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Speed-Dating Verlieben im Sieben-Minuten-Takt

25.04.2011 ·  Um die Partnersuche zu beschleunigen, gibt es Speed-Datings. Ob das rasche Kennenlernen eher Liebe oder eher Frust bringt, hängt auch hier vom Gegenüber ab. Ein Selbstversuch im Land der Singles.

Von Stephanie Huber, Frankfurt
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Immer wieder stupst mein Gegenüber seine Fingerspitzen aneinander. Er zieht die Mundwinkel nach oben, Lachfalten um die dunkelbraunen Augen hinter der rahmenlosen Brille bilden sich nicht. Er räuspert sich, fährt die Spitze seines Kugelschreibers aus und lehnt sich so weit über den Tisch, dass ich seinen Atem riechen kann. „Naaa, wer bist du denn?“ In krakeliger Schreibschrift notiert er sich „Rojita“ auf seiner Bewertungskarte, ich schreibe „brain.Frankfurt“ in das Feld für den Nickname. Sein rechter Mundwinkel zuckt. „Meine Freunde nennen mich nämlich ,The brain‘“, sagt er und lehnt sich grinsend zurück. „Ja – wow“, sage ich. Auf meine Karte kritzele ich ein „No“.

Es ist ein Samstagnachmittag, an dem ich meinen Traummann kennenlernen soll. Ich habe mich bei dem Unternehmen Speed-Dating für ein Blind-Date angemeldet. Seit 2002 arrangiert die Firma Treffen für Singles zwischen 18 und 65 Jahren, dabei werden die Altersklassen jeweils in Zehnerschritten gebildet; ich bin in der Klasse 22 bis 32. Das Konzept sieht vor, dass sieben Frauen jeweils sieben Minuten Zeit haben, um sieben Männer kennenzulernen. Am Ende entscheidet jeder Teilnehmer, ob er einen oder mehrere andere wiedersehen will.

„Meine Freundin hat sechs Mal mitgemacht, bis sie dann ihren jetzigen Partner kennengelernt hat“

Schon als ich die Stufen zum Café am Schweizer Platz hochsteige, sehe ich durch die Glastür eine Gruppe von sieben Männern an einem Tisch sitzen. Um sie herum plaudern andere Gäste. Dampf schwebt aus weißen Tassen, es riecht nach Kaffee. Die Speed-Dating-Herren scheinen alle Anfang 30 zu sein – fast zehn Jahre älter als ich. Einer mit Glatze lugt zu mir herüber, als ich Eingangstür schließe. Ich bleibe stehen und schaue mich um. Er lächelt. Eine Frau hastet mit einem Strahlen im Gesicht auf mich zu und flötet: „Hallo, ich bin der Dating-Engel Yvonne. Schön, dass du zum Speed-Dating gekommen bist.“ Sie reicht mir eine Bewertungskarte, auf der ich mir später Notizen zu den Kandidaten machen kann.

Noch herrscht Geschlechtertrennung. Vier Teilnehmerinnen sitzen an einem Tisch – in Sichtweite der Männer. Ich geselle mich zu ihnen. Sie sind alle Mitte 20 und machen so etwas zum ersten Mal. „Meine Freundin hat sechs Mal mitgemacht, bis sie dann ihren jetzigen Partner kennengelernt hat“, erzählt eine von ihnen. In den Jahren 2008 und 2009 haben nach Auskunft des Veranstalters jeweils zwei Paare, die sich auf diesem Weg kennengelernt hatten, geheiratet – in diesen Tagen kommt das erste „Speed-Dating-Baby“ Deutschlands zur Welt.

Der Löffel am Prosecco-Glas gibt den Startschuss

Eigentlich hätte es schon vor zehn Minuten losgehen sollen. Dating-Engel Yvonne eilt an den Frauentisch, dieses Mal strahlt sie nicht. „Wir haben ein Problem, meine Damen“, sagt sie und ihr Blick wird ernst. Zwei Teilnehmerinnen haben das Café sofort wieder verlassen, die Männer sind nun in der Überzahl. Für uns Mädels ist das kein Problem, schließlich sind es immer zwei Männer, die in jeder Runde aussetzen müssen.

Dann schlägt Dating-Engel Yvonne mit einem Löffel an ein Prosecco-Glas – das Startsignal. Kandidat Nummer eins – Nickname „Zukunft“. Bevor er sich auf dem Stuhl mir gegenüber niederlässt, wandern meine Augen vom Scheitel bis zur Fußspitze. Die Negativliste in meinem Kopf füllt sich blitzschnell: Er hat keine Haare auf dem Kopf, durch das weiße, enge Hemd zeichnet sich ein übertriebener Eifer an der Hantelbank ab, und an seiner Hose prangt ein Gürtel mit handgroßem D&G.

Beliebte Anbandel-Methode

Nachdem wir beide ein paar Floskeln ausgetauscht haben, beginnt das gegenseitige Ausfragen. „Woher kommst du?“ – „Wie alt bist du?“ – „Was arbeitest du?“ – „Was machst du in deiner Freizeit?“ Er ist 32 Jahre alt, arbeitet „im IT-Bereich“, geht gerne feiern. Am liebsten dorthin, wo die Beats richtig dröhnen. „Techno und House sind nicht so mein Ding“, sage ich. Er antwortet nichts, dann lacht er grell. Wir gucken beide zu den Teilnehmern neben uns. Drei Frauen und Männer sitzen sich links von mir an einem großen Holztisch gegenüber. Meine Nachbarin donnert eine Geschichte über einen Australienaufenthalt über den Tisch, als wollte sie den Lärm im Café übertönen. Ich lehne mich nach vorne. Der Duft seines Parfüms steigt mir in die Nase. Ich mag den leicht süßlichen Geruch. Aber die ersten drei Sekunden haben schon längst entschieden: „Zukunft“ ist nicht mein Typ.

Den richtigen Partner über Speed-Dating zu finden versuchen immer mehr Singles. Die Teilnehmerzahl bei der SpeedDating GmbH ist nach eigenen Angaben seit 2007 stetig gestiegen: 2008 wurden 322 Treffen organisiert, zwei Jahre später waren es schon 501.

„Ich versprech’ dir, durchhalten lohnt sich“

Es geht zu wie am Fließband. Alle sieben Minuten grinst mich ein anderes Männergesicht an. Eine Pause gibt es nicht. Immer wieder dieselben Fragen. Immer wieder die gleiche Australiengeschichte von der Teilnehmerin neben mir. Und immer wieder meine Frage: „Aus welchem Grund machst du denn hier mit?“ Jeder gibt eine andere Antwort, jeder eine ausweichende: „Meine beste Freundin hat mich angemeldet“ – „Ich hab einen Gutschein zum 30. Geburtstag bekommen“ – „Einfach so aus Spaß“. Dass sie eine Frau an ihrer Seite suchen, sagt keiner.

Kandidat Nummer sieben – Nickname „MSB“. Er trägt glänzend polierte Lederschuhe, eine schmalgeschnittene Jeans und ein kariertes Hemd. Als er sich mir gegenüber setzt, sagt er: „Hey, na kannste noch eine letzte Runde?“ Um ehrlich zu sein, dröhnt mir wirklich schon der Kopf. Die in jeder Runde wiederholte Australien-Geschichte in Megafon-Lautstärke hat maßgeblich dazu beigetragen. „Ich versprech’ dir, durchhalten lohnt sich.“

Nicht der Richtige dabei

Wir unterhalten uns locker über Studium, Musik und Filme. Ich erzähle, dass ich mir gerne den Film „Das Lied in mir“ ansehen will und frage ihn, für welchen Film er zurzeit ins Kino will. „,Das Lied in mir‘ – mit dir“, sagt er, grinst verschmitzt und hebt seine Augenbrauen. Ich grinse nicht so sehr, eigentlich gar nicht, sondern schaue zum Dating-Engel, der an einem anderen Tisch das Prosecco-Glas zum siebten und letzten Mal erklingen lässt. Schweigend warten wir beide, bis sie zu uns kommt und das Ende einläutet.

Wie sympathisch sich die Kandidaten fanden, wird sich in den nächsten 48 Stunden zeigen. Wenn beide bei der Online-Auswertung „Ja“ in dem Feld „möchte ich wiedersehen“ anklicken, werden E-Mail-Adresse und Telefonnummer freigeschaltet. Kandidat Nummer eins versucht diesen Weg zu umgehen. „Vielleicht sieht man sich ja heute Abend im U 60311, die Beats sind dort echt richtig hart.“ Dass ich diese Art von Diskotheken nicht mag, hat er scheinbar überhört.

Flüsternd fragt mich eine der Kandidatinnen, wie es für mich gelaufen sei, dabei dreht sie ihren Daumen erst nach oben, dann nach unten. Mein Daumen zeigt nach unten. „Und bei dir?“, frage ich sie. „Ich fand’s echt super, weil ich in kürzester Zeit so viele verschiedene Typen kennengelernt habe. Der Richtige war nur leider auch nicht dabei.“

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