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Silvester Partyrausch im Lichtermeer

 ·  Balanceakte im Tigerpalast, Espressotartelettes im Interconti, Feuerzauber auf dem Eisernen Steg, Erotik von der Stange im „Golden Gate Club“: ein Streifzug durch Frankfurt in der Neujahrsnacht.

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Balanceakte im Tigerpalast, Espressotartelettes im Interconti, Feuerzauber auf dem Eisernen Steg, Erotik von der Stange im „Golden Gate Club“: ein Streifzug durch Frankfurt in der Neujahrsnacht.

Tigerpalast, 20 Uhr

„Could you be so nice: Tischlampe aus.“ Die Bitte von Moderatorin Alix Dudel ist ebenso freundlich wie wirkungsvoll. Sekunden später versinken die Besuchertischchen im schummrigen Dämmerlicht der Bühnenbeleuchtung. Rund hundert Silvestergäste haben sich im Varieté-Saal des Tigerpalastes versammelt, um das Jahr mit einer Mischung aus Akrobatik, Jonglage und Kabarett ausklingen zu lassen.

Während sich unter den Händen von Jongleur Mario Berousek silberne Kegel in schnell rotierende Scheiben aus Farben und Licht verwandeln, gelingt es Carole Demers vom „Weiße Krähe“-Trio, sich nur mit Hilfe einer elastischen Stange in die Höhe zu katapultieren. Nach mehreren Salti kommt die Artistin – zur Begeisterung des Publikums – wieder sicher auf dem von ihren beiden Partnern ausbalancierten Stab zu stehen.

Ein Stockwerk tiefer, in der noch leeren Bar des Tigerpalastes, sitzt Hildegard Mayer. Die Revue kann sie hier nicht sehen, aber das Programm kennt sie ohnehin aus dem Effeff. „Ich komme seit zwanzig Jahren in dieses Varietétheater, mittlerweile drei bis viermal im Monat.“ Selbst Heiligabend oder Silvester verbringe sie mittlerweile im Kreise der Artisten und der Tigerpalast-Belegschaft. „Eine eigene Familie habe ich leider nicht mehr, aber inzwischen ist das hier meine Familie“, sagt sie und rückt dabei ihre Pelzboa zurecht.

Zu den Menschen, für die Silvester ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag ist, gehört Steffen Schreiner, stellvertretender Saalchef des Tigerpalastes. „Ich habe kein Problem damit, heute zu arbeiten, ich wüsste nach 15 Jahren in der Gastronomie auch gar nichts mehr mit dem Tag anzufangen“, sagt der Einunddreißigjährige. Während die Vorstellung noch läuft, sind er und sein Team damit beschäftigt, den Champagner für die Varieté-Gäste bereitzustellen und den Shuttle-Service für die Tigerpalast-Gäste zu organisieren, die das Silvester-Fest im Café Siesmayer fortsetzen wollen.

Taxi, 22 Uhr

Ausgesprochen gerne ist Taxifahrer Ralf an Silvester in Frankfurt unterwegs. Schließlich lasse sich an diesem Tag gutes Geld verdienen. Seine Schicht habe prima begonnen, die erste Fahrt sei zum Flughafen gegangen. „Wenn das schon so anfängt, ist das ein gutes Zeichen“, sagt er gutgelaunt. Ralf ist ganz froh darüber, zum Jahreswechsel hinterm Steuer seines Taxis zu sitzen. Er sei kein Feiertyp, außerdem möge er keinen Sekt. Seine Fahrgäste dafür umso mehr, was auch der Grund dafür ist, dass an Silvester Taxis so gefragt sind. Insgesamt ist für Rolf das gesamte Taxijahr 2006 „recht gut“ verlaufen. „Und ich rechne damit, dass das Jahr 2007 noch besser wird.“

Hotel Intercontinental, 22.30 Uhr

Hoch über den Dächern der Stadt, im 21. Stock des Interconti am Mainufer, wird auf gediegene Art ins neue Jahr hineingefeiert. Rund 280 Gäste drängen sich in der „Silhouette“ genannten Lounge in der obersten Etage des Hotels, wo sie einen exklusiven Blick auf die Mainmetropole genießen. Neben einem Büffet – gereicht werden unter anderem Espressotartelettes an Bourbonsauce – wirken besonders die zwei Tanzflächen, die mit Tanz- oder Diskomusik beschallt werden, als Magneten.

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01.01.2007, 21:31 Uhr

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