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Schweinegrippe Neue Impf-Empfehlung für Kinder erwartet

19.11.2009 ·  Die Ärzte in Hessen müssen inzwischen nur noch Todesfälle melden. Die Ärztekammer verurteilt die Anti-Impf-Rundmail, die verschickt wurde.

Von Caren Langer, Frankfurt
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Eltern, die sich noch fragen, ob sie ihre Kinder gegen die Schweinegrippe impfen lassen sollen, werden vermutlich Anfang der nächsten Woche eine weitere Entscheidungshilfe bekommen: Der Entwurf einer neuen Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert-Koch-Institut, der voraussichtlich dann veröffentlicht wird, rate zur Impfung von Kindern, die älter als sechs Monate sind. Das sagte René Gottschalk, stellvertretender Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, am Mittwoch auf einer Veranstaltung der Landesärztekammer zur Schweinegrippe.

Nachdem vor kurzem die Fachgesellschaft der deutschen Kinderärzte eine Kehrtwende in ihrer Einschätzung der Impfung gemacht habe und diese jetzt befürworte, werde die Stiko nachziehen, sagte Gottschalk. Ein entsprechender Entwurf liege ihm vor. Bisher hatte das Gremium von 16 Experten nur dazu geraten, Kinder impfen zu lassen, die wegen chronischer Krankheiten oder anderer Faktoren ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Grippe aufwiesen.

„Wegen des gigantischen Anstiegs der Fallzahlen sind die Gesundheitsämter zuletzt völlig überlastet gewesen“

Die Seuchenbeauftragte der hessischen Landesregierung, Angela Wirtz, teilte mit, dass Ärzte bundesweit seit dem vergangenen Wochenende keine Erkrankungs-, sondern nur noch durch die Schweinegrippe bedingte Todesfälle melden müssen. „Wegen des gigantischen Anstiegs der Fallzahlen sind die Gesundheitsämter zuletzt völlig überlastet gewesen“, sagte Wirtz. Bisher gibt es in Hessen einen Todesfall, der mit einer H1N1-Infektion in Verbindung gebracht wird. Auch wenn Erkrankungen nicht mehr meldepflichtig sind, sollen Krankenhäuser dem hessischen Gesundheitsministerium weiterhin Rückmeldungen über ihre Belegung mit Schweinegrippe-Patienten geben, um mögliche Engpässe in der Versorgung sofort zu bemerken.

Für das Frankfurter Universitätsklinikum informierte Hans Doerr, Direktor des Instituts für Medizinische Virologie, über den Gesundheitszustand der beiden Patienten ohne bekannte Vorerkrankungen, die dort in Lebensgefahr schwebten. Die 39 Jahre alte Frau, die seit Anfang des Monats behandelt werde, sei „über den Berg“, sagte Doerr. Von dem 43 Jahre alten Mann, der wegen der Erkrankung ein akutes Lungenversagen erlitten hatte, lasse sich dies noch nicht sagen.

Die große Welle wird noch erwartet

Alle drei Experten rieten der Bevölkerung nachdrücklich dazu, sich gegen die Schweinegrippe impfen zu lassen. „Seit April spüren wir nur Vorwellen“, sagte Gottschalk. „Die Modellierungen zeigen, dass der eigentliche Tsunami in den Wintermonaten noch bevorsteht, vermutlich im Januar/Februar.“

Auch aus diesem Grund verurteilten die Fachleute die Rundmail der Frankfurter Hausärztin Juliane Sacher, die seit zwei Wochen im Internet kursiert und inzwischen bundesweit Aufmerksamkeit erregt hat. Sacher hatte darin behauptet, der in den Impfstoffen Pandemrix und Focetria enthaltene Wirkverstärker Squalen sei auch bei den amerikanischen Soldaten im Ersten Golfkrieg für Impfungen eingesetzt worden und habe bei ihnen die sogenannte Golfkriegskrankheit verursacht. Diese äußere sich unter anderem in chronischer Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Depressionen. In der Mail hieß es, wenn die Bundesregierung wie geplant impfe, hätten acht bis neun Millionen Bundesbürger in Zukunft auch unter diesen Symptomen zu leiden.

„Schlichter Unsinn“

„Wir in Frankfurt kennen Frau Sacher schon lange und auch ihre Ansichten zum Zusammenhang von Aids-Erkrankungen mit dem HI-Virus oder der Krebsbehandlung“, sagte Gottschalk. „Was sie über die Impfung gegen die Schweinegrippe behauptet, ist schlichter Unsinn und schürt bewusst Angst in der Bevölkerung.“ Der Präsident der Landesärztekammer Hessen, Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, drückte sein Bedauern darüber aus, dass die Landesärztekammer von sich aus nicht gegen die Verbreitung von Falschinformationen durch Sacher reagieren könne. Um gegen sie vorzugehen, müsse ein Arzt sie wegen des Verdachts auf Verletzung des Berufsrechts anzeigen.

Auch das Paul-Ehrlich-Institut in Langen, das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, hat inzwischen im Internet eine Stellungnahme veröffentlicht, die die von Sacher aufgestellten Behauptungen entkräftet.

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