulationen vorbereitet. Planungsdezernent Schwarz wies darauf hin, daß über die tatsächliche Architektur erst später, in mehreren Realisierungswettbewerben, entschieden werden solle.

Schwarz warb dafür, weiterhin auch über eine Verlagerung des Historischen Museums und einen Abriß der Gebäudeteile aus den siebziger Jahren nachzudenken. Wie berichtet, stehen die Aussichten dafür nicht gut. Die Fraktionen von SPD, Grüne und FDP haben schon angekündigt, in der ersten Sitzung des Sonderausschusses für die Altstadtbebauung einem Antrag zustimmen zu wollen, der eine Verlagerung des Historischen Museums ausschließt. Derzeit läuft ein Architektenwettbewerb für einen Umbau des Museums. Das Haus soll sich künftig besser in die Umgebung einfügen.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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