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Sprecherziehung Das kann man auch schöner sagen

26.11.2006 ·  Lispeln oder Nuscheln kurieren sie nicht. Dafür schulen Sprecherzieher Stimme und Sprache ihrer Kunden für deren Berufe. Radiomoderatoren, Manager, Sekretärinnen und Opernsänger lassen sich von ihnen trainieren.

Von Friederike Haupt
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„Piepsmäuschen“ sind bei ihm an der falschen Adresse. Das stellt Joachim Fillies direkt klar. Und dann erklärt er, wer denn bei ihm an der richtigen Adresse ist: angehende Radiomoderatoren. Seine sonore Stimme kommt einem bekannt vor, kein Wunder, denn Fillies ist Off-Sprecher beim ZDF, arbeitet auch für Arte und die Kulturzeit. Vor allem aber ist er ausgebildeter Sprecherzieher.

Sprecherziehung kann man in Halle, Regensburg und Stuttgart studieren. Die Deutsche Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung (DGSS) bietet außerdem einen eigenen Studiengang mit acht Semestern an. In Hessen hat der Verband etwa 60 Mitglieder. Sprecherziehung, das klingt nach Logopädie. Ist es aber nicht. In Joachim Fillies' Worten: „Piepsmäuschen sind ein Fall für den Logopäden, und Leute, deren Stimme schon richtig sitzt, kommen zu mir.“ 60 Minuten Einzeltraining mit einem der angehenden Moderatoren kosten 125 Euro. Zehn davon braucht jemand „mit Talent und Gehör“, um sich dauerhaft zu verbessern.

Kieksige Stimme - „kein Thema“

Und was übt man da? Phonetik zum Beispiel, richtiges Phrasieren und Betonen. Aber da hört Fillies noch lange nicht auf. Auch die Wortwahl ist ihm wichtig. „Ich will kein ,bereits' hören, wo ein ,schon' möglich ist“, sagt er. Außerdem gibt er, der selbst bei verschiedenen Radiosendern in Deutschland und Luxemburg gearbeitet hat, dem Nachwuchs Ausspracheregeln der wichtigsten europäischen Fremdsprachen mit auf den Weg. Und daß man nicht auf den letzten Drücker und außer Atem zum Nachrichtensprechen kommen sollte, weiß Fillies aus eigener Erfahrung.

Auch der Hessische Rundfunk engagiert nach Angaben einer Sprecherin regelmäßig Sprecherzieher, die mit den Moderatoren und Nachrichtensprechern ihre Sendungen durchgehen, ihnen Tips für die Arbeit geben. Neben Radiomoderatoren trainiert Joachim Fillies auch Manager für ihre Präsentationen. „Dann werde ich in Frankfurter Hotels bestellt, wo wir hinter verschlossenen Türen arbeiten.“ Vielen Menschen aus den Vorstandsetagen sei es unangenehm, zu ihm zu kommen.

Mit Managern arbeitet auch Andreas Wiedow zusammen. Aber nicht nur. Auch Call-Center-Mitarbeiter, Pressesprecher, Moderatoren und Sekretärinnen gehören zu seinen Kunden in Frankfurt. Wiedow betreibt ein Weiterbildungsportal und bietet dort ganz verschiedene Arten von Stimm- und Sprachtraining an, vermittelt auch Rhetorikseminare. Übungen für Atem und Stimme, richtiges Sprechen durchs Mikrofon, „Artikulation mit pfiffigem Wirtschaftsvokabular“ - die Liste der Angebote ist lang. Ein zweitägiges Stimmtraining in einer Kleingruppe beispielsweise kostet allerdings auch 1450 Euro. Dafür wird aber sogar versprochen, daß eine „kieksige Stimme“ und „fehlender Sexappeal“ nach dem Seminar „kein Thema“ mehr seien.

„Fünf Stunden üben zu Hause“

Eine ganz andere Klientel hat Stefanie Köhler. In der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst lehnt sie am Fensterbrett und hört konzentriert zu, wie eine Studentin sorgfältig betonend „Die Heinzelmännchen zu Köln“ deklamiert. „Sie können viel lässiger sprechen“, rät sie, „und die Beine dürfen mitarbeiten.“ Gleich noch mal. „Cool! Klasse! Viel besser“, lobt dann die Professorin. Die Verben könne man aber noch individueller aussprechen, die Artikulation dürfe nicht als Kunst hörbar werden. Die Schülerin paßt gut auf. Vielleicht will sie den Text in einer Prüfung vorsprechen. Für die nächste Sprecherziehungsstunde gibt ihr Köhler noch Hausaufgaben auf. Joachim Fillies, der Moderatorentrainer, weiß: „Eine Stunde beim Sprecherzieher bedeutet fünf Stunden üben zu Hause.“

Dem stimmt Luba Orfenova gern zu. Die Russin arbeitet gelegentlich an der Frankfurter Oper. Zur Vorbereitung von Rimski-Korsakows Oper „Die Zarenbraut“ übte sie mit den Sängern die richtige Aussprache der russischen Texte. Mit dem Chor habe sie es leichter gehabt, sagt sie, da seien Russen dabei. Und die, die Russisch in der Schule gelernt haben, seien sowieso klar im Vorteil. Sechs Wochen hat sie mit den Sängern geprobt, und Orfenova ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Je nachdem, in welchem Land sie arbeite, müsse sie auch das Training anpassen, erzählt die Stimmexpertin, die in Moskau wohnt, aber an Opern und Theatern in ganz Europa arbeitet. Die Muttersprache des Sängers habe immer Einfluß auf dessen Umgang mit dem Russischen.

Die Premiere hat ihr besonders Spaß gemacht, denn die hat sie nicht als Sprecherzieherin, sondern als Opernfreundin genossen. Sie hat sich zurückgelehnt, auf die Musik und die Handlung konzentriert und Betonungen Betonungen sein lassen.

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