Home
http://www.faz.net/-gzh-vcmm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Spendenaktion Neue Augenklinik eröffnet

20.07.2007 ·  Mehr als 70.000 Blinde leben in Haiti. Mit dem Geld, das Leser der F.A.Z. in den Jahren 2005/2006 gespendet haben, wurde eine neue Augenklinik in Port-au-Prince errichtet. Sehbehinderte können nun besser versorgt werden.

Von Stefan Toepfer
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (1)

Gut ein Jahr nach Abschluss der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ 2005/2006 ist vor wenigen Tagen in Port-au-Prince die Augenklinik eröffnet worden, für die die Leser rund 244.000 Euro gespendet hatten. Mit Hilfe dieses Geldes konnte die im südhessischen Bensheim angesiedelte Christoffel-Blindenmission die dringend benötigte Klinik errichten. Sie ist dem Grace-Children’s-Hospital angeschlossen, mit dem die Blindenmission seit langem kooperiert.

Bei der Feier in Port-au-Prince, an der auch der haitianische Gesundheitsminister Robert Auguste und der deutsche Botschafter Hubertus Thoma teilnahmen, dankte der Direktor der Christoffel-Blindenmission, Martin Georgi, den Lesern der F.A.Z. und anderen Spendern, die den Bau ermöglicht hätten. „Die positive Reaktion war überwältigend.“ Der Bau sei „ein deutliches Zeichen der Solidarität und der Hoffnung“, sagte Georgi laut einer Mitteilung der Blindenmission.

Operationen am Grauen Star möglich

Das Grace Children’s Hospital hatte zwar schon seit längerem eine Abteilung für Blinde und Sehbehinderte, diese war aber viel zu klein für die vielen Kranken. Der größte Nachteil war bisher, dass Operationssäle fehlten. Um Menschen etwa am Grauen Star – der häufigsten Erblindungsursache in Entwicklungsländern wie Haiti – zu operieren, musste die Ärztin Ritza Eugène ins Universitätshospital ausweichen. Die dortige Augenklinik ist zwar gut ausgestattet, aber recht weit entfernt vom Grace Children’s Hospital, das von Armenvierteln umgeben ist. Außerdem musste Eugène sich den Operationssaal mit Augenärzten der Uniklinik teilen.

Die neue Klinik hat zwei Operationssäle. In drei Konsultationsräumen sollen täglich mehr als 100 Patienten betreut werden, hinzu kommen zwei Räume mit Betten zur Vor- und Nachbehandlung bei Eingriffen. Die Operationssäle stehen nicht nur den beiden bei der Klinik angestellten Augenärzten zur Verfügung, sondern können auch von weiteren Augenärzten aus der Hauptstadt und ihrer Umgebung genutzt werden, wie die Blindenmission mitteilt. Die Baukosten betrugen demnach 323.100 Euro und entsprachen damit der Planung, weitere 159.000 Euro wurden für die Ausrüstung benötigt.

Georgi sagte, er hoffe, dass die neue Klinik „über ihre Außendienste in verschiedenen Teilen des Landes sowie mit ihrem weitreichenden augenmedizinischem Aus- und Fortbildungsprogramm für Gesundheitshelfer, Lehrer und medizinisches Fachpersonal einen wirksamen Beitrag zur Blindheitsbekämpfung und -verhütung in Haiti leisten kann“.

Eines der ärmsten Länder der Welt

Das war von Anfang an ein wichtiges Ziel des Neubaus. Der Gesundheitsminister wies auf die mehr als 70.000 Blinden hin, die in Haiti lebten. Für sie habe es bisher im ganzen Land nur zwei ophthalmologische Zentren gegeben. Die Regierung wolle in der Augenheilkunde wie auch sonst in der Gesundheitsfürsorge in den nächsten Jahren große Fortschritte erreichen, sei dabei aber bis auf weiteres auf Unterstützung aus dem Ausland angewiesen. Das krisengeschüttelte Haiti zählt zu den ärmsten Ländern der Erde.

Nach Angaben der Blindenmission leidet mehr als die Hälfte der Blinden in Haiti am Grauen Star. Eine Operation soll in der neuen Klinik 40 Dollar kosten, eine einfache Konsultation zwei Dollar. Da viele Patienten aus den umliegenden Armenvierteln dies nicht zahlen könnten, helfe die Blindenmission mit Spenden aus Deutschland. Zur Zeit würden in Haiti jährlich etwas mehr als 3000 Operationen am Grauen Star vorgenommen. Gemeinsam mit der Regierung und anderen Partnern hat die Christoffel-Blindenmission einen Plan erarbeitet, wonach die Zahl in den nächsten Jahren auf mehr als 15.000 jährlich erhöht werden soll.

Im Namen des Grace Children’s Hospitals sagte Harry Geffrard, mit Hilfe der neuen Klinik könne man nun wesentlich besser gegen Augenerkrankungen vorgehen. Wie er dankte auch Thoma den Spendern. „Ich freue mich sehr, dass die Klinik mit deren Hilfe errichtet werden konnte“, sagte der Botschafter.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1965, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr