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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Schule Wolff verteidigt „Unterrichtsgarantie plus“

 ·  Kultusministerin Karin Wolff will gewährleisten, daß von der ersten bis zur zehnten Klasse kein Unterricht mehr ausfallen soll. Eltern, Studierende und pensionierte Lehrer sollen erkrankte Lehrkräfte ersetzen.

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Kultusministerin Karin Wolff (CDU) hat Kritik an ihrem umstrittenen Konzept der „Unterrichtsgarantie plus“ zurückgewiesen. Das bundesweit einmalige Programm verbessere die Qualität der hessischen Schulen erheblich, sagte die Politikerin.

Kein Kind der Klassen 1 bis 10 werde vom nächsten Schuljahr an mehr nach Hause geschickt, weil ein Lehrer fehle. Der vor allem durch Krankheit bedingte Ausfall von möglicherweise durchschnittlich 70.000 Stunden je Woche soll künftig durch schulinterne Regelungen und einen Vertretungspool etwa aus Eltern, Studierenden oder pensionierten Lehrern behoben werden. SPD und Grüne sowie die GEW erneuerten ihre Kritik. Das Frankfurter Schulamt äußerte auf Nachfrage: „Wir sind auf einem guten Weg, das Projekt umzusetzen.“

Die unter anderem von der GEW erhobene Forderung nach einer um zehn Prozent höheren Lehrerzuweisung lehnte Wolff ab. Ein solches Verfahren sei nicht flexibel genug. Der Krankenstand der Lehrer schwanke beispielsweise bedingt durch Grippewellen stark. Der Vorwurf, sie hole über den Vertretungspool „Krethi und Plethi“ in die Schulen, sei falsch, so Wolff. Wegen Krankheit, Fortbildung oder Konferenzen fehlten je Woche rechnerisch sieben Prozent des Kollegiums.

1000 Euro für Vertretungskräfte

Von den nicht Anwesenden wiederum sollten nur 2,5 Prozent durch externe Kräfte ersetzt werden. Zudem mindere nichts die Qualität mehr als Unterrichtsausfall. Auch von einer Mehrbelastung der Lehrer durch die „Unterrichtsgarantie plus“ könne nicht die Rede sein; im Gegenteil: „Die Lehrer werden entlastet.“ Zu dem Vorwurf, die neue Eigenverantwortlichkeit der Schulen sei eine Flucht des Ministeriums aus der Verantwortung, sagte Wolff: „Das trifft nicht zu, die Gesamtverantwortung bleibt beim Staat.“

Den Vertretungspool müssen die Schulleiter selbständig mit ihnen geeignet erscheinenden Vertretungskräften aufbauen. Dafür erhält jede Schule pro Planstelle 1000 Euro im Jahr. Die Schwierigkeiten vieler Schulleiter, einen derartigen Pool aufzubauen, führte Wolff unter anderem auf Unsicherheit zurück. Die Zeit für ein derartiges Projekt sei keineswegs zu kurz, seit Oktober seien die Schulleiter informiert.

Die Zuweisung von Lehrern zur Erfüllung der strukturellen Unterrichtsgarantie nach der Stundentafel geschehe in diesem Jahr so früh und transparent wie nie zuvor, führte die Ministerin weiter aus. Schon jetzt hätten die Schulämter genaue Zahlen. Rund 55.000 Lehrer sollen 45.063 Stellen besetzen. Da der Zuweisungserlaß in diesem Jahr „nichts Kryptisches mehr hat“, könne sich jede Schule leicht ausrechnen, wie viele Lehrer sie erhalte.

Nagel: „Blick für die Realität verloren“

Die GEW kritisierte Wolffs Pläne. „Wer mit nicht voll ausgebildeten und Nicht-Aktiven-Lehrern Unterricht garantieren will, hat offensichtlich völlig den Blick für die Realität verloren“, sagte GEW-Landeschef Jochen Nagel. Die SPD-Fraktion im Landtag und die Grünen bekräftigten ihren Vorwurf, die Ministerin wälze die Verantwortung für die Unterrichtsgarantie auf die Schulen ab.

Statt Ganztagsschulen auszubauen, in denen ausfallender Unterricht auch mit qualitativen Angeboten besser kompensiert werden könnte, zwinge Wolff die Schulen mit hohem Aufwand, Vertreter auch ohne pädagogische Qualifikation anzuwerben, sagte die SPD-Bildungspolitikerin Heike Habermann. Der bildungspolitische Sprecher der Grünen, Mathias Wagner, hob hervor, eine ausreichende Lehrerzuweisung „ist und bleibt Aufgabe der Kultusministerin“.

Frankfurt sucht 400 Personen

Die schulpolitische Sprecherin der FDP, Dorothea Henzler, forderte, die nicht ausgegebenen Vertretungsmittel müßten komplett zur freien Verfügung bei den Schulen bleiben. So würden Schulen belohnt, die wenig Krankheitsfälle hätten. Das Geld könnten die Schulen dann in die Qualitätsentwicklung investieren oder für die langfristige Beschäftigung von Schulassistenten einsetzen. Derzeit plant Wolff, den Schulen 70 Prozent des nicht verbrauchten Vertretungsbudgets für das folgende Jahr zu überlassen.

Hans-Rolf Eifert, Leiter des Staatlichen Schulamtes Frankfurt, rechnet damit, daß jede Schule der Stadt zwei bis drei Vertretungskräfte braucht; in ganz Frankfurt würden also 300 bis 400 Personen gesucht. „Wir nehmen jetzt Kontakt mit allen möglichen Institutionen auf. Da entsteht ein richtiger Markt, in dem Firmen als Vermittler auftreten“, sagte Eifert. Denn auch wenn letztlich die Schulleiter für den Aufbau der Pools zuständig seien, erhielten sie Hilfe von den Staatlichen Schulämtern.

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