In der Frage, ob das geplante Urban Entertainment Center (UEC) auf dem ehemaligen Frankfurter Hauptgüterbahnhofsareal mit einer erweiterten Einzelhandelsfläche errichtet werden darf, zeichnet sich eine einheitliche Haltung der Fraktionen des Viererbündnisses ab. Im Gespräch mit dieser Zeitung äußerten planungspolitische Experten der Fraktionen von CDU, SPD, Grünen und FDP übereinstimmend, daß eine Attraktion mit überregionaler Ausstrahlung unabdingbare Voraussetzung für eine Änderung des städtebaulichen Vertrages sei. Nur dann werde neue Kaufkraft nach Frankfurt gezogen. Werde dagegen einfach ein neues Einkaufszentrum errichtet, sei lediglich eine Umverteilung der regionalen Kundenströme zuungunsten der Frankfurter Zeil zu erwarten. Vertreter des UEC-Konsortiums aus Einkaufszentrumsbetreiber ECE, Grundstückseigentümer Vivico und Investor Difa Deutsche Immobilien Fonds AG konnten gestern nachmittag bei Besuchen in den Fraktionen von CDU und SPD aber noch keine Attraktion nennen, die den Forderungen der Fraktionen genügte.
Wie berichtet, war das Konsortium mit dem Wunsch im Römer vorstellig geworden, die Einzelhandelsfläche von 40000 auf 50000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche erhöhen zu können. Nach Ansicht des Konsortiums ist das UEC nur in dieser Größenordnung rentabel zu betreiben. Alexander Otto, Geschäftsführer der ECE, wies Ende vorigen Jahres auf den hohen architektonischen Anspruch des UEC hin. Es werde in Europa einmalig sein und zahlreiche Touristen und Geschäftsleute anziehen. In den Gesprächen mit den Fraktionen haben sich Vivico-Geschäftsführer Dirk Grosse-Wördemann und Gerd Wilhelmus, bei der ECE für Objektentwicklung zuständig, gestern dem Vernehmen nach vor allem darum bemüht, die Sorgen der Stadtverordneten über eine drohende Schwächung der Innenstadt zu zerstreuen. Sie legten ein Gutachten vor, wonach lediglich zwei bis drei Prozent des Einzelhandelsumsatzes in Frankfurt durch den Bau des UEC neu verteilt würden.
Wie weiter zu hören ist, wurden die Zahlen von vielen Stadtverordneten mit Skepsis aufgenommen. Mittlerweile kursieren drei Einzelhandelsgutachten, und mancher wird den Verdacht nicht los, daß die Ergebnisse den Wünschen der jeweiligen Auftraggeber entsprechen. In allen Fraktionen wird zudem dem sogenannten Zeil-Projekt der MAB der Vorrang gegeben.
Im Römer befürworten vor allem Oberbürgermeisterin Petra Roth und Planungsdezernent Edwin Schwarz (beide CDU) eine entgegenkommende Haltung gegenüber dem UEC-Konsortium. Sie argumentierten mit der Investitionssumme von mehr als einer Milliarde Euro. Hinter den Kulissen arbeiten dagegen Josef Buchmann, Eigner des Nordwestzentrums, sowie Einzelhandelspräsident Frank Albrecht und MAB-Geschäftsführer Holger Hagge gegen das Projekt. ale.

