09.11.2006 · Die schwarz-grüne Koalition in Frankfurt hat sich auf Grundzüge für die Neubebauung des Dom-Römer-Areals geeinigt. Vier bedeutsame Häuser der früheren Altstadt sollen „qualitätvoll“ rekonstruiert werden.
Von Matthias AlexanderDie schwarz-grüne Koalition in Frankfurt hat sich auf Grundzüge für die Neubebauung des Dom-Römer-Areals geeinigt. In einem gemeinsamen Antrag heißt es, der historische Stadtgrundriß solle weitgehend wiederhergestellt werden. Vier bedeutsame Häuser der früheren Altstadt sollen „qualitätvoll“ rekonstruiert werden. Es handelt sich um die Häuser „Junger Esslinger“ (auch bekannt als „Haus der Tante Melber“), das „Goldenes Lämmchen“, die „Goldene Waage“ und das Rote Haus.
Die vier Gebäude sollen jeweils Kern eines historisch anmutenden Ensembles werden. Das Erscheinungsbild der Nachbarbauten soll sich den rekonstruierten Häusern stark anpassen. Für die übrigen Häuser sollen Gestaltungsrichtlinien gelten. An den Nahtstellen zur umgebenden Bebauung wie der Schirn Kunsthalle und dem Kunstverein sollen nach dem Willen der Antragsteller „sensible Übergänge“ geschaffen werden.
Hoher Wohnanteil vorgesehen
Vorgesehen ist eine „gemischte Nutzung“ bei einem hohen Wohnanteil. Von den Nutzungen ausgehend, soll auch der Zuschnitt der Grundstücksparzellen geregelt werden. Das Hotel, das nach dem Vorschlag des Wettbewerbssiegers KSP Engel und Zimmermann neben dem Haus am Dom errichtet werden sollte, entfällt. Auch an dieser Stelle soll es eine kleinteilige Bebauung geben, „kleinere Beherbergungsbetriebe“ könnten in den geplanten Messehöfen zwischen der Gasse Hinter dem Lämmchen und der Braubachstraße entstehen. Der Archäologische Garten soll gleichfalls kleinteilig überbaut werden, jedoch öffentlich zugänglich bleiben. Die Gebäude in diesem Block würden voraussichtlich öffentlich genutzt.
Der Antragstext deckt sich weitgehend mit den Vorstellungen, die Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) am Mittwoch abend auf dem Parteitag entwickelt hat (siehe Seite 54). Roth hat dem Vernehmen nach in den vergangenen Wochen in der koalitionsinternen Debatte, die zu dem jetzt präsentierten Vorschlag geführt hat, eine führende Rolle gespielt.
Gegen Aufbau à la Hessenpark
Wie in einem Teil der gestrigen Ausgabe berichtet, schwebt Roth eine „spannungsgeladene Mischung aus Historie und Moderne“ vor. Einer Totalrekonstruktion erteilte sie eine Absage. „Mit einem Hessenpark im Zentrum der Stadt gäben wir uns der Lächerlichkeit preis“, zitiert sie zustimmend eine Äußerung des Architekten Christoph Mäckler. Präziser als der schwarz-grüne Antrag äußerte sich Roth zu Fragen der Architektur: Sie könne sich einfache Häuser mit steilen Schieferdächern gut vorstellen, roter Mainsandstein könnte ein bevorzugtes Material werden. Roth sprach von insgesamt 30 Häusern, die auf dem Areal entstehen sollte.
Die beiden Fraktionsvorsitzenden Markus Frank (CDU) und Olaf Cunitz (Die Grünen) machten in einer Erklärung auch erste Andeutungen zur Frage, wer als Bauherr auftreten könnte. Für die vier originalgetreu zu rekonstruierenden Häuser solle die Stadt selbst als Bauherrin tätig werden, anschließend könnten sie in Erbpacht vergeben werden. Wie zu hören ist, könnten auch die übrigen Parzellen in Erbpacht an einzelne Interessenten vergeben werden. Allerdings bestünde dann die Gefahr, daß das ganze Projekt durch schlechte Steuerung oder durch die Insolvenz einzelner Bauherren verzögert würde.
In den Fraktionen wird noch darüber diskutiert, wie sich diese Gefahr juristisch bannen läßt. „Andere Städte haben auch Lösungen gefunden, indem sie den Bauherren in Verträgen strikte Zeitvorgaben gemacht und ihnen die Grundstücke notfalls wieder entzogen haben“, hieß es im Römer gestern.
SPD: Planungswerkstatt diskreditiert
CDU und Grünen hoben hervor, daß der Antrag auch Anregungen der Planungswerkstatt aufgreife. Das Stadtplanungsamt werde jetzt eine konkrete Planung erarbeiten, die den Teilnehmern der Werkstatt im Dezember vorgelegt werde. Anschließend soll eine Magistratsvorlage ausgearbeitet werden, über die die Stadtverordnetenversammlung zu entscheiden hat. Dann müsse auch geklärt werden, wie das Projekt koordiniert werde.
Der SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Oesterling äußerte, Roth habe mit ihrer Stellungnahme die Arbeit der Planungswerkstatt diskreditiert. Die Sozialdemokraten seien nach wie vor dafür, die Bürger in einer Befragung über die Bebauung des Altstadt-Areals entscheiden zu lassen.
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Jüngste Beiträge