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Stadtplanung Der öffentliche Raum ist grau

24.11.2008 ·  „Graue Steinwüste“ nennen Anwohner und Einzelhändler die drei neugestalteten Innenstadtplätze Roßmarkt, Goethe- und Rathenauplatz. Mit dem Rathenauplatz endet nach rund fünf Jahren Bauzeit die Neugestaltung der drei Plätze. Zumindest bei den Anliegern stößt sie nur auf wenig Zustimmung.

Von Rainer Schulze
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Wenn heute an der Biebergasse acht Zierapfelbäume in den Boden des Rathenauplatzes gepflanzt werden, zieht die Hoffnung auf ein wenig Farbe ein in die „graue Steinwüste“, wie Anwohner und Einzelhändler die drei neugestalteten Innenstadtplätze Roßmarkt, Goethe- und Rathenauplatz nennen. Rosarot sollen die kleinen Bäume der Sorte „Makamik“ blühen, die nur sechs Meter hoch werden und im Oktober runde Früchte tragen. Noch in dieser Woche werden die Pflasterarbeiten abgeschlossen, die Bauzäune sollen in der ersten Dezemberhälfte verschwinden.

Mit dem Rathenauplatz endet nach rund fünf Jahren Bauzeit die Neugestaltung der drei Plätze. Zumindest bei den Anliegern stößt sie nur auf wenig Zustimmung. „Ein Exerzierplatz“ – Oliver Schepp, Geschäftsführer eines Schreibwarenladens am Rathenauplatz, hat sein Urteil längst gefällt. Noch kein Kunde habe sich ihm gegenüber positiv über die Neugestaltung des Innenstadtplatzes geäußert, auf dem zurzeit die letzten Pflastersteine verlegt werden. „Kein bisschen Grün“, klagt er. Der kleine Hain von Schnurbäumen rund um das Goethedenkmal nebenan mache die Sache nicht besser. „Pfff, die paar Bäumchen“, sagt Schepp und lächelt müde.

Neue Bänke

Seine Nachbarn stoßen ins gleiche Horn. Frank Würschinger ist über die Wut über den „Fußballplatz“, wie er sagt, vor seinem Blumengeschäft schon hinweg. Auf so einen Platz gehöre ein Café mit Stühlen und Atmosphäre. „Aber ich rege mich schon wieder auf“, seufzt er. Und die Optikerin Daniela Kupferschmidt lässt kein gutes Haar an der „rundrum misslungenen“ Neugestaltung der drei Plätze: „Farbe, Flair, Blumen und Licht fehlen. Das lockt auch keine Kunden an.“ Das Pflaster schrecke sogar eher ab: Eine Kollegin sei mit dem Schuhabsatz in dem Kopfsteinpflaster hängengeblieben und habe sich den Fuß gebrochen.

Der Sprecher des Planungsdezernats bittet um etwas Geduld: „Man sollte die Plätze zunächst auf sich wirken lassen, wenn sie fertig sind“, sagt er. Das wird wohl erst im Frühjahr der Fall sein, wenn die Fontänen des neuen, computergesteuerten Sprüh- und Sprudelbrunnens auf dem Rathenauplatz plätschern, die Verkleidung am Lüftungsbauwerk der U- und S-Bahnen angebracht ist und acht neue Bänke auf dem Goetheplatz stehen.

Schnurbäume

Anlass der Neugestaltung war der Bau einer Tiefgarage unter dem Goetheplatz, die im Juni 2006 einige Monate vor dem angekündigten Termin eröffnet wurde. Der Termin für die Fertigstellung der Plätze war seither immer wieder verschoben worden, zuletzt hatte sich die Fertigstellung des Rathenauplatzes noch einmal um ein Jahr verzögert. Während der Europameisterschaft ruhten die Bauarbeiten, weil die Fläche für ein sogenanntes Public Viewing benötigt wurde. Zudem heißt es im Planungsdezernat, die Verkehrsgesellschaft Frankfurt habe wegen statischer Probleme mehrfach den Termin für die Fertigstellung des Zugangs zur S- und U-Bahnstation Hauptwache verschieben müssen. Insgesamt waren für die Neugestaltung 9,15 Millionen Euro eingeplant. Ob die Bausumme ausgereicht hat, sei noch nicht abschließend geklärt.

Das Ergebnis entspricht im Kern dem überarbeiteten Entwurf der Berliner Architektin und Landschaftsgärtnerin Gabriele Kiefer, die im Juni 2004 als Siegerin aus dem Gestaltungswettbewerb hervorgegangen war. Anschließend hatte Kiefer wohl auf Drängen des Stadtplanungsamtes mehrfach nachbessern müssen. So hatte die Architektin ursprünglich vorgehabt, den konturlosen Dreifach-Platz mit einem Ginko-Hain rund um das Goethedenkmal zu gliedern. Doch weil diese Sorte über der Decke der Tiefgarage zu tief wurzeln würde, wurde auf Goethes Lieblingsbaum verzichtet. Noch sind die Schnurbäume, die das Dichterdenkmal nun umstehen, schmächtig. Sie sollen rund zehn Meter hoch werden und eine lichtdurchlässige Krone tragen.

Untypischer Belag

Auch der Bodenbelag weicht vom ursprünglichen Entwurf ab. Kiefer hatte einheitliche, dunkle Betonplatten vorgesehen, nur der Hain in der Mitte sollte mit Kies versehen werden. Roßmarkt und Rathenauplatz wurden stattdessen kleinteilig gepflastert. Bei dem grauen Kies auf dem Goetheplatz ist es jedoch geblieben. Der Architekt Christoph Mäckler kritisierte unlängst diesen Belag als untypisch für Frankfurt. Der Platz sei von „individueller modischer Gestalt“.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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