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Dienstag, 07. Februar 2012
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Schule und Kultur Auf der Bühne sind die Schüler ganz anders

21.12.2009 ·  Das Projekt „Tusch“ bringt Schule und Kultur zusammen. Im darstellenden Spiel können die Jugendlichen auch neue Seiten an sich selbst entdecken.

Von Tobias Thieme, Frankfurt
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Etwas chaotisch geht es schon zu, vor und auf der Theaterbühne in der Georg-August-Zinn-Schule. Wer von den Sechstklässlern nun Schauspieler ist und wer zum Publikum gehört, ist nicht immer ganz klar, und die Geräuschkulisse macht die Unterscheidung nicht gerade einfacher. Aber eigentlich ist das auch egal. Denn beim „Tusch-Projekt“ ist der Weg das Ziel.

Tusch steht für „Theater und Schule“. Es ist ein Projekt, bei dem Bühnen- und Bildungswesen in einer Stadt eng zusammenarbeiten, um Schülern das Kulturgut Theater näherzubringen. Die ersten Projekte in Frankfurt wurden vor drei Jahren begonnen. Die Integrierte Gesamtschule in Griesheim beteiligt sich seit September. „Die Schüler lernen unheimlich schnell und begeistern sich für das Theater. Inzwischen engagieren sich viele in außerschulischen Projekten, von denen man das vorher gar nicht erwartet hätte“, sagt Walter Ybema von der „Theaterassoziation Frankfurt“, dem Projektpartner der Schule. Bevor die Klassen mit der eigentlichen Erarbeitung von Stücken begonnen haben, sind sie gemeinsam ins Theater gegangen. „Für viele war es das erste Mal“, sagt Ybema. Man wolle aber niemanden bekehren. In der Theaterpädagogik gehe es vielmehr darum, dass die Schüler neue Seiten an sich selbst entdeckten.

Kein Glaube an Zahlen

Ein Zwischenergebnis zeigten die Sechstklässler am Freitag, indem sie kurze Stücke aufführten, die sie im Unterricht erarbeitet hatten. Zum Beispiel ein Stück über den Besuch des Weihnachtsmarktes. Lebkuchen, Schokoäpfel, Pommes, Popcorn, Glühwein: die kleinen Schauspieler sinnieren über die vorweihnachtlichen Freuden. Danach entrollen sie ein mindestens zehn Meter langes Banner, auf dem unzählige Händeabdrücke symbolisieren, wie viele Menschen auf der Welt bei einem fünfzehnminütigen Spaziergang über den Weihnachtsmarkt an Hunger sterben. Es geht nicht einfach nur um das Theaterspiel. Die Kinder erarbeiten sich soziale Themen. Und oft geht es bei diesen Themen auch um Selbstbewusstsein. „Die Statistik redet uns ein, 30 von 100 Schülern machten das Abitur“, heißt es in einem anderen Stück. Sogleich fallen zwei Drittel der Schüler zu Boden. „Wir glauben nicht an Zahlen“, sagen die Schauspieler dann und stehen wieder auf. „Im Berufsleben muss man sich auch darstellen können. Man muss lernen, vor anderen zu bestehen“, sagt Schulleiterin Angela Hachmann.

Lampenfieber bleibt da nicht aus. „Natürlich bin ich nervös. Da sitzen hundert Leute im Publikum, und die Presse ist da. Aber es macht großen Spaß“, sagt Alicia Backer, eine Schülerin in der sechsten Klasse. Die Dialoge haben die Schüler unter Anleitung selbst entwickelt. „Wir haben nichts Fertiges vorgelegt bekommen, was wir auswendig lernen sollten“, sagt Backer. Deswegen hätten sie das auch so schnell hinbekommen, ergänzen Alessia Zappietro und Nabila Bouzalmat. Alle zwei Wochen wurde eine Doppelstunde des Kunstunterrichts für die Theaterproben genutzt.

„Sie entdecken ihr Talent“

Patrick Merz, als Lehrer auch zuständig für Suchtberatung und Gewaltprävention, ist überzeugt, ganz neue Seiten an seinen Schülern entdecken zu können. „So mancher Zappelphilipp oder gewaltbereite Schüler zeigt sich auf der Bühne ganz anders. Sie entdecken das Theater als Ventil. Und sie entdecken ihr Talent“, sagt Merz.

Das ursprünglich vor zehn Jahren in Berlin entwickelte Projekt wird in Frankfurt von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft, der Stadt Frankfurt, dem Kultusministerium, dem Wissenschaftsministerium und dem Schultheater-Studio Frankfurt unterstützt. Inzwischen gibt es 16 Partnerschaften zwischen Theatern und Schulen. Die Einzelprojekte sind zunächst auf drei Jahre angelegt. „Wir hoffen, dass die Partnerschaften danach mit Hilfe von Sponsoren fortgeführt werden können“, sagt Gundula van den Berg, Projektleiterin beim Schultheater-Studio.

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